Charlotte Knobloch
„Die AfD ist für jüdische Menschen nicht wählbar“

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„AfD ist eine Partei in der sich Antisemiten pudelwohl fühlen können“

Ähnlich hatte sich der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder geäußert: „Diese Partei hat keinen Platz in Deutschland. Ich hoffe, dass sie bald von der politischen Bühne verschwindet“, sagte er unter anderem in Anspielung auf AfD-Politiker Björn Höcke. Dieser hatte in einem Interview des „Wall Street Journal“ infrage gestellt, Adolf Hitler sei das „absolute Böse“ gewesen. Mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin hatte Höcke bei einem Auftritt in Dresden von einem „Denkmal der Schande“ gesprochen.

Petry wies darauf hin, dass gegen Höcke ein Parteiausschlussverfahren angestrengt werde. „Es gehört für die AfD zum politischen Selbstverständnis, an die Grauen des Holocaust zu erinnern“, sagte sie. „Dies allein an dem gesellschaftlich umstrittenen Berliner Holocaust-Denkmal festzumachen, greift jedoch zu kurz.“

Die Grünen wandten sich ebenfalls gegen die Petry-Äußerungen. „Wenn Petry die AfD als „Garant jüdischen Lebens“ am Markt positionieren möchte, betreibt sie politische Scharlatanerie und erinnert an den Teufel, den man mit dem Beelzebub austreibt“, sagte der Bundestagsabgeordnete Volker Beck. „Die AfD ist eine Partei in der sich Antisemiten pudelwohl fühlen können und die antisemitische Positionen in ihre Wahlprogramme schreibt.“

So fordere die Partei etwa die Streichung einer Ausnahmeregelung für die jüdische und muslimische Religion im Tierschutzgesetz für das rituelle Schlachten (Schächten). „Wer mit Schächt- oder Beschneidungsverboten die jüdische Religion kriminalisieren will, ist eine Gefahr für das Judentum in Deutschland“, sagte Beck dazu. Wer das Judentum schützen wolle, müsse vielmehr die Religionsfreiheit verteidigen, beim Tierschutzgesetz, bei der Beschneidung oder bei religiösen Kopfbedeckungen wie Kippa oder Kopftuch.

Dazu passe, wenn Höcke die Erinnerung an die Shoa vergessen machen wolle und als Schande denunziere. „An diesem Spiel beteiligt sich auch Frau Petry, wenn sie von einem umstrittenen Holocaust-Denkmal spricht.“ Mit dieser Aussage, so Beck, „streichelt sie die Seele des sekundären Antisemitismus, der gegen einen vermeintlichen Schuldkult wettert“.

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Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Charlotte Knobloch: „Die AfD ist für jüdische Menschen nicht wählbar“"

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  • Wobleibt ihr Aufschrei gegen den Islam??

  • Sehr geehrte Frau Knobloch,

    die Beschneidung ist eine Menschenrechtsverletzung. Der Bundesrichter Eschelbach bezeichnet § 1631d BGB als "offensichtlich verfassungswidrig". Ein Beschneidungsverbot schützt also (auch) jüdische Kinder und somit Juden vor einer Menschenrechts- und sogar Menschenwürdeverletzung. Antisemitisch wäre es also, diese Menschenrechtsverletzung an Juden zu befürworten.

    Der Antisemitismus der AfD zeigt sich also darin, dass sie dieses Verbotsvorhaben wieder zurückgenommen haben.

  • Moshe Dajan am 9. September 1979 auf einer Pressekonferenz in Bonn :

    "Wie ich das verstehe, was der deutsche Außenminister gesagt hat, so haben die palästinensischen Araber ein Recht auf Selbstbestimmung. Aber um dieses auszuüben, zu verwirklichen und zum Beispiel die Errichtung eines palästinensischen Staates zu beschließen, wäre die Zustimmung aller betroffenen Parteien nötig............. Das heißt auch von Israel."

    Link :http://www.deutschlandfunk.de/moshe-dajan-kritisiert-die-haltung-der-brd-zum.871.de.html?dram:article_id=124905

    Der palästinensische Staat wird den Palästinensern bis zum heutigen Tage durch Israel verweigert.
    Der gute Freund Deutschland mahnt die Israelis, diese Verweigerung eines palästinensischen Staates endlich aufzugeben und damit auch den muslimischen Hass auf die Juden - zumindest - zu mindern, der sich leider auch bei den zugewanderten Muslimen in Deutschland verfestigt hat.

    Rechtsradikaler Antisemitismus, der sich nicht gegen Juden sondern den Zionismus richtet und orthodoxe Juden sind in diesem Sinne auch "Antisemiten" , ist in Deutschland eher eine Randerscheinung und in geringer Zahl in der NPD beheimatet. Ein NPD-Verbotsantrag hatte vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Erfolg, weil die Richter zutreffend feststellten, dass die Partei nicht mehrheitsfähig ist und somit keine Gefahr für den demokratischen Rechtsstaat darstellen kann.

    Soweit der gute Freund Deutschland berechtigte Kritik am guten Freund Israel übt, muss das eine gute Freundschaft aushalten und darf nicht zurückgewiesen werden mit dem Argument, dass der geläuterte Freund in der Vergangenheit auch "unsauber" gearbeitet hat.

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