Comeback: Die Leere von Guttenberg

Comeback
Die Leere von Guttenberg

Der einstige Hoffnungsträger der Union ist zurück. Doch bei seinem großen Auftritt auf dem Alpensymposium in Interlaken hat Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg wenig zu sagen – doch das lautstark.
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InterlakenEr kommt ohne Krawatte, zum dunklen Sakko trägt er ein blaues Hemd, dessen oberster Knopf offen bleibt. Gleich zu Beginn spricht er die Frage an, die alle sich im Podium stellen: „Warum sucht der Guttenberg wieder das Podium? Ist es Eitelkeit? Die Suche nach Aufmerksamkeit?“, fragt der Ex-Minister rhetorisch und spricht von sich in der dritten Person.

Am Ende seines rund einstündigen Vortrags am Dienstagabend auf dem 11. Alpensymposium im Viktoria Jungfrau Hotel in Interlaken ist das Publikum auch nicht viel schlauer. Zu seiner Person hatte der einstige deutsche Polit-Star nicht viel Neues zu berichten. Er wolle sich „wieder einbringen“, erklärte er gewichtig. „Ob dazu die Politik das richtige Form ist, weiß ich nicht.“

Der Satz suggeriert, dass er die Wahl dazu hätte. Er hat sie nicht. Politisch gilt Guttenberg in Berlin nach seiner peinlichen Affäre um die abgeschriebene Doktorarbeit und dem missglückten Comeback-Versuch vom November 2011 als erledigt. Daher beeilte er sich zu versichern, dass „eine politische Rückkehr in meinen Gedanken derzeit überhaupt nicht vorkommt.“

Aber warum sprach er dann? Denn inhaltlich hatte er auch nicht mehr als eine lose Aneinander-Reihung von Allgemeinplätzen zu bieten. Guttenberg sprach von „globalen Trends“ und über „fünf Risikocluster“, wie „geopolitische Risiken“ oder „technologische Risiken“. Im wilden Ritt durch die Schlagzeilen ging es von Mali über Syrien bis hin zur neuen Macht von Google und Facebook.

Kostprobe gefällig? „Das Internet ist ein wunderbarer Platz der Möglichkeiten, aber auch ein Platz von kriminellen Handlungen.“ Bei diesem geballten Sachverstand versteht man gleich, warum ihn die EU-Kommissarin Neelie Kroes zu seinem Internet-Berater gemacht hat.

Angesichts dieser inhaltlichen Magerkost scheint die Botschaft seines Vortrags eher darin zu liegen, dass er als Manifest des Niedergangs gesehen werden kann. Erörterte Guttenberg in seinem alten Leben die Sicherheitspolitische Lage mit US-Außenministerin Hillary Clinton, war am Dienstag Abend einer seiner Vorredner auf dem Symposium der Schweizer Landwirt Martin Juncker, der über seinen Erfolg mit Kürbis-Ausstellungen referierte. Ferner steht auch Casting-König Dieter Bohlen auf der Referentenliste.

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Kommentare zu " Comeback: Die Leere von Guttenberg"

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  • @armes würstchen:
    Gott sei Dank bin ich keins!
    Und gleiches Recht gilt offenbar, denn auch Guttenberg hat alles verloren. Schade um ihn, denn unter den Trittins, den Seehofers, den Westerwelles, den Wowereits, den Platzecks,den Roths, den Künasts, den Gysis, den Lafontaines undundund wäre er geradezu eine Erleuchtung gewesen. Scheiss auf seinen Doktortitel. Das war sein einziger Fehler, und mir wär der "WURSCHT".
    Die 100 Milliarden Miese von Berlin finde ich viel schlimmer. Über sowas kann ICH mich aufregen. Und über gelangweilte, gehässige, einseitige Redakteure auch.

  • Guttenberg ist Mitglied vom ACG - American Council on Germany - genauso wie de Maiziere, Wulff etc.. Vorsitzende: Kornblum, Kissinger.
    Die Aufgabe dieser Gruppe ist es, Europa und speziell Deutschland amerikanischen/Jüdischen Interessen unterzuordnen.

  • @scharfschuetze

    Wieso besser sein? Fürs Erste würde es reichen, wenn gleiches Recht für alle gelten würde. Titelbetrug steht in Deutschland normalerweise unter Strafe, so lange man kein Politiker ist. Im Fernsehen hatte sich während der Guttenberg-Diskussion ein Mann zu Wort gemeldet, dem der Dr.-Titel wegen Unregelmäßigkeiten aberkannt wurde. Er wurde verurteilt und musste 10.000 EUR Strafe zahlen. Er hat seinen Job verloren und seit dem keine Anstellung mehr gefunden. Warum sollte das bei Guttenberg anders laufen? Weil er adlig ist? Na dann machen Sie mal weiter Ihren ehrfürchtigen Bückling vor den Blaublütern. Ich lache mich über solche Duckmäuser immer schlapp. Genau wie die Leute, die sich auf einen Marktplatz stellen und sich Politikergeschwafel von der Bühne herab anhören und dann auch noch applaudieren. Was für arme Würstchen. Kein Wunder, dass die immer Knechte bleiben, wenn sie sich wie Untertanen behandeln lassen. Aber Gott sei Dank gibt es genug von diesen Armen Würstchen, die sich freiwillig von Politikern erzählen lassen, dass sie nur dafür da sind um das System aufrecht zu erhalten. Sei es als Steuerzahler oder jemand der immer neue zusätzliche Abgaben aufgebrummt bekommt oder als Ehrenamtlicher, der ohne Lohn einen Arbeitsplatz vernichtet. Weiter so! Und immer schön einen Diener vor der Obrigkeit machen.

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