Christian Wullf
„Ein Modell für Berlin“

Zufriedener Landesfürst auf Jahre oder selbsterannter Reservekanzler? Christian Wulff will bundespolitisch stärker auftreten, gibt aber seinen CDU-Landesvorsitz ab. Das Verhalten des niedersächsischen Ministerpräsidenten löst in der eigenen Partei Verwirrung aus.

BERLIN. Gerade hat Christian Wulff seine Sommertour hinter sich gebracht. Kreuz und quer tourte der niedersächsische Ministerpräsident durchs Land. Und nicht nur beim Klavierhersteller Schimmel in Braunschweig hörten viele Journalisten aufmerksam zu, welche Töne Wulff anschlug.

Denn immerhin hatte der Niedersachse vor einigen Wochen angekündigt, er wolle das "wirtschaftspolitische Profil" der Bundes-CDU schärfen und Kanzlerin Angela Merkel den Rücken stärken. Und immerhin hatte Wulff damit den für viele überraschenden Schritt begründet, den Vorsitz des Landesverbandes nach 14 Jahren an seinen engen Vertrauten David McAllister abzugeben. Ausgerechnet der seit der Hessen-Wahl als 1. Stellvertreter der CDU-Chefin Angela Merkel Gehandelte gibt seine regionale Machtbasis auf?

Kein Wunder, dass die Partei seither wieder über Wulffs Ambitionen spekuliert - zumal der Niedersachse seither systematisch Positionen bezieht: Für die CSU-Forderung bei der Pendlerpauschale hat er Verständnis, gleichzeitig warnt er die Union vor dem Wahlkampfthema Atom. Als die angekündigte Rückendeckung für Merkel wird dies im Konrad-Adenauer-Haus nicht gerade gewertet. Läuft sich hier nicht doch ein selbst ernannter Reserve-Kanzler für eine Berliner Karriere warm?

Doch Wulff und seine Vertrauten winken ab. "Wenn ich nach Berlin streben würde, wäre die Aufgabe des Landesvorsitzes machtpolitisch tatsächlich ein Fehler gewesen", sagt Wulff. Er wolle in Niedersachsen Ministerpräsident bleiben, auf jeden Fall über 2013 hinaus. Beruhigend dürfte dies für die Kanzlerin und CDU-Chefin aber nicht unbedingt sein. Denn ihr Vize will sich mit Blick auf die Bundestagswahl dennoch mehr einmischen - etwa bei Themen wie Steuer- oder Arbeitsmarktpolitik, weil der Union hier ein Gesicht fehle. Mit dem Profil der Union in der Großen Koalition ist er ebenso wenig zufrieden wie einige andere Ministerpräsidenten. Ausdrücklich plädiert Wulff zudem für eine breitere Aufstellung der CDU. Kanzlerin Angela Merkel sei sicher ein klares Plus im Bundestagswahlkampf 2009. Aber damit die Volkspartei über 40 Prozent komme, müsse die Partei als Team erkennbar sein, hatte er bereits früher gewarnt. Sich selbst präsentiert Wulff dabei als mehrfachen Modellpolitiker. "Ich bringe die Erfahrung einer erfolgreichen CDU/FDP-Regierung ein. Das ist ein Modell für Berlin." Zudem konnte er mit einem dezidierten "Mittekurs" im Lager der SPD wildern. Als modellhaft verkauft Wulff aber auch seinen Teilrückzug in Hannover, von dem er Merkel bereits im November 2007 unterrichtet hatte. Denn der CDU-Fraktionschef und neue Landesvorsitzende David McAllister gilt auch als potentieller Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten. Endlich, so der Plan, solle ein Machtübergang in einem Unions-Landesverband in einigen Jahren einmal bruchlos gelingen - anders als in Bayern oder Baden-Württemberg. Doch in Berlin bleibt das Misstrauen. Kostenlos sei ein Teilrückzug von der Macht nie zu haben, heißt es. "De facto ist Wulff heute nur noch der zweite Mann hinter Merkel - hinter Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers", meint ein Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Und Mittelstandschef Michael Fuchs freut sich zwar auf die angekündigte Wirtschaftsprofilierung: "Ich kann jeden Mitstreiter gebrauchen." Andere vom Wirtschaftsflügel der Union warnen aber: Bisher sei Wulff doch eher als Industriepolitiker aufgefallen, etwa beim VW-Gesetz oder dem Kampf um die Airbus-Standorte in Niedersachsen.

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