Christian Wulff
Affäre und kein Ende

Neue Details über Hausdarlehen und Anzeigenkampagne bringen Bundespräsident Wulff weiter in Bedrängnis. In seiner mit Spannung erwarteten Weihnachtsansprache ging er nicht auf die Vorwürfe ein.
  • 54

BerlinBundespräsident Christian Wulff bleibt wegen seines Privatkredits und enger Kontakte zu befreundeten Unternehmern in den Schlagzeilen. Nach dem Bekanntwerden neuer Vorwürfe nahm die Kritik am Staatsoberhaupt weiter zu. Während Koalitionspolitiker ihm erneut demonstrativ Rückendeckung gaben, warf die Opposition dem 52-Jährigen vor, immer nur scheibchenweise die Wahrheit zuzugeben.

In seiner am Mittwochnachmittag aufgezeichneten Weihnachtsansprache ging Wulff nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nicht auf die Vorwürfe ein. Lediglich bei der Begrüßung der Zuhörer vor der offiziellen Aufzeichnung äußerte er sich indirekt und eher beiläufig dazu, wie Teilnehmer nachher berichteten: Wulff habe erklärt, dass in der heutigen Zeit des Internets alles, was man irgendwann einmal gemacht habe, irgendwann ans Licht komme und man darauf vorbereitet sein sollte.

Die Fernsehaufzeichnung wurde von etwa 70 Gästen in Wulffs Amtssitz Schloss Bellevue verfolgt. Dabei handelte es sich um Ehrenamtliche wie etwa Vertreter der Telefonseelsorge und der Feuerwehr, Mitglieder des deutsch-israelischen Jugendaustausches sowie Teilnehmer der ersten Einbürgerungsfeier im Schloss Bellevue in diesem Jahr. Auch Patenfamilien seien anwesend gewesen. Anschließend fand ein Empfang statt.

Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten wird stets einige Tage vor dem Fest aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird sie am ersten Weihnachtstag.

Thema soll der Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa gewesen sein, hieß es. Zudem habe Wulffsein Treffen mit Angehörigen der rechtsextremistischen Mordserie erwähnt.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigte am Dienstag erstmals, dass der Unternehmer Egon Geerkens in die Verhandlungen über den 500.000-Euro-Kredit für den Kauf des Privathauses des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten eingeschaltet war. Dies sei aufgrund des besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen von Geerkens zu Wulff geschehen, teilte Lehr in einem Schreiben an die Zeitung „Die Welt“ mit. Das Darlehen selbst sei aber von Geerkens' Ehefrau Edith gewährt worden. Wulff hatte sich bislang nicht zu dessen Rolle bei dem Kredit geäußert.

Auch zu den Vorwürfen rund um Wulffs Interview-Buch wurden weitere Einzelheiten bekannt. Der mit ihm befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer hatte eine Anzeigenkampagne für den Band „Besser die Wahrheit“ finanziert. Von diesen Zahlungen wusste der damalige Ministerpräsident in Hannover nach Angaben seines Anwalts, Maschmeyers und des Verlages jedoch nichts.

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wurden auf Wunsch Maschmeyers die Rechnungen mehrfach für die PR-Aktion geändert. Dadurch habe der Geschäftsmann offenbar seine großzügige Unterstützung für Wulff verbergen wollen, schrieb das Blatt.

Kommentare zu " Christian Wulff: Affäre und kein Ende"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Affäre und kein Ende
    21.12.2011, 20:34 Uhr Neue Details ... bringen Bundespräsident Wulff weiter in Bedrängnis. In seiner ... erwarteten Weihnachtsansprache ging er nicht auf die Vorwürfe ein."

    Die Weihnachtsansprache sollte in diesem Jahr besser ausfallen.
    1. geht das problemlos, er braucht nur vor seinem Rauswurf zurücktreten (wenn nicht über die Finanzen, dann wird er über "Betty" "gestolpert"), und
    2. kann auf das völlig danebenliegende (weil realitätsfremde) und überflüssige (lenorgespülte) "Moralin-Integrationsgesülze" gerne verzichtet werden. Man spart sich dann wenigstens die Betätigung des Ausschaltknopfes am Fernseher.

  • SPD und Grüne sind unfähig eine vernünftige Oppositionsarbeit zu liefern, deshalb verbünden sie sich lieber mit den Regenbogenmedien und versuchen Menschen zu ruinieren. Einfach ekelhaft!

  • Herr Wulff Sie sind der peinlichste Bundespräsident der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
    Treten Sie zurück um unser Ansehen nicht weiter zu blamieren.Gehen Sie Gebrauchtwagen verkaufen, da kommt es auf Ihren Lebenslauf nicht so an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%