Compliance
Weckruf aus Amerika

Firmen kontrollieren verstärkt die Einhaltung von Gesetzen und internen Regeln. Vor allem das US-Recht treibt dies voran. Doch der Compliance-Trend, der sich zunehmend auch in Deutschland druchsetzt, bedeutet auch mehr Bürokratie im Unternehmen.

DÜSSELDORF. Das Thema scheint so heiß, dass einige Manager darüber lieber nicht öffentlich reden wollen. Beim Stichwort Compliance, also der Einhaltung von Gesetzen und internen Regeln im Unternehmen, fällt bei manchem sonst so beredten deutschen Konzern die Tür zu. "Was es zu sagen gibt, steht im Geschäftsbericht," heißt es dann.

Dort sind dann nur juristisch wasserdichte Allgemeinplätze darüber zu finden, wie das Unternehmen sich vor Betrug und Manipulation zu schützen gedenkt. "Viele Firmen wollen nicht offen über Compliance reden, weil sie die US-Behörden fürchten und weil sie ihre Schwachstellen kennen", sagt Klaus-Peter Gushurst, Senior-Partner der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton.

Spätestens seit Bekanntwerden des Bestechungsskandals bei Siemens beschäftigt sich jeder Konzernvorstand in Deutschland mit der Frage, wie die Einhaltung von Gesetzen und Regeln im In- und Ausland organisiert und kontrolliert werden kann. 95 Prozent der deutschen Großunternehmen haben die Systeme dafür verstärkt, zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine Befragung von 767 deutschen Topmanagern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Etwa durch Compliance-Manager, die die Organisation auf Regeleinhaltung trimmen sollen.

Gushurst sieht die USA als treibende Kraft im Compliance-Geschäft. Ein Praktiker bestätigt: "Die Amerikaner haben dieses Thema systematisch aufgegriffen und entwickelt", sagt Roland Hartwig, Chief Compliance Officer und Chefjurist der Bayer AG. Die spektakulären Bilanzskandale vor einigen Jahren gelten als "Wake-up call" für Compliance-Systeme und die Neuausrichtung der Unternehmensführung.

Siemens-Chef Peter Löscher baut die gesamte Konzernstruktur um, um die Transparenz zu erhöhen. Das Drehbuch dazu liefert das US-Recht. Der neue Antikorruptionsvorstand Peter Solmssen dürfte ein Gesetz inzwischen auswendig kennen: Den Foreign Corrupt Practices Act (FCPA). Darin ist detailliert geregelt, wie sich ein Unternehmen und vor allem wie sich dessen Mitarbeiter im Ausland zu benehmen haben und wie das dokumentiert werden muss.

Das FCPA findet Anwendung auf US-Unternehmen und Gesellschaften, die den Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit im Sinne des "principal place of business" in den USA haben. Gushurst liest daraus eine uneingeschränkte Anwendbarkeit des Gesetzes ab - also auch eine Geltung für die US-Landesgesellschaften ausländischer Konzerne. Bayer-Experte Hartwig sieht den Act hingegen auf Firmen beschränkt, die an US-Börsen notiert sind.

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