Chemiezweig steckt weltweit noch in den Kinderschuhen
Künast sieht Wachstumschancen bei weißer Gentechnik

Um die weiße Gentechnik zu fördern, will sich Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) für geringere bürokratische Auflagen für technische Anlagen einsetzen. „Anders als bei der roten gibt es bei der weißen Biotechnologie keine ethischen Probleme wie wir sie von der Forschung mit embryonalen Stammzellen kennen“, sagte die Ministerin dem Handelsblatt.

BERLIN. Bei der weißen Gentechnik handelt es sich um Produktionsverfahren, bei denen genveränderte Mikroben als Biokatalysatoren eingesetzt werden. Endprodukte sind Vitamine, Aminosäuren Enzyme für Waschmittel, die beispielsweise beim Bleichen von Jeans zum Einsatz kommen.

Auch im Vergleich zur grünen Gentechnik, wo die Gefahr der Genmanipulation natürlicher Pflanzen besteht, habe die weiße Schwester nur Vorteile, begründet die profilierte Gentechnikskeptikerin Künast ihre Begeisterung für diesen Zweig der Gentechnik. „Weniger Kohlendioxidausstoß, weniger Abfall, geringere Produktionskosten und weniger Rohstoffeinsatz als bei traditionellen chemischen Verfahren, das sind die Vorteile des Einsatzes von Mikroben und Enzymen in der Chemie.“ Nachteile sehe sie keine, sagte Künast.

Weltweit stecke dieser Chemiezweig zwar noch in den Kinderschuhen. „Von den 7000 Biokatalysatoren, die in der Natur vermutet werden, sind erst 3500 erforscht und nur 75 werden genutzt.“ Anders als bei anderen Technologien habe Europa hier jedoch mit 70 Prozent Marktanteil einen Vorsprung vor den USA. Den gelte es zu nutzen und auszubauen. „Wir dürfen das Potenzial dieses umweltfreundlichen Produktionsweise nicht verschlafen,“ fordert die Ministerin.

Daher will sie mit ihrem zweiten Gesetz zur grünen Gentechnik, das am 18. März vom Bundestag verabschiedet werden soll, administrative Hemmnisse für neue Produktionsanlagen beseitigen. So soll für rund 50 Prozent der üblichen Anlagen das oft langwierige Genehmigungsverfahren gestrichen werden. Die Unternehmen müssen in Zukunft den Bau nur gegenüber den Behörden melden.

Außerdem macht sich Künast für eine Reform der Zuckermarktordnung stark, um der deutschen Industrie wettbewerbsfähige Preise für den wichtigen Rohstoff Zucker zu bieten. Dies lehnt die Union jedoch genau so wie das Gentechnikgesetz ab, das sie im Bundesrat stoppen will.

„Die Union muss sich jetzt entscheiden, weil jetzt die Investitionsentscheidungen fallen,“ sagt dazu Künast. „Will sie ihre Vorstellungen in der grünen Gentechnik gegen die ablehnende überwältigende Mehrheit Bevölkerung durchsetzen oder will sie die weiße Gentechnik gemeinsam mit der Koalition nach vorne bringen. Eine Blockade durch die Union bedeutet, dass die weiße Gentechnik in Deutschland keine Chance hat.“

Weltweit erwirtschaftet die chemische Industrie derzeit mit weißer Biotechnologie einen Jahresumsatz von 33,5 Mrd. Euro. Das sind zwar nur zwei Prozent des gesamten Chemie-Weltumsatzes. Doch Studien von McKinsey sagen voraus, dass 2010 bereits 60 Prozent aller Feinchemikalien wie Aminosäuren oder Vitamine über Biokatalyse hergestellt werden.

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