CSU
Dorothee Bär: Die Politmanagerin

Mit 14 gründet sie einen Ortsverein, mit 24 wird sie in den Bundestag gewählt und heute steht Dorothee Bär als stellvertretende Generalsekretärin der CSU schon fast in den Fußstapfen von Karl-Theodor zu Guttenberg. Das Leben der 30-Jährigen gleicht dem eines Top-Managers.

Abends kommt manchmal die große Leere. Dann wachsen bei Dorothee Bär die Zweifel und es stellen sich die großen Fragen des Lebens: Warum das alles? Macht das Sinn? Will ich mich damit belasten? Die CSU-Bundestagsabgeordnete hat diese Fragen bisher für sich immer mit einem eindeutigen Ja beantwortet. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

Gerade heute hat sie wieder so einen Tag hinter sich. Sie lässt sich in ihren Sessel fallen, die dunklen Haare strähnen ins Gesicht. Ihr Lächeln ist ausgeknipst. Im Bundestag hat sie zu Kinderpornografie im Internet diskutieren müssen. Ein Thema, das selbst abgebrühte Politprofis an ihre Grenzen führt. "Ich war direkt danach auch körperlich angegriffen", seufzt Bär. Es ist einer jener Tage, an denen sie sich an einen Rat ihres Vaters erinnert. Es gebe, pflegt der zu sagen, nur zwei Möglichkeiten: die Politik an den Nagel hängen oder sich ein dickes Fell zulegen. Seine Tochter hat sich für Letzteres entschieden. Mit Erfolg. Bär ist die Polit-Veteranin unter den jungen Kräften in der Hauptstadt.

Es gibt viele Möglichkeiten, in der Politik Karriere zu machen. Man kann sich in ein Fachgebiet hineinklamüsern und sich so unverzichtbar machen; man kann als großer Redner auffallen und besonders medienkompatibel sein. Oder man kann mit der Akribie einer Wühlmaus Ämter klauben, Entscheider kennenlernen, Netzwerke knüpfen. Dorothee Bär hat sich für Letzteres entschieden. Ihre Karriere ist ein Sieg des gut geführten Adressbuchs.

Es gibt kaum jemanden im weiten Kreis der CSU-Granden, mit denen Bär nicht per Du ist oder der die junge Unterfränkin nicht kennt. 16 Jahre Politik hat sie schon voll und insgesamt 25 Ämter besetzt die 30-Jährige zurzeit. Auf ihrer Visitenkarte ist unter dem Bundesadler vor lauter Funktionen kaum noch weiße Fläche. Sie ist in jungen Jahren ganz schön weit vorangekommen. Und das in einer Partei, die Alter lange gern mit Kompetenz verwechselt hat.

Wie weit sie es tatsächlich geschafft hat, das lässt sich an jedem Mittwochmorgen einer Sitzungswoche im Saal 2 800 im Paul-Löbe-Haus sehen. Bevor sich die dunkel beholzten Türen für die Öffentlichkeit schließen, eilen grau melierte Anzugträger in den Sitzungssaal. Der Auswärtige Ausschuss, der sich dort in nicht-öffentlicher Sitzung trifft, ist das Sammelbecken für die großen alten Damen und Herren der Politik. Nicht der Parlamentskindergarten. Nur wenige Jungpolitiker sind dabei und lauschen andächtig, wenn die alten Frontleute die Welt erklären. Ausgerechnet dort spricht Dorothee Bär seit Anfang des Jahres für ihre Fraktion. Ein Jungspund als Aushängeschild der Konservativen im wohl konservativsten Ausschuss unter der mächtigen Glaskuppel. "Wichtig ist ja nicht das Alter, sondern die Leistung", sagt Bär und rollt das R, wie man das in ihrer fränkischen Heimat so macht.

Bär strahlt in der Regel eine Ruhe aus, die angesichts ihres dicht gedrängten Alltags nicht selbstverständlich ist. Fraktionsarbeitsgruppen, Ausschüsse, Plenum, Wahlkreisarbeit, Parteigremien. Und irgendwann warten auch noch die zweieinhalbjährige Tochter und der Mann. Auf Fragen kommen binnen Sekunden dennoch konzentrierte und druckreife Antworten. Auch wenn das dauersummende Handy, das stets in Reichweite liegt, von weiterem Gesprächsbedarf kündet. Und wenn es nur ein Kommunalpolitiker ist, der von der Vorstandssitzung des Kreisverbands Irgendwo am Vorabend berichten möchte.

Dorothee Bär führt ein Leben zwischen Aufsässigen in Afghanistan und Bergbauern in Bayern. Und manchmal fragt sie sich, ob es in Wirklichkeit nicht Aufsässige in Bayern und Bergbauern in Afghanistan sind. Sie ist 30 Jahre jung und lebt im Rhythmus eines Top-Managers - nur, dass sie ein Bruchteil eines solchen Gehaltes kassiert und es bei ihr oft um das große Ganze geht. Um Gewissensentscheidungen, um das richtige Ermessen, den gut gewählten Ton.

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