Chemische Industrie
Gute Chemie statt Klassenkampf

Die Sozialpartner der chemischen Industrie leisten Vertrauensarbeit für die Marktwirtschaft: Nun haben sie einen „Kodex für sozial verantwortliches Handeln“ unterzeichnet – und den Bundespräsidenten damit hoch erfreut.

BERLIN. Ja, geht denn das? Wo gibt es denn so etwas? "Wir machen Klischees kaputt", gibt Eggert Voscherau als Losung aus. Mögen sich andere über einen Realitätsverlust immer gierigerer Manager ereifern - oder umgekehrt über blinde Realitätsverweigerung verbohrter Gewerkschafter und Linkspopulisten. Wer 60 Jahre und ein paar Wochen nach der Geburtsstunde der Sozialen Marktwirtschaft deren Niedergang gekommen sieht, hat die Sozialpartner der Chemieindustrie nicht auf der Rechnung.

Voscherau, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands BAVC und bis Februar 2008 auch Vize-Vorstandschef von BASF, hat es sich zusammen mit dem Gewerkschaftsvorsitzenden Hubertus Schmoldt zur Aufgabe gemacht, die immer lauteren Abgesänge auf das deutsche Konsensmodell Lügen zu strafen. Als erstes fassbares Ergebnis unterzeichneten sie dazu am Donnerstag in Berlin vor geladenen Gästen einen "Kodex für sozial verantwortliches Handeln".

Dem feierlichen Vertragsschluss ging ein einjähriger Diskussionsprozess mit Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern der Chemieindustrie voraus, wissenschaftlich begleitet vom deutsch-amerikanischen Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik. Ganz praktisch soll der Pakt den Tarif- und Betriebsparteien Leitlinien für einen konstruktiven Umgang mit Interessenkonflikten geben, wie sie für eine im globalen Wettbewerb stehende Branche typisch sind. Doch damit nicht genug: "Neues Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft und unsere Demokratie stiften", skizziert Schmoldt das selbst gesteckte Ziel.

Das könnte anmaßend wirken, wo Umfragen fast im Wochentakt sinkende Vertrauenswerte für die gesellschaftlichen Institutionen ergeben. Andererseits aber, so Schmoldts Diagnose, erklärten sich hier zu Lande nach wie vor "allzu viele für nicht zuständig", geeignete Antworten auf die Globalisierung zu geben - "in den Führungetagen der Unternehmen genauso wie in den Verbänden und Organisationen". Die Botschaft: Gewerkschaften und Arbeitgeber können neue Reformbereitschaft organisieren, indem sie deutlicher machen, wo und inwiefern Veränderung zum allseitigen Vorteil ist.

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