Chef des Familienunternehmerverbands „Wir sollten Trump nicht nacheifern“

Reinhold von Eben-Worlée ist Bundesvorsitzender des Verbandes der Familienunternehmer. Im Interview spricht er über die mögliche GroKo-Neuauflage, den Steuerwettbewerb mit den USA und seine Sehnsucht nach Jamaika.
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Reinhold von Eben-Worlée ist Bundesvorsitzender des Verbands „Die Familienunternehmer“. Quelle: Worlée
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Reinhold von Eben-Worlée ist Bundesvorsitzender des Verbands „Die Familienunternehmer“.

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BerlinDie Familienunternehmer verstehen sich als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: 9 von zehn deutschen Firmen sind Familienunternehmen – darunter viele Weltmarktführer. Beim Besuch im Berliner Handelsblatt-Büro sprach der Bundesvorsitzende des Verbandes der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée, über die mögliche Neuauflage der großen Koalition, den Steuerwettbewerb mit den USA und seine Sehnsucht nach Jamaika.

Deutschland steuert auf eine neue Große Koalition zu. Sie dürfte vor allem eines werden: teuer. Gibt die Union der SPD zu sehr nach?
Der Union geht es um den Erhalt der Macht und den Erhalt der Konjunktur. Daher hat sie den SPD-Wunsch nach Steuererhöhungen abgewehrt. Außerdem hält sie an der schwarzen Null fest. Das ist gut. Aber außer bei der Einheitskrankenkasse scheint die CDU nicht viele weitere No-Go-Linien zu haben. Kompromiss statt Konfrontation lautet die Devise.

Europa soll zum großen Projekt der neuen Großen Koalition werden. Aktuell wird über eine gemeinsame Einlagenversicherung debattiert. Ihre Einschätzung?
Ich bin dagegen. Dass deutsche Sparer für Risiken in anderen Ländern eintreten, halte ich für nicht vertretbar. Eines hat sich in der Finanzkrise doch gezeigt: Je mehr Staatshaftung es gibt, desto mehr Risiken gehen die Banken ein. Das Auseinanderfallen von Risiko und Haftung ist eines der großen Probleme, die wir in Europa haben.

Haben Sie den Abbruch der Jamaika-Verhandlungen durch die FDP bedauert? War das die richtige Entscheidung?
Ob der Abbruch die richtige Entscheidung war, ist schwer zu sagen, weil ich nicht am Verhandlungstisch saß. Es gab wohl eine Reihe von Faktoren, die verhinderten, dass zwischen den Parteien Vertrauen aufgebaut werden konnte. Sicher ist: Die FDP hätte ihr Nein besser verkaufen müssen. Vielleicht erwartet man aber bei so einem Vorgehen auch, dass die anderen Verhandlungspartner noch stärker auf einen zugehen. Union und Grüne hätten es nicht soweit kommen lassen dürfen. Ich habe Verständnis, dass die FDP nach ihrem Trauma in der vorletzten Regierungsperiode wieder Maß und Mitte finden muss. Da hätten ihnen die anderen Parteien mehr entgegenkommen und helfen müssen.

Haben Sie noch Hoffnungen auf eine Neuauflage von Jamaika?
Wenn die SPD am Sonntag Nein zu Koalitionsverhandlungen sagt, dann bleibt wohl nur noch eine Minderheitsregierung. Oder Kanzlerin Merkel nimmt den Ball nochmal auf und macht Grünen und FDP ein völlig neues Angebot. Vielleicht überlegen es sich die beiden Parteien dann nochmal.

Die USA haben eine gewaltige Steuerreform beschlossen. Fürchten Sie einen transatlantischen Steuerwettbewerb?
Nichtstun können wir uns nicht länger erlauben, denn auch die Briten, Franzosen oder Österreicher senken die Steuerlast für Unternehmen. Eines sollten wir jedenfalls nicht tun: Trump nacheifern und die Staatsverschuldung in die Höhe treiben. Doch dank unserer guten Konjunktur gibt es Spielraum für Steuersenkungen bei uns in Deutschland. Die USA sind ein ernstzunehmender Wettbewerber. Das Pfund, mit dem sie zusätzlich zu ihrer Steuerreform wuchern, sind die niedrigen Energiekosten. Die Kosten dafür in Deutschland laufen aus dem Ruder – auch das ist eine Aufgabe für die nächste Bundesregierung.

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