CSU gegen Merkel
Seehofer wirft nur den ersten Stein

Der CSU-Affront hat gezeigt: Kanzlerin Merkel muss dringend Konzepte zur Flüchtlingsfrage liefern. Doch ihr läuft die Zeit davon. Der Tag der vielleicht desaströsen, womöglich finalen Abrechnung ist nah. Ein Kommentar.
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Der Streit in der Union zwischen den beiden Schwesterparteien über die richtige Richtung in vielen politischen Fragen schwelt seit langem, doch nach Seehofers brüskierenden Attacken gegen die Bundeskanzlerin wird er virulent. Dabei ist es kein Wunder, dass er sich ausgerechnet an der Flüchtlingsfrage entzündet. Sie rührt an der Identität dieser konservativen Vereinigung.

Jahrzehntelang hatte sich die Union nicht nur gegen die Bereitschaft gestemmt, Asylbewerber großzügig aufzunehmen und damit sowohl den humanitären Verpflichtungen aus dem Grundgesetz wie auch der Genfer Konvention Genüge zu leisten. Stets schallte es aus der Union: Deutschland ist kein Einwanderungsland!

Selbst so politisch kluge Köpfe wie der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch hatten ihre liebe Mühe mit den „Fremden“. Sogar die frühzeitigen Apelle aus der Wirtschaft, Deutschland brauche dringend (Fach-)Kräfte von Außen, da das Land selber nicht genügend hervorbringe, zerschellten an einer beinharten Abwehrhaltung und an einer politischen Klaustrophobie, die In Europa ihresgleichen suchte: Selbst die Aussicht auf großen Eigennutz durch vermehrte Migration nach Deutschland weichte die ausländerfeindlichen Gemüter nicht auf. Stattdessen bestritten viele Unionspolitiker erfolgreiche Wahlkämpfe mit offenen Ressentiments gegen Zuwanderung, vorzugsweise auf Landesebene.

Genau deshalb sind die im Frühjahr anstehenden Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, wie auch die Landtagswahl im September in Mecklenburg-Vorpommern, jener explosive Stoff, aus dem verzagte Unionspolitiker politische Streubomben basteln. In kaum mehr als drei Monaten geht es ums sehr viel Macht, sehr viele Posten, politische und materielle Aufträge und natürlich auch um die erbitterte Auseinandersetzung mit dem neuen Konkurrenten AfD.

Beides zusammen: die notorische Zurückhaltung der Union bei einer Öffnung Deutschlands gegenüber Fremden wie auch die zukunftsweisenden Landtagswahlen, bei denen es für sehr viele Abgeordnete um alles oder nichts geht und den Landesverbänden um die Macht im föderalen Getriebe der Republik, gestalten die Auseinandersetzungen in der Union explosiv.

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Das wird nicht ohne Folgen für Merkel

Kommentare zu " CSU gegen Merkel: Seehofer wirft nur den ersten Stein"

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  • Lieber Herr Günther Meier!
    Sie wollen also gar nicht zurück zum Jahr 1999 oder 1988. Wollen sie lieber 80 Jahre zurück? Wie sollte denn die NPAfD die deutsche Verfassung ändern, wenn sie über 60 Prozent der Wähler bekommt? Was glauben Sie, wird dann wie vorher sein? Glauben sie wirklich Sie können die Zeit zurück drehen und Tote auferstehen lassen? Versuchen Sie doch gebratenes Rührei wieder in flüssiges Eiweiß und Eigelb zu trennen. Viel Erfolg!

  • Sicherheit und das Nötigste zum Überleben kann man nicht nur in D. Und wenn es so weiter geht mit den "Flüchtlingen" dürfte es auch in D mit der Sicherheit vorbei sein. Für beide Seiten.

    Hübscher Name. Klingt besser wie Albers.

  • "->Seehofer wirft nur den ersten Stein<-
    Da sieht man welche Blüten die Islamisierung bringt: "

    Sie sind ja ein echter Experte in Sachen Religion.
    Das Zitat " Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. " stammt übrigens nach dem Evangelium von Jesus. Seehofer sollte das eigentlich kennen.

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