Cordes will Sanktionen mittragen
Deutsche Wirtschaft fordert Härte gegen Putin

Stimmungswandel bei den deutschen Firmen: Der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, will harte Sanktionen gegen Russland unterstützen. Putin müsse nun seinen Einfluss geltend machen.
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BerlinDie deutsche Wirtschaft verschärft den Ton gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin. „Wenn Putin diesen Weg weitergeht, dann ist es nicht der Weg der deutschen Wirtschaft“, sagte der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Es ist jetzt zwingend erforderlich, dass er seinen Einfluss auf die Separatisten geltend macht – und wenn er keinen Einfluss hat, muss er sich welchen verschaffen.“

Cordes betonte, dass sich die Lage durch den Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine mit fast 300 Toten geändert habe. Der Umgang mit der Katastrophe stelle einen „Akt der Inhumanität“ dar, kritisierte er: „Wir sehen verstörende Verhaltensweisen, wenn die Separatisten Leichen fleddern. Von russischer Seite hören wir abenteuerliche Theorien, etwa dass in dem Flugzeug Tote gesessen hätten“.

Im Schatten der Ukraine-Krise

Eurozone handelte weniger mit Russland

Wert der Aus- und Einfuhren im 1. Quartal 2014
im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in %


Cordes sperrt sich deshalb nicht mehr gegen harte Sanktionen. Wenn die Bundesregierung und die EU wegen unzureichender Kooperation Russlands harte Sanktionen umsetzen, „dann tragen wir dies zu hundert Prozent mit“, sagte er. Dies werde zwar für deutsche Unternehmen schmerzhaft sein, aber „wenn der Preis bezahlt werden muss, werden wir ihn zahlen“.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Cordes will Sanktionen mittragen: Deutsche Wirtschaft fordert Härte gegen Putin"

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  • Ja aber warum wird mit Zweierlei Maß gemessen? Außerdem wie war das mit der Lüge bezüglich des Irak, auf Grund dessen man in den Irak einmarschierte? "Eine Koalition der Willigen? Wieviel zehn oder Hunderttausende Tote gab es auf Grund einer Lüge?

    Oder der Abschuss einer iranischen Passagiermaschine durch ein US-Kriegsschiff am 3. Juli 1988. Dabei kamen 290 Menschen ums Leben. Trotz hochmoderner Erfassungs-Systeme auf dem US-Kreuzer Vincennes wurde das Passagierflugzeug (ein Airbus A300) mit einem Kampfflugzeug des Typs F 14 Tomkat verwechselt. Der damalige US-Vizepräsident George H.W. Bush verteidigte den Fehlschuss seiner Spezialisten als angemessenes Verhalten in einer Konfliktsituation und verweigerte eine Entschuldigung. Die westlichen Medien berichteten meist neutral und forderten keine empfindlichen Sanktionen gegen die USA. Die USA wurden auch nicht zum Schurkenstaat erklärt.

  • Zweierlei Maß für Verursacher? Warum werden westliche "Fehler" anders bewertet?

    Abschuss einer iranischen Passagiermaschine durch ein US-Kriegsschiff am 3. Juli 1988. Dabei kamen 290 Menschen ums Leben. Trotz hochmoderner Erfassungs-Systeme auf dem US-Kreuzer Vincennes wurde das Passagierflugzeug (ein Airbus A300) mit einem Kampfflugzeug des Typs F 14 Tomkat verwechselt.

    Der damalige US-Vizepräsident George H.W. Bush verteidigte den Fehlschuss seiner Spezialisten als angemessenes Verhalten in einer Konfliktsituation und verweigerte eine Entschuldigung. Die westlichen Medien berichteten meist neutral und forderten keine empfindlichen Sanktionen gegen die USA. Die USA wurden auch nicht zum Schurkenstaat erklärt.

    Acht Jahre später zahlten die USA eine Entschädigung von 61,8 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer.

    Der (irrtümliche) Abschuss der iranischen Passagiermaschine ist wohl eher mit dem Abschuss der malaysischen Boeing zu vergleichen?


    Einige Wochen vor dem Lockerbie-Anschlag war die US-Botschaft in Helsinki telefonisch vorgewarnt worden. Mitglieder einer Gruppe Abu Nidal würden innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Anschlag auf eine PanAm-Maschine auf der Route Frankfurt-New York verüben. Die Warnung ging über die US-Botschaften an die Fluggesellschaften. Daraufhin buchten einige Passagiere ihren Flug um. Für PanAm-Flüge wurden die Sicherheits-Vorkehrungen erhöht, aber das Sicherheitsteam in Frankfurt hatte offenbar nicht alles mitbekommen.

    Auch die Ukraine war durch den Abschuss einiger Militärmaschinen durch die ukrainischen Separatisten bereits gewarnt. Die Regierung in Kiew hat es jedoch unterlassen, den Luftraum über der Ostukraine für Zivilflugzeuge zu sperren. In beiden Fällen kann man von Fahrlässigkeit sprechen?

    Die Waffenlieferanten

    Die ukrainischen Separatisten, heißt es weiter, waren zu doof, das komplizierte russische Flugabwehr-System richtig zu bedienen (offenbar waren aber auch die US-Navy-Spezialisten 1988 zu doof?

  • Sie wissen ja gar nicht, was eine ausgehebelte Demokratie überhaupt bedeutet. Ein Blick nach Russland könnte helfen: gleichgeschaltete Presse, NGOs grundsätzlich kriminalisiert, ein willkürliches "Rechtssystem", ein homophober Autokrat an der Staatsspitze, Verfrachten in sibirische GULAGs unter vorgeschobenen Anklagen, und und und....

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