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Christian Ströbele: Stasi-Vorwürfe bringen Grünen-Urgestein unter Druck

exklusivDass Horst Mahler eingeräumt haben soll, für die Stasi gearbeitet zu haben, ist pikant. Denn der Ex-RAF-Anwalt teilte sich einst ein Büro mit Christian Ströbele. Der Grünen-Politiker gerät nun deshalb selbst unter Druck.

Hans-Christian Ströbele (Foto vom 25.06.2011) war auch Anwalt der RAF. Quelle: dpa
Hans-Christian Ströbele (Foto vom 25.06.2011) war auch Anwalt der RAF. Quelle: dpa

DüsseldorfNachdem Horst Mahler, einer der Gründer der RAF, zugegeben hat, als Auslandsspion für die DDR gearbeitet zu haben, gerät nun auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele in den Verdacht, ein Stasi-Spitzel gewesen zu sein. Ströbele hatte mit Mahler Ende der sechziger Jahre als Anwalt zusammengearbeitet. Der Leiter der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, legte Ströbele nahe, eine Erklärung abzugeben. „Auch Herr Ströbele ist bisher nicht gerade durch Selbstkritik aufgefallen - obwohl er gewiss Anlass hätte, über seine Vergangenheit nachzudenken“, sagte Knabe Handelsblatt Online.

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Wenig überrascht zeigte sich der DDR-Experte darüber, dass Mahler Ende der 60er Jahre mit der Stasi zusammengearbeitet haben soll, wie es in Medienberichten heißt. „Er hat damals offen Positionen der SED vertreten und war eine Art trojanisches Pferd der DDR“, sagte Knabe. Aber auch andere führende APO-Aktivisten hätten in dieser Zeit konspirative Kontakte in die DDR gehabt nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. „Die meisten Akteure verdrängen dies leider bis heute, um ihr Selbstbild einer hehren Emanzipationsbewegung nicht zu gefährden“, sagte Knabe.

Über die Stasi-Verstrickung Mahlers berichtete die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf Ermittlerkreise. Mahler hat demnach von 1967 bis 1970 als Inoffizieller Mitarbeiter in den Diensten der für Auslandsspionage zuständigen Stasi-Hauptverwaltung A gestanden.

Wie DDR-Experte Knabe zog auch der parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, den Bogen zum Grünen-Abgeordneten Ströbele. Auch dieser müsse erklären, ob er Stasi-Spitzel gewesen sei, forderte Müller.

„Nachdem jetzt Horst Mahler, einer der Gründer der RAF, zugegeben hat, als Auslandsspion für die DDR gearbeitet zu haben, muss sich nun auch der Grünen-Abgeordnete Ströbele erklären, ob er es seinem Bürokollegen gleich tat und ebenfalls Mandanten und andere für die Stasi bespitzelte“, erklärte Müller.

Hier stelle sich doch die Frage, „ob das Anwältekollektiv Ströbele/Mahler nicht eine Westberliner Außenstelle der Stasi war“. Dass Ströbele als „Semilegaler der RAF und Bürogenosse eines Terroristen und DDR-Spions bis heute im Parlament das große Wort führen darf ist unerträglich“, meinte Müller.

Mahler, der heute 75 Jahre alt ist, war in den 1960er Jahren eine der zentralen Figuren in der linken Außerparlamentarischen Opposition. Später trat er als RAF-Anwalt in Erscheinung. Später war er vorübergehend NPD-Mitglied.

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Die neuen Erkenntnisse stehen in Zusammenhang mit Ermittlungen der Berliner Generalstaatsanwaltschaft zum Mord an dem Studenten Benno Ohnesorg im Jahr 1967.

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