Clement bezeichnet Zahl als "verteufelt wenig"
In Deutschland arbeiten wenig ältere Erwerbstätige

In Deutschland gehen nur 39,4 Prozent aller Erwerbsfähigen über 55 Jahren einer Arbeit nach. Damit liegt Deutschland unter dem EU-Schnitt. Im Norden Europas sieht die Lage hingegen ganz anders aus.

HB WIESBADEN. Anreize zum frühen Renteneinstieg und steigende Arbeitslosenzahlen haben in Deutschland den Anteil der Erwerbstätigen über 55 Jahre unter EU-Niveau sinken lassen. 39,4 Prozent der Deutschen im Alter von 55 bis 64 Jahren waren 2003 im Arbeitsleben aktiv, der Durchschnitt der 25 EU-Länder liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 40,1 Prozent. „Die Praxis der Frühverrentung hat dazu geführt, dass viele Menschen dem Anreiz auch gefolgt sind“, sagte der Geschäftsführer der Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA), Rainer Thiehoff.

Eine extrem hohe Beschäftigungsquote älterer Menschen verzeichnen die Statistiker in Schweden mit 68,6 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Dänemark mit 60,7 Prozent und Großbritannien mit 55,6 Prozent. Schlusslicht in Europa ist Slowenien mit 22,7 Prozent. Auch in der Slowakei und in Polen geht nur etwa ein Viertel der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren einer regelmäßigen Arbeit nach.

Andere Länder haben nach Ansicht Thiehoffs früher erkannt, dass die Unternehmen nicht auf die Kenntnisse und Erfahrungen der Älteren verzichten können. So gebe es in Deutschland trotz Arbeitslosigkeit einen Mangel an Facharbeitern. „Es gibt viele Handwerksbetriebe, die keine Auszubildenden einstellen, weil ihnen die Facharbeiter fehlen, die die Jungen anleiten“, sagte Thiehoff.

Auch die allgemein steigende Arbeitslosigkeit ist nach Ansicht von Arbeitgebern ein Grund für die niedrige Zahl älterer Erwerbstätiger. „Jeder Arbeitsmarkt, der nicht richtig funktioniert, franst an den Seiten aus“, sagte Alexander Gunkel, Mitglied der Geschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. So habe etwa auch Spanien mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen, mit Schwerpunkten bei der Jugend und den Alten.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte erst am Montag auf wirtschaftlichen Folgen einer älter werdenden Belegschaft hingewiesen. 39,4 Prozent Beschäftigte über 55 bezeichnete er als „verteufelt wenig“, es bestehe dringender Handlungsbedarf. Die IG- Metall mahnte eine altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen an. Jugendwahn und steigende Leistungsanforderungen setzten die Älteren unter Druck, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode.

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