Comeback eines Plagiators
Guttenbergs Masterplan

Ein Auftritt in Kanada, das Ende des Strafverfahrens, ein Exklusiv-Interview und ein Buch: Karl-Theodor zu Guttenberg strebt mit einem ausgefeilten Masterplan zurück auf die Bühne. Ein Problem bleibt dabei aber.
  • 35

Es begann am Samstag mit einem scheinbar zufälligen Auftritt in Kanada, doch spätestens heute ist klar: Karl-Theodor zu Guttenberg arbeitet mit Hochdruck an seiner Rückkehr auf die politische Bühne in Deutschland. Der gefallene Verteidigungsminister hat die deutsche Öffentlichkeit mit einer genau geplanten Comeback-Kampagne förmlich überrollt.

Auf Guttenbergs ersten Auftritt seit seinem Rücktritt bei einer Sicherheitskonferenz in Halifax am Samstag folgte am Montag die Ankündung seines Interviewbuchs. Am Mittwoch stellte die Staatsanwaltschaft Hof das Strafverfahren gegen den Ex-Minister ein. Und am Donnerstag druckte die Wochenzeitung „ZEIT“ vorab Auszüge aus den Gesprächen ihres Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo, die am kommenden Dienstag als Buch unter dem Titel „Vorerst gescheitert“ erscheinen.

Das Exklusiv-Interview ist der vorläufige Höhepunkt in Guttenbergs PR-Kampagne. Seine wichtigste Botschaft: „Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben“, erklärt Guttenberg. Ob er sich danach politisch engagieren will, lässt Guttenberg offen. Ebenso, wann er nach Deutschland zurückkehren will. Guttenberg, der Meister des politischen Formwandels, hält sich alle Optionen offen.

Dass er mit Hochdruck an der Operation Comeback arbeitet, ist bei genauem Hinsehen allerdings klar zu erkennen - allein schon wenn man seine Worte an seinem Handeln misst. „Ich terminiere gerade gar nichts“, gibt Guttenberg im Interview zu Protokoll. Doch schon zu Beginn des Gesprächs fragt sich Zeit-Chef di Lorenzo: „Sie wollen, dass dieses Gespräch noch vor Jahresende erscheint. Warum diese Eile?“ Er wolle die verständlichen Fragen an ihn beantworten, solange seine Erinnerung noch klar genug sei, „bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen“, ist Guttenbergs lapidare Antwort.

Doch Guttenbergs Auftritte sind nicht zufällig, im Gegenteil, er folgt einem Masterplan mit genauem Timing: Schon lange vor seiner Rede in Halifax am Samstag, der Ankündigung seines Buches am Montag und dem Erscheinen des Interviews am Donnerstag wusste Guttenberg, dass die Staatsanwaltschaft Hof das Verfahren gegen ihn einstellen würde. Denn zwischen der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ein Strafverfahren einzustellen, und der Zustimmung des Gerichts dazu liegen durch die umfangreiche Prüfung der Akten notwendigerweise mehrere Tage. „Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist nicht in der letzten Woche gefallen“ bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof gegenüber Handelsblatt Online.

Gezahlt hat Guttenberg die Geldauflage von 20.000 Euro nach Angaben des Sprechers in dieser Woche, also frühestens Montag. Mit Zahlungseingang musste die Staatsanwaltschaft das Verfahren automatisch einstellen - gerade rechtzeitig, bevor am Donnerstag Guttenbergs Interview erschien. Eine Veröffentlichung zu den Vorwürfen vor der Entscheidung der Ermittler wäre allerdings auch ein Affront gegen die Justiz gewesen.

Kommentare zu " Comeback eines Plagiators : Guttenbergs Masterplan"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • da dachte man am anfang wirklich das da jemand kommt der nicht zun alten politiksystem gehört. jemand der die dinge beim namen nennt und EHRLICH ist. und dann muss man erfahren das gerade dieses alleinstellungsmerkmal garkeins ist. und jetzt verwendet er die gleichen halbwahrheiten und ausreden die man jeden tag aus der politik hören und ertagen muss. sein ehemaliges alleinstellungsmerkmal ist keines mehr. Herr guttenberg ist nur noch ein nurmaler politiker wie jeder andere auch. und von denen haben wir wirklich genug. SCHADE

  • Es ist doch kein Zufall, dass in diese gähnende politische, antidemokratische Inhaltsleere in Deutschland, JETZT die Atlantikbrücke uns den "charismatischen" Freiherr schickt, mit den Auftrag, eine neue Partei zu gründen!
    Holzauge, sei wachsam! Was da noch auf uns zukommen kann.... denn das totale Euro-chaos wird doch gerade in die Zielgerade geschickt. Mal sehen, wer dann die Bühne betritt, und: welche Interessen er vertritt.

  • Wieso? Er würde sich doch wunderbar in die Reihen der übrigen, unfähigen Politiker einreihen. Derzeit fällt mir nicht einer ein, der wirklich qualifiziert wäre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%