Christian Wulff
Aus alten Freunden werden lästige Bekannte

Schon seine ersten Tage als Bundespräsident waren holprig, nun holen Christian Wulff (CDU) auch noch die alten Wahlkampfzeiten in Niedersachsen ein: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts illegaler Parteienfinanzierung. Nun muss Wulff sich von seinen alten (Partei-)Freunden distanzieren.
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BERLIN. Bundespräsident Christian Wulff ist wirklich nicht zu beneiden. Schon sein Start in das höchste Staatsamt begann alles andere als reibungslos. Die Hängepartie bei der Wahl, der unglückliche Auftritt bei der Fußball-Weltmeisterschaft, der Mallorca-Urlaub in der Villa des befreundeten Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer und Wulffs umstrittene Rolle als Moderator beim Rückzug von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin wirken in der Summe nicht gerade wie ein Traumstart.

Zu allem Unglück holen Wulff jetzt auch noch die Verfehlungen politischer Freunde und Unterstützer aus seinen alten niedersächsischen Wahlkampfzeiten ein.

Die Staatsanwaltschaft Wolfsburg stellte gestern in der Zentrale der Niedersachsen-CDU Akten aus dem Wulff-Wahlkampf 2002/2003 sicher. Auch im Rathaus, den Stadtwerken und im Privathaus von Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) gab es Durchsuchungen.

Der Vorwurf lautet auf den Verdacht illegaler Parteienfinanzierung – kein schönes Thema für einen Bundespräsidenten. Hintergrund ist die Vermischung öffentlicher und parteipolitischer Interessen durch Angestellte im öffentlichen Dienst, die ihr Gehalt vom Staat bezogen, de facto aber für die CDU und Wulffs Wahlkampagnen zur Verfügung standen. Jetzt hilft Wulff nur noch eine größtmögliche Distanz zu seinen lästigen, alten (Partei-)Freunden.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter

Kommentare zu " Christian Wulff: Aus alten Freunden werden lästige Bekannte"

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  • @Margrit Steer:
    ich kann ihnen nur voll zustimmen. Merkel wendet die Methode Kohl sehr erfolgreich an. Gefährliche Rivalen kalt stellen, farblose und devote Taschenträger in die höchsten Ämter und Pflege eines überdimensionalen Sitzfleisches. Dies nutzt der Macht der "Kanzlerin" und schadet uns allen.

  • Margrit Steer, ihre Analyse über unseren neuen bundespräsidenten, von Merkels Gnaden, ist zu Hundertprozent zu bejahen. Dem ist nichts hin zu zu fügen.
    Danke

  • Er ist eben nur ein Ersatzpräsident.

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