CO2-Zertifikate
Ruiniert der Emissionshandel die Industrie?

CO2-Zertifikate lassen die Strompreise steigen. Umweltschützer streiten mit der Industrie, ob die zusätzliche Last für Unternehmen tragbar ist. Jetzt eilt die Politik zu Hilfe - und will gesetzliche Vorschriften nachbessern.

BERLIN. Es ist wie mit dem Kleingedruckten bei Versicherungen: Im Prinzip ist der Emissionshandel eine gute Sache, im Detail jedoch offenbaren sich Fallstricke, die viele Unternehmen gravierend belasten. Um die gröbsten Verwerfungen auszugleichen, will die Politik nachbessern. Und ab 2013, wenn der EU-Emissionshandel in eine neue Runde geht, will der Gesetzgeber ohnehin alles besser organisieren.

Das Problem sind die indirekten Kosten des Emissionshandels, unter denen vor allem Branchen mit hohem Stromverbrauch leiden. Die Stromhersteller stellen ihren Kunden die Kosten für die Zertifikate, die ihnen den Ausstoß von Treibhausgasen erlauben, zum Marktpreis in Rechnung. So verfahren sie aber auch mit den Zertifikaten, die sie kostenlos zugeteilt bekommen. Allein den deutschen Stromproduzenten spült das milliardenschwere Zusatzgewinne in die Kassen. Die stromintensive Industrie hat lange dagegen gekämpft - letztlich ohne Erfolg. Nun soll die Politik es richten.

Aktuellen Berechnungen des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) zufolge muss ein mittelgroßer Stromkunde aus der Industrie in diesem Jahr 20 Prozent mehr für seine Stromlieferungen berappen als im Vorjahr. Eine der Hauptursachen dafür ist laut VIK die wachsende Belastung durch den Aufschlag für die Emissionszertifikate.

Stromintensive Branchen treibt die Entwicklung an die Grenzen der Belastbarkeit. Beispiel Aluminiumindustrie: Eine Aluhütte verbraucht so viel Strom wie eine mittlere Großstadt. Die Kosten für Zertifikate treiben den Strompreis in die Höhe, gleichzeitig rauschen wegen der Rezession die Erlöse in den Keller - Aluhütten sind in der Bundesrepublik daher kaum noch wirtschaftlich zu betreiben. Deutschlands größte Fabrik, das Rheinwerk von Norsk Hydro in Neuss, hat seine Produktion bereits drastisch zurückgefahren. Bis Ende Juni entscheidet Norsk Hydro, ob das Werk ganz geschlossen wird.

Zwar hat die Politik dafür gesorgt, dass die energieintensiven Branchen teilweise weniger für die Nutzung der Stromnetze bezahlen müssen. Doch das allein reicht aus Sicht der Betroffenen nicht aus.

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