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Countdown in Bayern: „Hoeneß soll unser Geld zurückgeben“

Bad Wiessee ist ein idyllischer Ort. Dort wohnt auch Uli Hoeneß, dem wegen Steuerhinterziehung eine Anklage droht. Was denken seine Nachbarn über die Affäre und beeinflusst sie sogar die Wahl? Ein Stimmungsbericht.

Horst Seehofer scheint in Bayern ebenso unumstößlich wie FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt hat. Quelle: dpa
Horst Seehofer scheint in Bayern ebenso unumstößlich wie FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt hat. Quelle: dpa

Bad WiesseeWaldtraud, Alpenhof oder Bergwald: Ein Hotel reiht sich an das nächste, genauso gutbürgerlich wie ihre Namen. Geranien ranken sich um die Holzbalkone, lackiert Läden zieren die Fenster, die Häuser sind üppig bemalt. Da unten blitzt der Tegernsee durch die Bäume, majestätisch erheben sich dahinter die Berge. Das Läuten von Kuhglocken klingt aus der Ferne herüber. Ab und zu fährt ein Auto durch den 4800-Seelen-Ort, manchmal spuckt ein Bus Touristen aus. Ein Rentnerpaar unterhält sich beim Spazierengehen. Sonst ist es still in Bad Wiessee am Tegernsee. Idylle pur.

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In dieser Idylle in Oberbayern, rund 40 Kilometer südlich von München, hat auch Uli Hoeneß sein Haus – irgendwo. Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, der sich im Januar selbst wegen Steuerhinterziehung anzeigte und gegen den die Staatsanwaltschaft München ermittelt. „Der Uli Hoeneß? Keine Ahnung, wo der hier wohnt“, sagt eine Frau, die auf den Bus wartet. Mit einem Augenzwinkern sagt sie: „Aber wenn Sie ihn finden, dann sagen sie Hoeneß, er soll unser Geld zurückgeben.“

Tief hängen die Wolken über den Bergen am Tegernsee. Fast, wie ein schlechtes Omen. Doch wenn, dann ist es wohl nur ein schlechtes Zeichen für die SPD, hier muss die CSU nicht bangen – Steueraffären hin oder her. Bei der vergangenen Landtagswahl 2008 verlor die CSU zwar auch im Wahlkreis Miesbach Stimmen, zu dem auch Bad Wiessee gehört – und zwar massiv. Auch im kleinen Ort am Tegernsee. Und doch hieß das Ergebnis für die CSU: 52 Prozent.

Die Landtagswahl in Zahlen und Fakten

  • Wahlberechtigung

    Rund 9,5 Millionen Menschen sind wahlberechtigt.

    Etwa 650 000 junge Menschen können erstmal wählen gehen.

    15 Parteien mit insgesamt 1769 Bewerbern stehen zur Wahl.

  • Mandate

    180 Sitze werden vergeben, darunter 90 Direkt- und 90 Listenmandate. Es kann aber am Ende auch mehr Abgeordnete geben - nämlich durch sogenannte Überhang- und Ausgleichsmandate. Bei der Wahl 2008, also vor der jüngsten Stimmkreisreform, hatte es noch 91 Stimmkreise und damit 91 Direktmandate geben.

  • Fraktionen

    5 Fraktionen gab es zuletzt im Landtag: CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne und FDP. Umfragen zufolge muss die FDP aber nun zittern, ob sie die Fünf-Prozent-Hürde schafft und wieder ins Parlament einzieht.

  • Stimmzettel

    5 Stimmzettel bekommt jeder Wähler am Wahlsonntag: 2 für die Landtagswahl sowie 2 für die parallel stattfindende Bezirkswahl. Zudem gibt es einen Stimmzettel, auf dem die Wähler über fünf Änderungen der Bayerischen Verfassung abstimmen können.

Dieses Mal könnte es noch besser ausgehen, denn nun ist dies der Wahlkreis von Ilse Aigner. Bei den Bundestagswahlen holte sie immer mehr als 50 Prozent der Erstimmen in ihrem Wahlkreis. Nun tritt die Bundeslandwirtschaftsministerin nicht mehr für den Bundestag an, stattdessen will sie nun in den bayrischen Landtag. Sie könnte in fünf Jahren Horst Seehofer beerben. Und Seehofer scheint hier unumstößlich.

„Nein, den Hoeneß kennen wir nicht persönlich“, sagt ein Mann. Er sitzt mit seiner Frau vor der Eisdiele des Ortes. Natürlich sei das nicht fair, dass einer, der so viel Geld habe, auch noch Steuern hinterziehe. „Aber das entscheidet das Gericht.“ Und der Seehofer, der habe ja nun angekündigt, härter gegen Steuerhinterziehung vorzugehen, sagt der Mann. Damit sei er zufrieden. Seine Frau fügt hinzu: „Was soll der Herr Ministerpräsident auch mehr machen? Meinen Sie, Ude würde es besser machen? Ich nicht.“

  • 15.09.2013, 13:11 UhrFlashGordon

    Heute folgt der erste Streich, und der zweite folgt in einer Woche sogleich. Überall dort wo Konservative mit ökonomischen Sachverstand und Vernunft regieren, geht es auch dem ekelhaften Lohnsklavenpack besser.

    Bayern, Hessen und BaWü sollten aus der Bundesrepublik austreten, sich mit der Schweiz zusammenschließen, anschließend den Power-Euro einführen und das restliche Gesocks in Deutschland verrecken lassen. So einfach ist das.

    Und jetzt geh ich nach kurzen Pit-Stopp weiter die 700 PS meines Aventador V12 im Grenzbereich Vmax 350 km/h austesten. Wohlstand Dank Euro, hoher Bildung und den richtigen Beruf/-ung als Investmentbanker. Over and out !

  • 15.09.2013, 13:16 Uhrwiedennwodennwasdenn

    Warum wird denn schon wieder der Hoeneß rausgezogen für irgendein Stimmungsbarometer vom Tegernsee?

  • 15.09.2013, 13:24 Uhrgeneral

    @FlashGordon

    Ich wünsche Dir gute Fahrt im Aventador. Vielleicht solltest Du Dir auch noch die goldene Unterhose zulegen, über die das Handelsblatt hier berichtet (vorsichtshalber mit deaktivierter Kommentarfunktion):

    http://www.handelsblatt.com/panorama/lifestyle/dress-for-success/dress-for-success-eigentlich-ist-gold-geschmacklos/8772348.html

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