Credit Suisse

Steuersünder-Datei gab es zum Nulltarif

Der Datensatz deutscher Credit Suisse-Kunden mit zweifelhaften Versicherungspolicen wird dem Bund wohl Millionen einbringen. Die Finanzbehörden hat er keinen Cent gekostet. Grund: Ein folgenschweres Missverständnis.
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Frankfurter Niederlassung der Credit Suisse. Für die Name deutscher Kunden mussten deutsche Steuerfahnder nichts zahlen. Quelle: dpa

Frankfurter Niederlassung der Credit Suisse. Für die Name deutscher Kunden mussten deutsche Steuerfahnder nichts zahlen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer neue Datensatz mit mutmaßlichen Steuersündern der Schweizer Großbank Credit Suisse hat die deutschen Finanzbehörden nach Informationen des Handelsblatts keinen Cent gekostet. Nach übereinstimmenden Berichten von Beteiligten hat weder ein Bankmitarbeiter die Daten illegal kopiert und verkauft, noch hat sich ein Hacker der Daten bemächtigt. „Strenggenommen gab es gar keinen Datenabfluss“, sagt ein Insider. Das Ganze sei ein Versehen gewesen.

Nachdem die Credit Suisse im September 2011 einen Deal mit den deutschen Behörden erzielte, zahlte die Bank 150 Millionen Euro an Nordrhein-Westfalen. Dafür stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Verfahren gegen Mitarbeiter der Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein. Credit Suisse verpflichtete sich, mit den Behörden zu kooperieren und Informationen zu liefern, soweit es der Datenschutz zuließ.

„Anfang Juni fragte ein Beamter aus dem Finanzministerium bei Credit Suisse an, wie viele Kunden Versicherungen auf den Bermudas hätten“, berichtet ein Credit-Suisse-Insider. „Der Bankmitarbeiter verstand die Frage falsch und schickte den kompletten Datensatz an die Deutschen.“ Weitere Mitarbeiter von Credit Suisse bestätigten diese Angaben. Banksprecher Marc Dosch sagte auf Anfrage des Handelsblattes: „Wir können zur Herkunft der Daten keine Angaben machen.“

Wenige Tage nach der Datenpanne erhielten die ersten Credit Suisse-Kunden Briefe vom Finanzamt. „Der hiesigen Dienststelle liegt auch bezüglich Ihrer Person Kontrollmaterial zur weiteren Prüfung vor. Hiernach kommen Sie als möglicher Auslandsausleger in Betracht“, hieß es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Man „dürfe darauf aufmerksam machen“, dass die Steuerbürger zur Mitwirkung der Ermittlung ihrer steuerlichen Verhältnisse verpflichtet seien. Im Falle einer Weigerung könne das Finanzamt „Zwangsmaßnahmen herbeiführen.“

Bei den tausendfach verkauften Bermuda-Produkten handelt es sich um normale Anlage- und Sparkonten, die als Versicherungen getarnt wurden. Das Bundesfinanzministerium hat klare Regeln herausgegeben, dass sie steuerlich nicht bevorzugt werden. Nach Angaben von Insidern blieben die Gelder jedoch größtenteils unversteuert. Schätzungen sprechen von mehreren Milliarden Euro. Credit Suisse rät ihren Kunden derzeit zu anwaltlicher Beratung und gegebenenfalls zu Selbstanzeigen.

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46 Kommentare zu "Credit Suisse: Steuersünder-Datei gab es zum Nulltarif"

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  • sorry drschaeffera - danke für die Klarstellung. Ich finde es problematisch (und eigentlich schon befremdlich) dass in Deutschland nun so ganz einfach über die Verwendung des Vermögens anderer Leute spekuliert wird.

  • Völig richtig. Deshalb haben die wirklich Reichen mit solchen Modellen nichts am Hut. Die legen ihr Geld teilweise in verschiedenen Ländern an - versteuert in D! -, um sich zB vor Währungsverlusten (Stichwort Euro), Kapitalverkehrskontrollen, etc. zu schützen. Liechtenstein war auch mal beliebt, nicht, um Steuern zu sparen, sondern um kreativ sein Erbe zu gestalten... Es gibt viele gute Gründe, sein Vermögen zu streuen, Steuerhinterziehung ist kein Grund.

  • Es handelt sich, da bin ich zuversichtlich, nicht um Schwarzgeld, sondern um versteuertes Geld. Der von Ihnen genannte Betrag ist der Mindestbetrag für die sog Vermögensverwaltung. Und wenn dieser in einen Lebens-versicherungsmantel gepackt wird - in der Zwischenzeit steuerlich unzulässig - dann ist das alles steuerlich in Ordnung. Bei einer 12 Jahre oder längeren Anlage soll das Geld ja jährlich vor sich hin wachsen (um die Inflation zu schlagen). Und wenn der Staat da jährlich Steuern abgreift, ist das sehr viel schwieriger, wenn man nicht risikofreudig ist. In anderen europäischen Ländern ist übrigens das Sparen für die Altersvorsorge steuerbegünstigt, da muß man nicht solche Verrenkungen machen wie bei uns.

