CO2-Emissionen: Autobosse drohen mit Jobabbau

CO2-Emissionen
Autobosse drohen mit Jobabbau

Deutsche Nobelautobauer gehen im Streit um eine schärfere Begrenzung der CO2-Emissionen von Autos auf Konfrontationskurs. Nach Kritik von Bundespräsident Köhler, die deutschen Autoschmieden hätten „mit Blick auf die ökologische Entwicklung kein Ruhmesblatt“ geschrieben, reagierten Audi und Porsche äußerst gereizt.

HB BERLIN/INGOLSTADT. Audi-Chef Rupert Stadler warnte, es drohe im Fall allzu strenger Grenzwerte ein Abbau von Arbeitsplätzen. Sein Haus habe durch technischen Fortschritt zur Verringerung des Schadstoffausstoßes in der Vergangenheit seine umweltpolitische Verantwortung wahrgenommen.

„Den Vorwurf, da schläft jemand auf dem Baum, lasse ich absolut nicht gelten“, sagte Stadler. Die Politik müsse sich bei solchen Regulierungsforderungen aber ihrer industriepolitischen Verantwortung bewusst sein. Die Debatte werde zu emotional geführt. Die diskutierten Grenzwerte pro Kilometer seien für die Flotte der Volkswagen-Tochter unrealistisch. „Einen durchschnittlichen Flottenausstoß von 120 Gramm wird es bei Audi nicht geben. Sie können die Physik nicht betrügen“, sagte Stadler.

Drohend fügte er hinzu: „Brüssel wird sich drei Mal überlegen, ob sie uns ärgern wollen.“ Er erwarte allerdings nicht, dass es zu einer Begrenzung auf 120 Gramm kommen werde. Zuletzt war ein EU-Limit von 130 Gramm pro Kilometer im Gespräch.

Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer forderte in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ ähnlich wie Audi eine Segmentbetrachtung. „Die Kommission soll für jede Klasse Zielwerte vorgeben, die bis 2012 erreicht werden müssen“, verlangt Dürheimer.

„Ein Cayenne ist nun einmal nicht mit einem Smart vergleichbar. Auch wir können die Gesetze der Physik nicht aushebeln“, sagte er. Der Porsche-Mann fürchtet gar um die Existenz des schwäbischen Luxus-Autobauers: „Ein Hersteller wie Porsche, der das Ziel aufgibt, sportliche und sichere Fahrzeuge zu entwickeln, die besser sind als jene der Wettbewerber, wird schnell vom Markt verschwinden.“

Präsident Horst Köhler hatte zuvor in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit der „Zeit“ die Autobauer attackiert, sie würden zu wenig für die Reduzierung der CO2-Emissionen tun. Die Situation sei ähnlich wie bei der Einführung des Katalysators: Die Industrie gehe Selbstverpflichtungen ein, halte sich aber nicht daran, sagte Köhler. „Und der Staat hat keinen Mumm gehabt, etwas deutlichere Vorgaben zu machen“, kritisierte das Staatsoberhaupt. „Der Staat darf sich nicht scheuen, vorausschauend Ziele zu setzen, und die Industrie muss darauf antworten. Der Markt allein wird es nicht richten“, sagte Köhler.

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