CO2-Zertifikate
Bund nimmt weniger ein

Der Bund hat in diesem Jahr deutlich weniger am Verkauf von Emissionszertifikaten verdient als noch im vergangenen Jahr. Die Veräußerung an Energieversorger hat 400 Millionen Euro weniger in die Kassen gespült. Von den wegen der Wirtschaftskrise eingebrochenen Preisen profitieren vor allem die großen Stromproduzenten.
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BERLIN/DÜSSELDORF. Nach dem abschließenden Bericht für 2009, der dem Handelsblatt vorliegt, fehlen im Vergleich zum Vorjahr 400 Millionen Euro. Mit dem Geld werden unter Federführung das Umweltministeriums (BMU) im Rahmen der Klimaschutzinitiative Projekte im In- und Ausland finanziert. Obendrein spielen die Einnahmen europaweit eine wichtige Rolle: Die Europäische Union (EU) hatte im Vorfeld des Klimagipfels in Kopenhagen bereits angeregt, die Erlöse zu nutzen, um die Entwicklungsländer für Klimaschutzverpflichtungen zu gewinnen.

Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte die Mindereinnahmen, betonte aber, dass dies keine Auswirkungen auf Projekte habe. Im laufenden Haushalt seien ausreichend Mittel eingestellt. Fraglich ist, wie viel Geld der Finanzminister 2010 aufgrund der Mindereinnahmen zur Verfügung stellen wird.

Die Emissionszertifikate geben Betreibern von Kraftwerken und Industrieanlagen im Rahmen des EU-weiten Emissionshandels das Recht, eine bestimmte Menge des klimaschädlichen CO2 in die Umwelt auszustoßen. Während Industrieunternehmen alle Zertifikate, die sie bei normalem Betrieb benötigen, kostenlos erhalten, müssen Stromproduzenten seit 2008 einen großen Teil kaufen. Der Bund platziert über die bundeseigene KfW-Bankengruppe jährlich 40 Millionen Stück – rund zehn Prozent des Gesamtvolumens.

Dieses Jahr nahm er nach der abschließenden Platzierung im November 529 Mio. Euro ein, 2008 waren es 933 Mio. Dies liegt am Preisverfall: 2008 lag der Durchschnittspreis bei 23,33 Euro je Zertifikat, 2009 waren es nur noch 13,21 Euro. Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise haben in Europa viele Unternehmen die Produktion gedrosselt oder stillgelegt, ebenso ist in Kraftwerken die Stromproduktion deutlich eingebrochen. Nach Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Verbrauch in den ersten neun Monaten rund sieben Prozent unter dem der Vorjahresperiode. Dadurch sind der Ausstoß des Treibhausgases CO2 und der Bedarf für Emissionsberechtigungen spürbar zurückgegangen. Überflüssige Zertifikate werden auf den Markt geworfen. Im Februar war der Zertifikatepreis sogar auf unter zehn Euro gesackt.

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  • Wie passt den das zusammen ?
    Energiekonzerne sparen immens bei CO2-Zertifikaten
    und erhöhen kräftig die Preise.

    ich zitiere den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens bayer AG Werner Wenning:

    "Statt heißer Luft, müssen die banken wieder dauerhafte Werte schaffen"

    Tja Herr Wenning, heiße Luft ist nicht nur an den Finanzmärkten unterwegs - es gibt inzwischen viele andere branchen, die sich in dieser Eigenschaft extrem auszeichnen!

    Ein "3 weiße Tauben **** aufs Dach!" der Energiekonzerne von mir!

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