  • Wenn es sich um zeitlich (die Möglichkeiten wurden erst später gesetzlich beschnitten!) und auch sonst formell korrekt gestaltete Lebensversicherungsmäntel handelt - und davon sollte man bei einer so großen Bank eigentlich ausgehen - , wird der Fiskus mit Zitronen handeln. Wieso wird jemand kriminalisiert, der sich innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen bewegt? Handelt etwa ein Staat korrekt und ehrlich, der seinen Bürgern private Anstrengungen zur Altersvorsorge nahelegt, um sie dann zynisch 5 Minuten später auszunehmen mit der Bemerkung, sie hätten ja dank ihrer Sparleistung nun stärkere Schultern, und die müßten immer mehr tragen?

  • Das ist Stammtischniveau: Wenn ich als ewig gieriger Staat die Bemessungsgrundlage verbreitere, so wie bei Dividendeneinkünften, kann ich niedrigere Steuersätze nehmen und habe trotzdem mehr Steuereinnahmen als vorher. Dass auf Zinseinkünfte weniger Steuern zu bezahlen sind (falls der individuelle Steuersatz oberhalb der 25% liegt), ist vermutlich der verzweifel-ten Suche des Staats nach Geldgebern geschuldet.

  • Das ist wieder so ein Problem eines nicht eindeutigen Wortes: siehe Wikipedia unter 'Mittelstand': Neben (Familien)Unternehmen bezeichnet der Begriff 'auch die soziologische Mittelschicht, und der Duden hat bis vor kurzem sogar nur diese Bedeutung verzeichnet. Historisch siehe auch Kleinbürger beziehungsweise Bürgertum.'

  • Nö, weder Universitätsmitarbeiter, noch beamtet oder sonst wie sicherer Job als jemand anderes, auch kein Selbstmitleid, keine Ahnung, wie Sie darauf kommen... Ich beschreibe mich nur als einen typischen Bürger bzw. uns als typische Familie, die sich als dem Mittelstand zugehörig fühlt, aber als solche weit weg davon ist, ein paar hundert Tausend Euro in der Schweiz veranlagen zu können. Das sollte zeigen, dass der normale Mittelstand bzw. die normale Mittelschicht nicht diejenige Gruppe ist, die es hier nun erwischt.

    Mein Kommentar war auch - bitte nochmal genau hinschauen - kein eigenständiger Kommentar, sondern die Replik auf einen anderen Kommentator, der diejenigen, die derartige Beträge in der Schweiz veranlagen können, als den braven Mittelstand beschreiben wollte.

  • Ich stimme Ihnen voll zu. Für wie blöd wird hier die CS dargestellt.

    Mir erscheint die Geschichte mit der "geschenkten CD" auch als total erfunden. Das ist nichts anderes als die erste "Steuer-"CD, die vom BND angekauft und dann an die Finanzbehörden weiter gegeben worden sein soll. Eine solche Legende kann sich nur einer einfallen lassen, der nie kompetent und praktisch gearbeitet hat.

  • Es ist gar nicht sicher, dass die genannten Gelder tatsächlich illegal sind.
    Denn die Ummantelung eines Depots mit einer Risikoabsicherung (Und letztlich ist jede Lebensversicherung nichts anderes) ist unter bestimmten Bedingungen legal.

    Die Bedingungen hierfür wurden vor ein paar Jahren entsprechend formuliert.
    Aus meiner früheren Berufspraxis ist mir bekannt, dass die Konstrukte, die die Rechtnormen nicht erfüllten frühzeitig aufgelöst wurden bzw. angepasst wurden. Das war eine größere Diskussion mit den Finanzbehörden vor rund 5 Jahren
    Denn schließlich ist es ja der Sinn dieser Gestaltung, legal eine Versteuerung zu vermeiden oder zu minimieren.

    Wer schon allein den Versuch der Steuergestaltung für unmoralisch hält, dem sei gesagt das er auf dem Holzweg ist. Denn der Gesetzgeber hat Steuergesetze erlassen, die bei unzureichender Gestaltung Vermögen sogar defacto konfiszieren.
    Er zwingt also von vorneherein mit voller Absicht Vermögen entsprechend anzulegen. manchmal erreichen aber solche Regelungen gneau das Gegenteil der ursprünglichen Absicht, weil die Gier auf staatlicher Seite größer ist, als die Vernunft bei der Abschätzung der legalen Folgen. So sind die Versicherungsmäntel letztlich eine direkte Folge der Umqualifizierung der Schröderschen Reformen, im Verein mit den Vorstellungen der Verbraucherschützer, ohne die Versicherungsmäntel gar nicht den Anforderungen entsprochen hätten.
    Von solchen, der Unfähigkeit geschuldeten Wechselwirkungen bekommt natürlich Otto Normalverbraucher nichts mit, was hilfreich ist um den "Steuerhinterziehern" den alleinigen Schwarzen Peter zuzuschieben und die Massen für legale Rechtbeugungen zu mobilisieren.

    H.

  • Wenn man da so die Beiträge hier liest, dann muß man sich doch fragen, wieviele der Verfasser überhaupt persönliche Steuern zahlen.

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