CSU
Der Mythos Wildbad Kreuth wird begraben

Zu hohe Pacht: Die bayerischen Christsozialen geben ihren alten Klausurstammsitz in Wildbad Kreuth auf und suchen nach einem neuen CSU-Treffpunkt. Im Gespräch für 2017 ist auch das traditionsreiche Kloster Andechs.
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MünchenDie CSU muss ihren Mythos Wildbad Kreuth begraben: Weil die von den Eigentümern des Adelshauses Wittelsbach geforderte neue Pacht für das von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung betriebene Bildungszentrum zu hoch sei, beschloss der Stiftungsvorstand am Montag in München das Auslaufen des bestehenden Mietvertrages zum 31. März 2016. Damit muss sich die CSU für die Klausurtagungen ihrer Bundestags- und Landtagsabgeordneten ab dem Jahr 2017 eine neue Unterkunft suchen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung ist seit 1975 Mieter des malerisch gelegenen ehemaligen Kurbades oberhalb vom Tegernsee. Zu Jahresbeginn tagen dort seitdem alljährlich die CSU-Landesgruppe im Bundestag und kurz darauf die CSU-Landtagsfraktion, die Bilder von der Schneelandschaft hinterlassen alljährlich Eindruck.

Berühmt wurde Wildbad Kreuth vor allem durch zwei politische Ereignisse. 1976 fasste die CSU-Landesgruppe dort unter dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß den Beschluss, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU zu kündigen. Nach einem Machtkampf mit dem damaligen CDU-Chef Helmut Kohl nahm Strauß die Entscheidung zurück. 2007 formierte sich zudem in der CSU-Landtagsfraktion bei ihrer Winterklausur so offener Widerstand gegen den damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber, dass dieser seinen Rücktritt ankündigte.

CSU-Chef Horst Seehofer sagte im Bayerischen Rundfunk, er mache sich um den Verlust der Kreuther Geschichte keine Sorgen. "Der Mythos ist die Klausurtagung, das ist meine geringste Sorge, Mythen herzustellen", sagte Seehofer. Wo die Christsozialen in Zukunft tagen, ist noch offen. Dem Bayerischen Rundfunk zufolge wird die Landesgruppe wie der CSU-Vorstand ihre Klausurtagungen im oberbayerischen Kloster Andechs abhalten, die Landtagsfraktion werde womöglich im oberfränkischen Kloster Banz tagen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung zahlte laut BR bisher 84.000 Euro Pacht pro Jahr. Die Besitzerin des Gebäudeensembles, Herzogin Helene, habe diese Pacht nun mehr als versechsfachen wollen - damit hätte die Partei-Stiftung dem Bericht zufolge über eine halbe Million Euro zahlen müssen.

In Sachen Öffentlichkeitswirksamkeit war das idyllisch gelegene Wildbad Kreuth für die CSU allerdings alljährlich ein schwer zu bezahlender Glücksfall. Durch die besondere geographische Lage in einem Talkessel oberhalb des Tegernsees ist in Wildbad Kreuth nach Angaben von Meteorologen die Schneewahrscheinlichkeit erhöht, was Seehofer und seinen Vorgängern bei den Klausuren regelmäßig Fernsehbilder in einer prächtigen Schneelandschaft bescherte.

Für die CSU bekommen die bevorstehenden nötigen räumlichen Veränderungen damit einen noch größeren Umfang als geplant. Bereits seit längerer Zeit steht fest, dass die Christsozialen zum Jahresende ihr zwar sehr zentral in München gelegenes, aber in die Jahre gekommenes Franz-Josef-Strauß-Haus aufgeben. Ihre neue Parteizentrale liegt weit außerhalb der Innenstadt in Zukunft im Münchner Norden in einem Hochhaus-Ensemble.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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