Comeback eines Plagiators Guttenbergs Masterplan

Ein Auftritt in Kanada, das Ende des Strafverfahrens, ein Exklusiv-Interview und ein Buch: Karl-Theodor zu Guttenberg strebt mit einem ausgefeilten Masterplan zurück auf die Bühne. Ein Problem bleibt dabei aber.
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Ermittlungen gegen Guttenberg eingestellt

Es begann am Samstag mit einem scheinbar zufälligen Auftritt in Kanada, doch spätestens heute ist klar: Karl-Theodor zu Guttenberg arbeitet mit Hochdruck an seiner Rückkehr auf die politische Bühne in Deutschland. Der gefallene Verteidigungsminister hat die deutsche Öffentlichkeit mit einer genau geplanten Comeback-Kampagne förmlich überrollt.

Auf Guttenbergs ersten Auftritt seit seinem Rücktritt bei einer Sicherheitskonferenz in Halifax am Samstag folgte am Montag die Ankündung seines Interviewbuchs. Am Mittwoch stellte die Staatsanwaltschaft Hof das Strafverfahren gegen den Ex-Minister ein. Und am Donnerstag druckte die Wochenzeitung „ZEIT“ vorab Auszüge aus den Gesprächen ihres Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo, die am kommenden Dienstag als Buch unter dem Titel „Vorerst gescheitert“ erscheinen.

Das Exklusiv-Interview ist der vorläufige Höhepunkt in Guttenbergs PR-Kampagne. Seine wichtigste Botschaft: „Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben“, erklärt Guttenberg. Ob er sich danach politisch engagieren will, lässt Guttenberg offen. Ebenso, wann er nach Deutschland zurückkehren will. Guttenberg, der Meister des politischen Formwandels, hält sich alle Optionen offen.

Dass er mit Hochdruck an der Operation Comeback arbeitet, ist bei genauem Hinsehen allerdings klar zu erkennen - allein schon wenn man seine Worte an seinem Handeln misst. „Ich terminiere gerade gar nichts“, gibt Guttenberg im Interview zu Protokoll. Doch schon zu Beginn des Gesprächs fragt sich Zeit-Chef di Lorenzo: „Sie wollen, dass dieses Gespräch noch vor Jahresende erscheint. Warum diese Eile?“ Er wolle die verständlichen Fragen an ihn beantworten, solange seine Erinnerung noch klar genug sei, „bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen“, ist Guttenbergs lapidare Antwort.

Doch Guttenbergs Auftritte sind nicht zufällig, im Gegenteil, er folgt einem Masterplan mit genauem Timing: Schon lange vor seiner Rede in Halifax am Samstag, der Ankündigung seines Buches am Montag und dem Erscheinen des Interviews am Donnerstag wusste Guttenberg, dass die Staatsanwaltschaft Hof das Verfahren gegen ihn einstellen würde. Denn zwischen der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ein Strafverfahren einzustellen, und der Zustimmung des Gerichts dazu liegen durch die umfangreiche Prüfung der Akten notwendigerweise mehrere Tage. „Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist nicht in der letzten Woche gefallen“ bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof gegenüber Handelsblatt Online.

Gezahlt hat Guttenberg die Geldauflage von 20.000 Euro nach Angaben des Sprechers in dieser Woche, also frühestens Montag. Mit Zahlungseingang musste die Staatsanwaltschaft das Verfahren automatisch einstellen - gerade rechtzeitig, bevor am Donnerstag Guttenbergs Interview erschien. Eine Veröffentlichung zu den Vorwürfen vor der Entscheidung der Ermittler wäre allerdings auch ein Affront gegen die Justiz gewesen.

