0 Bewertungen
10.09.2007 
Verankerung des Betreuungsgeldes

CSU droht mit Krippenblockade

von Peter Thelen

Die CSU will in dieser Woche eine Verankerung des Betreuungsgeldes für Eltern erzwingen, die auf einen Kitaplatz ihrer Kinder verzichten. Sollte das Vorhaben der CSU scheitern, will sie den Ausbau von Krippenplätzen blockieren. Die SPD brandmarkte den Vorstoß der CSU als Herdprämie und hofft auf ein Machtwort der Kanzlerin.

CSU lockt Eltern mit Betreuungsgeld. Foto: ap.Lupe

CSU lockt Eltern mit Betreuungsgeld. Foto: ap.

BERLIN. „Entweder gibt es das Betreuungsgeld, oder es wird auch nichts mit dem Krippenausbau“, sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer dem „Tagesspiegel“. Am Dienstag will die CSU in der Unionsfraktion einen entsprechenden Vorschlag einbringen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns dabei die Mehrheit der CDU-Vertreter in der Fraktion unterstützt,“ sagte CSU-Familienexperte Johannes Singhammer dem Handelsblatt. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bekräftigte jedoch den Plan, erst später über das Betreuungsgeld zu entscheiden.

SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die „unselige Debatte“ durch ein Machtwort zu beenden. Sie besteht darauf, dass es beim Formulierungsvorschlag des Bundeskabinetts vom vergangenen Mittwoch bleibt. Danach soll zwar ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab 2013 bereits jetzt gesetzlich verankert werden. Zum Betreuungsgeld heißt es dagegen in der Gesetzesbegründung, dass es ab 2013 für Eltern, die auf einen Krippenplatz verzichten, einen finanziellen Ausgleich geben soll. Eine gesetzliche Festlegung, dies hatte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) betont, sei daher erst 2012 erforderlich.

Das ist der CSU zu unverbindlich. „Genau so wie der Rechtsanspruch muss auch das Betreuungsgeld schon jetzt in einem eigenen Paragraphen ins Gesetz geschrieben werden,“ so Singhammer. Er verweist auf einen Gesetzesvorschlag Bayerns. Danach sollen Eltern, die auf staatlich subventionierte Kinderbetreuung verzichten, 150 Euro pro Monat im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes erhalten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält ein Betreuungsgeld in dieser Höhe für nicht finanzierbar. Nach seinen Berechnungen würde es den Bund rund 2,7 Mrd.Euro im Jahr kosten. „Das Geld ist da,“ kontert die CSU. Singhammer verweist auf Berechungen des Jugendinstituts, denen zu Folge Bund und Länder wegen der sinkenden Kinderzahlen zwischen 2007 und 2010 allein bei der vorschulischen Betreuung 3,6 Mrd. Euro einsparen werden. Außerdem sänken demographiebedingt die Ausgaben für das Kindergeld. „Dieses Geld muss den Familien weiter zur Verfügung stehen und darf nicht einfach für die Haushaltskonsolidierung eingesetzt werden.“ Über die Höhe der Summe könne man aber noch reden, fügte Singhammer an. So sei es denkbar, das Betreuungsgeld statt für zwei nur für ein Jahr nach dem Auslaufen des Elterngelds zu zahlen.

Auch das Argument der SPD, dass das Betreuungsgeld gerade bei Familien in prekären sozialen Verhältnissen falsche Anreize setzt, auf die für diese Kinder besonders wichtige Förderung durch Tagesmütter und Kinderkrippen zu verzichten, um ihre Einkommen zu erhöhen, lässt er nicht gelten. „Mir hat bislang niemand erklären könne, warum das Betreuungsgeld in dieser Hinsicht schädlich sein soll, der von der SPD propagierte Kinderzuschlag von 140 Euro aber nicht.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Betreuungsangebot in Deutschland fehlt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar