Chipindustrie: Sachsen setzt Qimonda die Pistole auf die Brust

Chipindustrie
Sachsen setzt Qimonda die Pistole auf die Brust

Hilfen ja, aber unter strengen Bedingungen: Das Land Sachsen ist bereit, den insolventen Speicherhersteller Qimonda zu unterstützen - sofern der einen Investor findet und ein überzeugendes Konzept vorlegt. Die Politiker fürchten um ihr Prestigeprojekt "Silicon Saxony".
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HB MÜNCHEN. Sachsen will nach der Insolvenz des Spericherhestellers Qimonda einem künftigen Investor finanziell helfen. Zugleich schloss Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) eine staatliche Beteiligung aus, falls Teile von Qimonda ausgegliedert werden. „Wir sehen in dieser Insolvenz eine zweite Chance - sowohl für die Belegschaft, die Technologie und das Unternehmen insgesamt“, sagte Tillichin Dresden. Sachsen habe großes Interesse, den Standort zu erhalten, weil es sich um eine strategische Technologie handele. "Silicon Saxony" stehe für gut ausgebildete Fachkräfte und eine Forschungslandschaft, die ihresgleichen suche.

"Unsere Aufgabe ist nun, alles für diese zweite Chance zu tun. Wir werden kurzfristig mit dem Insolvenzverwalter Gespräche aufnehmen, um sicherzustellen, dass sowohl Technologie als auch Qualifikation am Standort erhalten bleiben", sagte Tillich. Zuvor hatte bereits Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) Unterstützung für einen Investor signalisiert. "Wir stehen auch wie bisher mit unseren Fördermöglichkeiten zur Seite, wenn ein Investor ein überzeugendes Konzept vorlegt", erklärte der Minister.

Laut Jurk wird das Land Sachsen aber genau wie der Bund für das Unternehmen gezahlte Fördermittel zurückverlangen. Den sächsischen Anteil bezifferte er auf einen zweistelligen Millionenbetrag. In der Hauptsache sei Qimonda aber über die Investitionszulage gefördert worden. Sachsen sei mit dem Angebot eines Betriebsmittelkredites in Höhe von 150 Mio. Euro und einer 112-Mio.-Euro-Bürgschaft für neue Investitionen an die Grenze des Vertretbaren gegangen, betonte der Wirtschaftsminister.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet indes an der Rettung des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda. "Die Gespräche laufen", sagte eine Sprecherin in Berlin. Das Ministerium unterstütze wie alle betroffenen Landesregierungen den Prozess "aktiv".

Tillich und Jurk zeigten sich enttäuscht über mangelnde Hilfe der EU. Es gehe hier nicht um einen innereuropäischen Wettbewerb, sagte Tillich. Ähnlich äußerte sich Jurk. "Es kann nicht sein, dass die EU beihilferechtliche Tatbestände zum Anlass nimmt, bestimmte Investitionen zu verhindern. So werden wir Europa entindustrialisieren." Die Europäische Kommission müsse die Frage beantworten, "wie sie industriepolitisch aufgestellt ist und wie sie strategisch bestimmte Produkte weiter in Europa produzieren lassen will". Sachsen gilt als wichtigster europäischer Standort der Chipindustrie.

Unterdessen hält die Infineon-Tochter ihren Betrieb trotz der Insolvenz aufrecht. Der Vorstand sehe "gute Chancen", die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte das Unternehmen in München mit. Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh.

Qimonda hatte am Morgen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte. Ein geplantes Rettungspaket von 325 Mio. Euro reichte nicht aus, um die Pleite der Infineon-Tochter abzuwenden. Anfang der Woche hatte Qimonda nach Angaben von Jurk die am Rettungspaket Beteiligten über eine weitere Finanzierungslücke informiert. Danach hätten sich weder das Land Sachsen noch der Bund oder der Mutterkonzern Infineon in der Lage gesehen, sich zu engagieren.

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