Claus Weselsky
Entsetzen über „Hetzjagd“ auf den GDL-Chef

Der Lokführerstreik ärgert viele. Doch dass GDL-Chef Weselsky deshalb mit persönlichen Anfeindungen überzogen wird, geht einigen Politiker zu weit. Für sie sind die roten Linien des Anstands überschritten.
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BerlinMit einer Dauer von knapp fünf Tagen ist es der längste Streik seit Gründung der Deutschen Bahn 1994. Kaum einer hat dafür noch Verständnis. Sogar bei Mitgliedern der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stößt das harte Vorgehen des Bundesvorsitzenden Claus Weselsky auf Widerspruch. Auch dort gibt es den Vorwurf, es gehe vor allem um Machtspiele zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und nicht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeiten für die Angestellten.

Inzwischen hat sich der Konflikt soweit zugespitzt, dass es in der Debatte immer weniger um die Sache und immer mehr um den GDL-Chef geht. Dass dabei alle Dämme zu brechen scheinen, sorgt in der Politik und auch im Gewerkschaftslager für großes Entsetzen – zumal Weselsky, wie er selbst sagt, um seine Privatsphäre fürchten muss.

„Hier steht auch die Bahn in der Verantwortung. Die öffentliche Hetzjagd auf den GDL-Vorsitzenden muss aufhören“, sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Weitere personelle Zuspitzungen könnten den Rechtsfrieden gefährden.“ Der CDU-Politiker betonte, dass das Anliegen der GDL, einen Tarifvertrag auch für Zugbegleiter zu erstreiten, legitim und vom Streikrecht gedeckt sei. „Über die Grenzen des Streikrechts und die Verhältnismäßigkeit der Dauer des Streiks sollten die Arbeitsgerichte entscheiden“, so Bäumler.

Auch der SPD-Bundesvize Ralf Stegner warnt vor überzogener Kritik. „Was immer man vom langen Streik der GDL hält - und es gibt wirklich gute Gründe, diesen als völlig unverhältnismäßig zu kritisieren - rechtfertigt in keiner Weise Drohungen oder Gewaltanwendung“, sagte Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Harte politische Kritik an Herrn Weselsky und der Spaltung der Beschäftigten, die dem Ansehen der Gewerkschaften massiv schadet, ist sicher berechtigt, ihn deswegen an den Pranger zu stellen, bleibt dennoch inakzeptabel.“

Zudem sollten Weselsky und die GDL „nicht in eine politische Märtyrerrolle gedrängt werden“, warnte der SPD-Vize, „sonst werden eine Lösung des Konflikts und eine Rückkehr der GDL zur Vernunft nicht gerade leichter“.

Hintergrund sind nicht nur persönliche Attacken auf den GDL-Chef, sondern auch die teilweise tendenziöse Berichterstattung, die auch vor Privatem nicht Halt macht. So veröffentlichte „Focus Online“ ein Foto des Wohnhauses der Familie Weselsky und nennt es den „geheimen Rückzugsort des GDL-Chefs“. „Hier bejubelt der Streik-Rambo den Gerichtsentscheid“ , titelt dasselbe Medium, nachdem die Klage der Bahn gegen den Lokführerstreik abgewiesen wurde.

Kommentare zu " Claus Weselsky: Entsetzen über „Hetzjagd“ auf den GDL-Chef"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Matthis Birenheide „...wir haben sie eingeladen.“

    Sie können das noch so oft behaupten, es ist einfach falsch. Die BR wurde von den USA dazu gezwungen. Und niemand hat hier etwas versäumt, denn die Regierung mußte davon ausgehen, daß die Türken, wie alle anderen Migrationsarbeiter auch, nach Ablauf ihrer Verträge wieder gehen. Sie gingen nicht. Sondern forderten den Familiennachzug. Wenn vertraglich vereinbart war, daß ausschließlich Ledige kommen dürfen, wo kamen plötzlich deren Familien her? Es steckt niemand den Kopf in den Sand, sondern diejenigen, die die Probleme mit einer ganz speziellen Zuwanderergruppe ansprechen, werden verunglimpft, beschimpft.
    Die erste Generation ist in Rente + zum Teil wieder in der TR. Wir haben deren Kinder und Kindeskinder hier und deren Mehrheit denkt nicht im Traum daran sich hier zu integrieren, das ist die zweite und dritte Generation, die vierte wächst gerade heran und übernimmt die Einstellung ihrer Mütter, die mehrheitlich aus dem Hinterland der TR stammt. Diese Frauen sprechen kein Wort deutsch, Hilfen die angeboten werden, nehmen sie nicht wahr, sie wissen häufig nicht einmal den Namen der Stadt in der sie leben. Sie sind auch nicht bereit sich weiter anzupassen, denn wie wir schon von unberufener Seite mitgeteilt bekommen haben, wird dort die Assimilation als Verletzung der Menschenrechte gesehen. Also werden Sie sich vergeblich bemühen, diese Menschen wollen nicht, zudem ihr Glaube verbietet es ihnen. Selbst Brandt, Schmidt und zuletzt Kohl wollten die Türken wieder nach Hause schicken, was meinen Sie wer das verhindert hat? Die Bundesrepublik ist Kind und Vasall der USA, behalten Sie das im Blick.

    Der Verantwortung haben wir uns gestellt und sind damit gescheitert. Als Ehemann einer Lehrerin weiß ich, wovon ich rede. Lesen Sie Bassam Tibi „Mit dem Kopftuch nach Europa?“ und „Islamische Zuwanderung: Die gescheiterte Integration“ warum das so ist, lesen Sie in seinem Essay: selig sind die Belogenen, einfach googlen.

  • Zwar ist er kein Politiker - fremdes Geld wirft aber auch er und seine Gefolgsleute zum Fenster hinaus.

    So ähneln sie sich eben doch - und ziehen nicht zu Unrecht den Unmut der Leute auf sich.

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