Chronologie
Der Aufstand am 17. Juni 1953

Die blutige Niederschlagung des Aufstandes jener Junitage im Jahre 1953 zerstörte innerhalb weniger Stunden die Hoffnung der Menschen der DDR nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen und freien Wahlen. Grund für die Rebellion war der Aufbau des Sozialismus streng nach sowjetischem Vorbild. Auch der eingeschlagene liberalere Kurs der DDR-Regierung nach dem Tod Stalins im März des Jahres konnte den Zorn nicht stoppen. Zwischen 400 000 und über eine Million Bürger gehen auf die Straße. Mindestens 125 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Eine Chronologi.

HB/dpa BERLIN.

16. Juni:
Am Morgen erscheint in der Zeitung „Tribüne“ ein Artikel, der die bereits Ende Mai vom DDR-Ministerrat beschlossene zehnprozentige Normenerhöhung ohne entsprechenden Lohnausgleich ausdrücklich rechtfertigt. Dieser Beitrag verstärkt den Willen der Arbeitnehmer, den Streik gegen diese Regierungsmaßnahme fortzuführen. Die Bauarbeiter der Stalinallee in Ost-Berlin legen ihre Arbeit nieder und ziehen in Richtung Regierungsviertel. Gegen 14.00 Uhr kommt der auf über 5000 Demonstranten angewachsene Zug am Haus der Ministerien in der Leipziger Straße an. Zur gleichen Zeit nimmt das Politbüro der SED die umstrittene Normenerhöhung zurück. Der Beschluss bleibt bei den Demonstranten jedoch ungehört. Sie rufen stattdessen zum Generalstreik am nächsten Tag auf. Der West-Berliner Rundfunksender RIAS informiert alle seine Hörer im geteilten Berlin über die Ereignisse und verbreitet die Forderung nach Streik.

17. Juni:
Von 7.00 Uhr an wird in fast allen Betrieben Ost-Berlins gestreikt. Am Strausberger Platz und am Alexanderplatz formieren sich erste Demonstrationszüge. Über 40 000 Menschen ziehen mittags durch die Straßen Ost-Berlins. Allmählich fahren im Stadtzentrum sowjetische Panzer auf, um den Aufstand der Arbeiter zu zerschlagen. Die sozialen Forderungen haben längst eine politische Bedeutung erreicht - „Nieder mit der SED!“ und „Nieder mit den Sowjets!“ ruft die aufgebrachte Menge. Die Streikwelle greift schnell auf andere Bezirke der DDR über, so auf Leipzig, Magdeburg, Halle, Bitterfeld und Jena, und weitet sich schließlich auf das ganze Land aus. Über Ost-Berlin und fast alle Land- und Stadtkreise der DDR wird um 13.00 Uhr der Ausnahmezustand verhängt. Jede Demonstration und Ansammlung von mehr als drei Menschen ist verboten. Gegen 13.30 Uhr eskaliert die Situation in Ost-Berlin - sowjetische Einheiten und Polizisten der Volkspolizei rücken gewaltsam gegen über 100 000 Demonstranten vor. Im Regierungsviertel fahren Panzer in die Menschenmenge hinein, Schüsse fallen, es gibt zahlreiche Tote und Verletzte. Die Stalinallee wird geräumt, das Regierungsgebäude in der Leipziger Straße wird abgeriegelt. Am späten Nachmittag sind die großen Demonstrationen blutig zerschlagen. Um 17.00 Uhr wird im Rundfunk eine Regierungserklärung von Ministerpräsident Otto Grotewohl übertragen, in der er zur Wiederherstellung der Ordnung aufruft. Trotz des Ausnahmezustands kommt es bis zum Abend immer wieder zu Unruhen. Zwischen 21.00 und 5.00 Uhr morgens herrscht DDR-weit eine Ausgangssperre.

18. Juni:
Auf den Straßen und Plätzen der Republik sind sowjetische Panzer und schwerbewaffnete Polizeikräfte zu sehen. An den großen Baustellen wird teilweise wieder gearbeitet. Einige noch streikende Bauarbeiter fordern, dass die SED-Führung öffentlich Stellung nimmt. Gegen die Streikführer setzt eine Welle von Verhaftungen ein, das erste Todesurteil wird vollstreckt. 19. Juni: Die DDR-Regierung verkündet, dass in allen Betrieben wieder gearbeitet wird. Tatsächlich gibt es aber vereinzelt noch Arbeitsniederlegungen. Die SED gibt erstmals „Ausschreitungen“ in der DDR öffentlich zu und beschuldigt westliche Agenten und Provokateure der Anstiftung.

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