CSU-Generalsekretärsposten
Karrieregerüchte aus Unterfranken

Die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär wird als künftige CSU-Generalsekretärin gehandelt – wenn auch offenbar einzig und allein von ihr selbst. Wer die inneren Gesetzmäßigkeiten der CSU kennt, der kommt bei der Personalie schnell ins Grübeln.

BERLIN. Es sei eine große Ehre, so lässt sich Dorothee Bär am Montag zitieren, für die eigene Partei an herausragender Stelle arbeiten zu dürfen. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Und Anlass, über herausragende Parteiämter zu sinnieren, offenbar auch – denn nach dem jüngsten Gerücht soll die 29-jährige Bundestagsabgeordnete demnächst zur Generalsekretärin aufsteigen. Das Amt vergibt in der CSU der Parteivorsitzende nach eigenem Gutdünken. Der wird Ende des Monats neu gewählt. Und glaubt man Dorothee Bär, so ist sie bereits von beiden möglichen Anwärtern, Erwin Huber und Horst Seehofer, gefragt worden, ob sie will.

Ob sie will? Natürlich will sie, wo es doch eine so große Ehre ist. Nur, dass tatsächlich der Favorit Erwin Huber ausgerechnet sie als seine Nummer zwei auserkoren hat, das wird in Hubers engstem Umfeld heftig bezweifelt. Huber selbst dementiert: „Bisher wurde niemand ein Angebot gemacht“, ließ er verbreiten.

Wer die inneren Gesetzmäßigkeiten der CSU kennt, der kommt bei der Personalie schnell ins Grübeln. Die junge Mutter einer 13 Monate alten Tochter kommt nämlich aus Unterfranken. Damit ist die Frage nach ihrer Eignung zur Generalsekretärin eigentlich erschöpfend beantwortet: Denn ein Parteivorsitzender Huber, selbst Niederbayer, könnte bei der Besetzung des Postens kaum am Bezirksverband Oberbayern vorbei.

Die Oberbayern verlangen nach Kompensation, da sie mit den beiden Demnächst-Rentnern Edmund Stoiber und Landtagspräsident Alois Glück ihre zwei zugkräftigsten Namen verlieren. Und weil sie zahlen- und traditionsmäßig die mit Abstand stärksten Truppen stellen, verstehen sie es, ihrem Wunsch nach Repräsentation auch Gehör zu verschaffen. Wobei es sich nicht allein um den Regionalproporz der Eitelkeit handelt: In Oberbayern wohnen sehr viele Wähler, und wenn die auf der Landtagswahlliste lauter unbekannte Namen finden, dann ist das äußerst misslich für den Erfolg der CSU. Dann könnte die absolute Mehrheit wackeln. Und mit ihr die Existenz der Volkspartei CSU.

Wenn Horst Seehofer Parteichef wird, dann wäre das Oberbayern-Problem immerhin gelöst: Oberbayer ist Seehofer selber. Dorothee Bär wäre dennoch eine äußerst seltsame Wahl: Sitzt der Parteichef in Berlin, dann braucht er jemand, der das Ohr an der Landtagsfraktion in München hat.

Und für Huber und Seehofer gleichermaßen gilt, dass sie bis 2009 vier Wahlkämpfe zu bestreiten haben. Immerhin geht es um nichts Geringeres als das Überleben, weshalb das frische Gesicht der Frau Bär ihren eklatanten Mangel an Wahlkampferfahrung wohl nur begrenzt kompensieren könnte.

Wer dann? Die Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner dürfte bei Huber die besten Aussichten haben: Sie ist als Ex-Landtagsabgeordnete gut verdrahtet, vorzeigbar und vor allem Oberbayerin. Das gilt auch für die Landtagsabgeordnete Christine Haderthauer, die sich der Förderung durch den jetzigen Generalsekretär Markus Söder erfreut. Oder aber Söder bleibt. Der will zwar gern ins Kabinett, aber viele zweifeln, ob die Partei auf seine Wahlkampferfahrung verzichten sollte. Aber: Söder ist eben Nürnberger.

Horst Seehofer hat übrigens inzwischen dementiert, Bär je gefragt zu haben. „Erst muss ein Parteivorsitzender gewählt sein, dann kann er Positionen anbieten“, sagte Seehofer am Dienstag

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