Copy-and-Paste-Affäre
Guttenberg-Rücktritt „Riesenblamage“ für Merkel

Karl-Theodor zu Guttenberg hat das Amt des Verteidigungsministers niedergelegt. „Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens“, sagte er. Die Opposition sieht darin eine herbe Niederlage für die Kanzlerin.
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BerlinVerteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat am Dienstag seinen Rücktritt von seinen politischen Ämtern erklärt. Er habe Kanzlerin Angela Merkel darüber informier, sagte der CSU-Politiker. Er könne es nicht mehr verantworten, dass die Plagiats-Affäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde, begründete der Minister seinen Schritt. „Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens.“ Die öffentliche und mediale Betrachtung drehe sich nur noch um die Person Guttenberg und die Dissertation. Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten in den Hintergrund. Dies sei eine „dramatische Verschiebung“. Für das fordernde Amt des Verteidigungsministers brauche man ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit. Er habe die größte Reform in der Geschichte der Bundeswehr angestoßen, betonte Guttenberg.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich zunächst nicht zum Rücktritt ihres Ministers. Merkel beendete am Dienstagmorgen plangemäß ihren Besuch auf der Computermesse Cebit in Hannover, ohne die Entscheidung zu kommentieren. Anschließend machte sie sich auf den Rückweg nach Berlin. Die Kritik an dem 39-Jährigen Guttenberg war in den vergangenen Tagen auch aus den eigenen Reihen immer größer geworden. Auch gegen Merkel richteten sich kritischen Stimmen.

Guttenberg machte deutlich, dass er sich mit seinem Rücktritt schwer getan habe. Dies sei „unbefriedigend, aber allzu menschlich“. Man gebe nicht leicht ein Amt auf, „an dem das Herzblut hängt“. Nun ziehe er aber die Konsequenz, die er auch von anderen verlangt habe. Er stehe zu seinen Schwächen und Fehlern. Es sei eine Frage des Anstandes gewesen, zunächst die drei in Afghanistan gestorbenen Soldaten zu Grabe zu tragen. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen.

Guttenberg dankte Merkel für die Unterstützung in den vergangenen Tagen. „Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“ Die mediale Betrachtung seiner Person und die Qualität der Auseinandersetzung sei nicht ohne Auswirkung auf ihn und seine Familie geblieben. Die Mechanismen könnten zerstörerisch sein. Er erwarte aber kein Mitleid.


Kommentare zu " Copy-and-Paste-Affäre: Guttenberg-Rücktritt „Riesenblamage“ für Merkel"

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  • Auf den Punkt gebracht: ist nur peinlich wie maximal Mittelmaß in DE als Hoffnungsträger dargestellt wird.

    Das muß einem zu denken geben.

  • Die deutsche Aristokratie hat die Arbeiter und vor allem DIE ARBEITER - im 1. Weltkrieg abschlachten lassen und das ganze aus sicherer Entfernung beobachtet, so sieht das aus.

    Mit Geschichet haben Sie es aber nicht so.

  • Das waren und sind keine Selbstreinigungskräfte, das ist der rein Selbsterhaltungstrieb. Wäre es anders, CDU/CSU hätten Guttenberg schon vor einer Woche zum Rücktritt gedrängt. Man wollte es aussitzen. Aber dann wurde denen klar: das geht nach hinten los und dann war nix mehr mit "Stange halten".

    Moral hat doch da sowieso keiner mehr. Alles nur Rumgeeiere.

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