CSU-Chef kann sich schwarz-grüne Bündnisse auf Länderebene vorstellen
Stoibers Sympathie für Grüne geht der CDU zu weit

Wenn zwei sich streiten, streut der Dritte am liebsten noch eine Extraportion Salz in die Wunde: Während sich in Berlin die rot-grünen Koalitionäre in den Haaren liegen, hat CSU-Chef Edmund Stoiber seine Sympathie für Schwarz-Grün auf Länderebene kundgetan. „A priori zu sagen, Koalitionen mit den Grünen dürfen nicht sein, weil das Schmuddelkinder seien, ist nicht meine Auffassung“, sagte Stoiber dem „Stern“ – ganz im Gegensatz zur bisherigen Linie der CSU.

BERLIN. Die Christsozialen hatten sich stets strikt gegen schwarz-grüne Gedankenspiele ausgesprochen. Die Grünen hätten sich „ganz unterschiedlich entwickelt“ und seien in manchen Ländern „pragmatischer, offener geworden“, ließ der CSU-Chef wissen.

In der CDU-Zentrale stieß Stoibers Vorstoß auf Stirnrunzeln: Wenn er so angetan sei von den Grünen, solle er es doch in Bayern vormachen, hieß es spitz im Adenauerhaus. Die christdemokratische Linie sei unverändert: In den Kommunen gebe es positive Beispiele für Schwarz-Grün, auf Landesebene dagegen sei die „Schnittmenge zu gering“, wie Generalsekretär Laurenz Meyer gern betont. Bei der verzwickten Suche nach einem Bundespräsidenten könnten Stoibers Gedankenspiele überdies nur stören – tragen sie doch neuen Zündstoff ins bürgerliche Lager.

Auch die Bundesspitze der Grünen erteilt Stoiber eine klare Absage: Der CSU-Chef verkenne den Unterschied zwischen „fröhlicher Phantasie und realistischer Perspektive“, sagte Parteichef Reinhard Bütikofer dem Handelsblatt. Stoiber habe nicht begriffen, dass die „ökologischen und emanzipatorischen“ Grundpositionen für die Grünen „unverrückbar“ seien, wohingegen die Union hier „dramatischen Nachholbedarf“ habe. Auch so manche Grüne diskutieren derzeit zwar wieder einmal über die Versuchung, Alternativen zur SPD auszuloten. Doch selbst die am weitesten gehenden Visionen reichen nur bis zum Verhandlungseinstieg, nicht aber bis zum Abschluss von Koalitionsverträgen.

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