CSR-Richtlinie
Mittelständler in der Nachhaltigkeitsfalle

Große Unternehmen müssen künftig über die Folgen ihres wirtschaftlichen Handelns Rechenschaft ablegen. Die Wirtschaft kritisiert das neue Gesetz, weil – anders als geplant – auch kleine Firmen betroffen sein können.
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BerlinTreibhausgase, Wasserschutz, Luftreinhaltung oder ethische Verantwortung - die Nachhaltigkeitsberichte mancher Konzerne lesen sich teilweise wie Dokumente von Umweltorganisationen. Doch feste Vorgaben fehlten bisher, sodass die Firmen selbst entscheiden konnten, ob sie über die Folgen ihres wirtschaftlichen Handelns Rechenschaft ablegen und was sie mitteilen. Nun soll alles anders werden.

Große, börsennotierte Unternehmen müssen künftig nicht nur über ihre finanzielle Lage Auskunft geben, sondern auch über ihren Einsatz für Umweltschutz, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung. Das hat der Bundestag in der Nacht zum Freitag beschlossen. Damit setzt Deutschland die CSR-Richtlinie der Europäischen Union um. Die Abkürzung CSR steht für „Corporate Social Responsibility“, quasi die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft.

Einige hundert Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind damit in Zukunft verpflichtet, Lageberichte zu „nichtfinanziellen“ Themen vorzulegen. Zur Begründung der Neuregelung weist die Bundesregierung darauf hin, dass Unternehmen heute zunehmend nicht mehr nur nach ihren Finanzdaten bewertet und befragt würden, sondern auch nach Nachhaltigkeitskriterien beurteilt werden.

Bei der Wirtschaft stoßen die neuen Vorschriften auf deutliche Kritik, weil der der neue gesetzliche Rahmen nicht nur große Konzerne trifft, sondern auch Auswirkungen auf kleinere und mittlere Unternehmen haben kann. Die vom neuen Gesetz direkt erfassten Unternehmen müssen nämlich auch darüber berichten, wie es um die Nachhaltigkeit bei ihren Zulieferern steht. In der Praxis könnte das dazu führen, dass auch kleinere Unternehmen, die in Lieferketten von großen Unternehmen eingebunden sind, künftig zunehmend mit CSR-Anforderungen durch ihre Kunden belangt werden, ohne dass sie jedoch selbst einer gesetzlichen CSR-Berichtspflicht unterliegen. Darauf weisen der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Familien-Unternehmerverband hin.

„Im Moment sieht es so aus, als würde auf vermeidbare bürokratische Lasten bei der Umsetzung der Richtlinie nicht durchgängig verzichtet. Gerade für kleine und mittelgroße Zuliefererbetriebe, die mittelbar über ihre Geschäftsbeziehungen in die Berichtspflicht einbezogen sind, wäre eine Begrenzung der Berichtspflicht wichtig gewesen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, dem Handelsblatt.

Der Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, Lutz Goebel, nennt es gar eine „Fehlannahme“ der Politik, dass nur große Unternehmen von der CSR-Richtlinie betroffen wären. „Auch kleine und mittlere Betriebe werden über ihre Geschäftsbeziehungen zu den großen mittelbar verpflichtet, Nachhaltigkeitsaussagen zu tätigen“, sagte Goebel dem Handelsblatt.

Den Sinn dahinter, kann der Verbandschef nicht so recht nachvollziehen. „Die CSR-Richtlinie ist nichts anderes als ein Förderprogramm für Berater“, sagte Goebel. Und er findet es „unglaublich, dass die Politik die Richtlinie ersichtlich unter der Annahme konzipiert hat, dass Unternehmer nicht anders zur Wahrung von Menschenrechten, sozialen Standards, Nachhaltigkeit und gegen Korruption zu bewegen sind“. Dabei lebten viele Familienunternehmen aktiv das, was CSR jetzt vorschreibe – „ohne viel Trara darum zu machen“. Goebel ist daher sicher: „Die CSR-Richtlinie macht die Welt nicht besser, nur bürokratischer.“

Und für manche Unternehmen könnte es sogar eine teure Angelegenheit werden. DIHK-Hauptgeschäftsführer Dercks kritisiert die Sanktionen, die das Gesetz bei Nichteinhaltung der Regeln vorsieht. Die im Gesetzentwurf enthaltenen Geldbußen gingen über die versprochene 1:1-Umsetzung der Richtlinie „weit hinaus“ und seien „unverhältnismäßig hoch“, sagte er. Zugleich appellierte er an die Politik, den Unternehmen ausreichend Zeit zu geben, um die Vorgaben erfüllen zu können. „Da die gesetzlichen Vorgaben nun voraussichtlich erst im 2. Quartal in Kraft treten,  wäre eine Übergangsfrist für die Erstanwendung besonders wichtig.“

Seite 1:

Mittelständler in der Nachhaltigkeitsfalle

Seite 2:

„Regelungen verbessern Transparenz und Vergleichbarkeit“

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  • @Hofmann Marc 10.03.2017, 14:55 Uhr


    Vollkommen richtig. Hier soll wohl das alleletzte Bißchen Unternehmertum zerstört werden.


    Hauptsache die Regelungswut unserer Politlaiendarsteller wird befriedigt.

  • Wer dieser Grün-Sozialistischen Regelwut und Bevormundung eine Absage erteilen will und diese ganzen Regelvorschriften und Gängelungen einer Grünen Gesinnungspolitik einen Riegel vorschieben möchte, der wird nicht darum herum kommen die AfD zu wählen.
    Danke!

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