Chronologie des Zerwürfnisses
Vom De-facto-Bündnis zur Konfrontation

Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün im September 2002 hat sich das Verhältnis von Gewerkschaften und Sozialdemokraten verschlechtert. Warben die Gewerkschaften im Sommer 2002 noch für die rot-grüne Politik, machen sie jetzt gegen die Reformpläne von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mobil. Eine Chronologie:

HB/dpa HAMBURG.

24. April 2002:
Schröder stellt fünf Monate vor der Bundestagswahl das sozialdemokratische Wahlprogramm vor. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) legt seinen Wunschzettel für die nächste Wahlperiode vor. Die Gewerkschaften zeigen sich zufrieden mit dem Programm und gehen auf Distanz zur Union.

27. Mai:
Auf dem DGB-Bundeskongress rufen der scheidende DGB- Vorsitzende Dieter Schulte und ver.di-Chef Frank Bsirske zu Unterstützung für Rot-Grün auf.

24. Juli:
Unter dem Motto „Es steht viel auf dem Spiel“ schaltet sich der DGB mit einer zwei Millionen Euro teuren Kampagne in den Wahlkampf ein. Die Union sieht darin eine unzulässige Parteinahme.

24. September:
Zwei Tage nach dem Wahlsieg von Rot-Grün meldet der DGB umfangreiche Forderungen an und pocht auf Mitsprache bei den Reformen. Sie verlangen ein milliardenschweres Investitionsprogramm und eine Abkehr vom Sparkurs des Bundesfinanzministers.

1. Januar 2003:
Die so genannte Hartz-Reform zum Abbau der Arbeitslosigkeit durch verbesserte Vermittlung und Anreizsysteme tritt in Kraft. Gewerkschaften kritisieren vor allem die Ausweitung der Minijobs.

17. Februar:
CDU und Gewerkschaften bewegen sich trotz Differenzen aufeinander zu. Nach einem Treffen der Spitzen beider Seiten spricht DGB-Chef Michael Sommer von einem „Neustart“.

3. März:
Das 1996 gestartete „Bündnis für Arbeit“ in seiner bisherigen Form ist gescheitert. Dies ist das Ergebnis des ersten Spitzengesprächs zwischen Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern seit über einem Jahr.

14. März:
Sozialverbände und Gewerkschaften lehnen die Mehrzahl der sozialen Einschnitte in der Kanzler-Agenda ab. DGB-Chef Sommer nennt die Pläne „sozial nicht ausgewogen“.

6. Mai:
Ein Spitzengespräch mit Schröder im SPD-Gewerkschaftsrat wird kurzfristig von den Gewerkschaften abgesagt. Ein vorangegangenes Treffen von Schröder und Sommer war ergebnislos.

8. Mai:
Der DGB legt unter dem Titel „Mut zum Umsteuern“ ein Gegenkonzept zur Reformagenda vor, das vor allem auf die Stärkung der Nachfrage, der Investitionen und des Konsums abzielt.

16. Mai:
Der Krach um die Agenda entzweit die Gewerkschaften. Drei der acht DGB-Gewerkschaften starten eine mit den anderen nicht abgesprochene Initiative zur „konstruktiven Begleitung“ der Reformen.

17. Mai:
Die Gewerkschaften machen gegen die „Agenda 2010“ mobil. Rund 10 000 Menschen protestieren in Berlin gegen die Reformpläne Schröders.

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