Christian Wulff in der PR-Offensive
Ab in die Maske

Krisengespräche bei Volkswagen und Airbus, TV-Auftritte und neue alte Frisur: Wie CDU-Hoffnungsträger Christian Wulff mit einer PR-Offensive um sein Image kämpft.

HANNOVER. Es ist einer der vielen, vielen Termine, die der Ministerpräsident zu absolvieren hat. Der Erweiterungsbau des Klinikums Hannover wird eröffnet. Selbstverständlich ist Christian Wulff da und eilt ans Mikrofon, um die Gäste zu begrüßen. „Wunderbar, Professor Seidel, ich habe viel von Ihnen gehört“, beginnt er – Routine im Alltag des politischen Repräsentationsbetriebes. Doch als Wulff ansetzt, philosophisch zu werden, ist er plötzlich nicht mehr zu sehen. Nur noch im Hintergrund ist seine Stimme zu hören mit einem Zitat des Göttinger Philosophen Georg Lichtenberg: „Was nutzt der schönste Sonnenaufgang“, schallt es aus dem Off, „wenn man gar nicht aufgestanden ist.“

Was nutzt der schönste Auftritt, wenn man kaum zu sehen ist. Aber wir sind nicht im wahren Leben, sondern im Film, genauer im TV-Stück „Mein alter Freund Fritz“, das am Montagabend im ZDF zu sehen war. Dessen Star-Regisseur Dieter Wedel hat kurzerhand einen harten Schnitt angeordnet. Denn so publikumsträchtig der Auftritt des realen Ministerpräsidenten auch sein mag – die Filmhandlung muss weitergehen.

Man kann diese Szene unterschiedlich deuten: Beweist sie, dass Wulff nun endgültig auf den Spuren seines Vorgängers Gerhard Schröder wandelt? Der leistete sich schließlich gleich mehrmals den Spaß, sich in Filmen selbst zu spielen. Oder zeigt sie, wie bescheiden der 47-Jährige auch nach drei Jahren Regierungszeit geblieben ist?

In Wahrheit stimmen wohl beide Versionen nicht. Wulff will mit seiner TV-Rolle nicht nur Werbung für das unterentwickelte Filmland Niedersachsen machen, sondern sich vor allem selbst langsam, aber sicher wieder ins bundespolitische Bewusstsein hocharbeiten. Zwar gilt er in Niedersachsen als die unumstrittene Nr. 1. Doch zu seiner bundespolitischen Bedeutung passt derzeit ein anderer Streifen besser, in der Hauptrolle Kanzlerin Angela Merkel. Titel: „Hilfe, ich habe die Ministerpräsidenten geschrumpft.“

Denn spätestens seit dem Dresdner CDU-Parteitag Ende Oktober wirkt Wulffs Glanz merkwürdig verblasst. Sicher, er steht damit nicht allein: Alle drei CDU-Granden – Wulff, Roland Koch und Jürgen Rüttgers – wurden bei ihrer Wahl als Vizeparteichefs von den Delegierten abgewatscht. Seither redet kaum noch jemand von der ewigen Merkel-Reservisten-Rolle. Aber Wulff galt als aussichtsreichster Kandidat.

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