CSU-Chef Stoiber sieht „veränderte Lage“ für seine Zukunft als Merkels Minister
„Politik ist eben nichts für Schwächlinge“

Edmund Stoiber, in Merkels Kabinett als Wirtschaftsminister gesetzt, will nach dem Rückzug von SPD-Chef Franz Müntefering womöglich doch in München bleiben. Der Wankelmut des bayerischen Ministerpräsidenten sorgt für Hohn und Spott in der Union.

BERLIN. Die Reaktion des CDU-Manns kommt spontan und sarkastisch: „Politik ist eben nichts für Schwächlinge.“ Den Namen spricht das Mitglied des Fraktionsvorstands mit engem Draht zur designierten Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht aus. Aber wen er meint, ist klar: CSU-Chef Edmund Stoiber.

Grund, oder vielleicht besser Anlass für Stoibers Selbstzweifel ist ein Ereignis in einer Organisation, von deren Interna ein gestandener CSU-Chef sonst nicht so leicht seine Karrierepläne durcheinander bringen lässt – der SPD nämlich, deren Vorsitzender Franz Müntefering seinen Rückzug angekündigt hat. Jetzt ist das anders, weil die Union mit der SPD koalieren will. Sofern das ohne Müntefering vonstatten gehen soll, sei dadurch „für mich und uns eine veränderte Lage“ entstanden, sagt Stoiber.

In der Tat verbindet Stoiber und Müntefering seit den Tagen der von ihnen gemeinsam geleiteten Föderalismuskommission eine herzliche Beziehung. Ohne Müntefering, erklären Stoibers Leute, sei die Übernahme eines Schlüsselressorts in Berlin ein unabsehbares Risiko. 2007 wird in Bayern gewählt, und die CSU muss um ihre absolute Mehrheit zittern. „Er muss auch an sich denken. Es nutzt niemandem, wenn er nach einem Jahr als gescheiterter Wirtschaftsminister und Parteichef da oben sitzt.“

Noch während Stoiber spricht, zieht einer seiner Mitarbeiter die Journalisten ins Vertrauen: In München, sagt er, flehe man inständig, Stoiber solle bleiben. In der Tat hatte es schon seit Wochen Gerüchte gegeben, Stoiber warte nur auf eine Gelegenheit, seine Berliner Ambitionen zu begraben und dabei doch sein Gesicht zu wahren. Da ist der Kampf um seine Nachfolge zwischen Bayerns Innenminister Günther Beckstein und Staatskanzleichef Erwin Huber, der dem sonst so auf professionelles Politikmanagement bedachten Partei- und Regierungschef völlig außer Kontrolle geriet und ihm den zähneknirschenden Zorn der Münchner Landtagsfraktion eintrug. Da sind die Querelen mit der designierten Bildungsministerin Annette Schavan, bisher Landesministerin in Baden-Württemberg und damit aus Stoibers Sicht weit unterhalb der Schwelle der Satisfaktionsfähigkeit, mit der er sich über Tage um eine Hand voll Forschungsreferate balgen musste. Da ist der Verdruss der CSU-Landesgruppe, denen Stoiber seinen rebellischen Parteivize Horst Seehofer als Agrarminister ins Berliner Kabinett aufdrückte und so die Karrierehoffnungen vieler altgedienter und treuer Bundestagsabgeordneter durchkreuzte.

Heute soll das CSU-Präsidium in einer telefonischen Schaltkonferenz klären, wie es weitergeht mit Stoiber – ob er in München bleibt ob er doch nach Berlin geht oder ob er am Ende womöglich sogar die Ungewissheit noch eine Weile fortdauern lässt.

In der CDU bemüht man sich um Gelassenheit. So oder so müsse für die Stabilität der künftigen Bundesregierung ein Rückzug Stoibers kein Schaden sein. Bliebe er Regierungschef in Bayern, dann sei er „ein halbierter oder gedrittelter Stoiber“ und ein „Ministerpräsident auf Abruf“, sagt der Merkel-Mann aus der Fraktionsspitze. In München habe er stark an Autorität verloren, von den CSU-Abgeordneten im Bundestag ganz zu schweigen. „Es reicht nicht mehr, wenn er in Zukunft von München aus pfeift. Die CSU-Landesgruppe wird nicht springen.“

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