Charmeoffensive
US-Botschafter Murphy umwirbt Guido Westerwelle

Die US-Diplomatie scheint keine besonders hohe Meinung von deutschen Politikern zu haben. Zumindest legen dies die Wikileaks-Enthüllungen nahe. Vor allem FDP-Chef Westerwelle, dessen eigener Mitarbeiter Informant der Amerikaner war, kommt sehr schlecht weg. US-Botschafter Murphy geht deshalb in die Charmeoffensive.
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HB BERLIN. Dem US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, sind die neuesten Wikileaks-Enthüllungen "peinlich und zutiefst unangenehm". Diese geheimen Korrespondenzen gehörten nicht offengelegt, sagte Murphy der Illustrierten "Bunte". Schuldig fühle er sich aber nicht. "Wir machen hier alle einen großartigen Job." Die meisten Auslandsvertretungen auf der Welt arbeiteten ähnlich. "Deshalb erfahren wir auch viel Zuspruch und Verständnis."

Seine Beziehung zu Außenminister Guido Westerwelle (FDP), den US-Diplomaten laut Wikileaks als "eitel" und "inkompetent" bezeichnet hatten, habe keinen Schaden genommen, betonte Murphy: "Er ist ein echter Freund. Ich habe großen Respekt vor ihm." Der Botschafter fügte hinzu: "Diese Kommentare sind nur Momentaufnahmen und lassen das Gesamtbild, den großen deutsch-amerikanischen Film, außer Acht. Guido Westerwelle weiß das."

Die Mehrheit der Deutschen hält nicht viel von der Internetplattform Wikileaks. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für das Magazin "Stern" vertraten 58 Prozent die Auffassung, die vertraulichen Depeschen der US-Botschaften an das Außenministerium in Washington hätten unter Verschluss bleiben sollen. Rund ein Drittel (36 Prozent) begrüßte dagegen die Veröffentlichung.

Das Verhältnis zu den USA schätzte die Mehrheit (60 Prozent) trotz des Wirbels der vergangenen Tage als nicht beeinträchtigt ein. Dass die Beziehungen Schaden genommen hätten, meinten nur 37 Prozent der 1002 Befragten.

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