„Wenn ich bewusst getäuscht hätte, würde ich dazu stehen“
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35 Kommentare zu "Comeback eines Plagiators : Guttenbergs Masterplan"

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  • da dachte man am anfang wirklich das da jemand kommt der nicht zun alten politiksystem gehört. jemand der die dinge beim namen nennt und EHRLICH ist. und dann muss man erfahren das gerade dieses alleinstellungsmerkmal garkeins ist. und jetzt verwendet er die gleichen halbwahrheiten und ausreden die man jeden tag aus der politik hören und ertagen muss. sein ehemaliges alleinstellungsmerkmal ist keines mehr. Herr guttenberg ist nur noch ein nurmaler politiker wie jeder andere auch. und von denen haben wir wirklich genug. SCHADE

  • Es ist doch kein Zufall, dass in diese gähnende politische, antidemokratische Inhaltsleere in Deutschland, JETZT die Atlantikbrücke uns den "charismatischen" Freiherr schickt, mit den Auftrag, eine neue Partei zu gründen!
    Holzauge, sei wachsam! Was da noch auf uns zukommen kann.... denn das totale Euro-chaos wird doch gerade in die Zielgerade geschickt. Mal sehen, wer dann die Bühne betritt, und: welche Interessen er vertritt.

  • Wieso? Er würde sich doch wunderbar in die Reihen der übrigen, unfähigen Politiker einreihen. Derzeit fällt mir nicht einer ein, der wirklich qualifiziert wäre.

  • Guttenberg sieht nur seinen eigenen Vorteil - das ist alles, was von einem Blender und Betrüger übrig bleibt - "Seine Doktorarbeit war nicht mehr zum Durchblicken" - wie will er denn dann in Regelwerken der Politik durchblicken? - Lesen die dann andere an seiner Stelle und er lässt sich erzählen was drin steht - soll das ein Politiker sein? - Tut mir leid - verspielt - so dumm ist das Volk ja wohl doch nicht! ... oder doch? gibt es tats. noch Anhänger?

  • CDU und CSU sind links, köstlich!
    P.S. Ich habe die unbürgerliche FDP vergessen, sorry!

  • Er plant wohl die Gründung einer neuen Partei, einer Partei der bürgerlichen Mitte, so kam heute Abend in den Nachrichten.
    Politologen sagen einer solchen Partei aus dem Stand 15% voraus. Verständlich, denn es wird Zeit, dass wir eine bürgerliche-konservative Partei bekommen, nachdem wir ja nur linke Parteien haben.
    Und nahmnafte Interessenten sind schon genügend da. Angefangen von Olav Henkel über Baring, Koch, Merz usw.
    die allesamt sich nicht mehr von der CDU vertreten fühlen.

  • @Energieelite,
    das ist Ihre Assoziation, nicht meine!

  • Nicht nur KT, auch sein Vater, haben in dieser Affäre das Gesicht verloren - speziell wenn mal die moralischen Maßstäbe anlegt, die Enoch zu Guttenberg in einem Film der ARD (in der Serie "Deutsche Geschlechter" oder ähnlich) selbst formuliert hat.

    Als Enoch zu Guttenberg sich über die "unglaubliche Hetzkampagne" aufregte, hätte von ihm ein "Mea Culpa" kommen müssen: "Ich hätte es erkennen müssen und ich hätte meinen Sohn davon abhalten müssen."

    Schade um ein großes Talent. Aber ich kann KT nicht mehr sehen.

  • Wie kann man bewußt täuschen?
    Kann mir das mal jemand erklären?
    Entweder ich habe getäuscht, oder eben nicht!
    Ein bißchen schwanger gibt es ja auch nicht.
    Guttenberg ist wirdlich saudoof, redet sich im Zeitinterview um Kopf und Kragen.

  • Guttenberg versucht nun seine Probleme mit Rhetorik zu lösen, denn die beherrscht er perfekt. Allerdings ist das nur eine der Eigenschaften, die einem Politiker abverlangt werden. Die anderen sind Diplomatie, Fingerspitzengefühl und das Gespür für das Machbare. Leider hat er im Hochgefühl seiner damaligen Umfragewerte ausgeblendet, dass Hoffnungsträger sein, ein knochenharter Job mit Fußfallen sein kann. Herr Guttenberg war in der Wahrnehmung kritischer Bürger ein junger ehrgeiziger Politiker, der schlecht beraten im politischen Haifischbecken zerrissen wurde und gegen Ende der Affäre stellte man seinen totalen Wahrnehmungsverlust fest. Ein Dilemma für Herrn Seehofer. Zynisch nannte er ihn gelegentlich:" Den Größten aller Zeiten" um ihn im nächsten Atemzug als seine Erfindung hinzustellen Der Heilsbringer der CSU ist weg, damit aber auch sein Konkurrent.

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