14 Bewertungen ****
08.10.2008 
Bayern

CSU: Bayerns Generation 50 minus x

von Peter Müller

Heute kürt die CSU-Landtagsfraktion Horst Seehofer zum neuen Ministerpräsidenten in Bayern. Mit ihm an der Spitze will die Partei zu alter Stärke zurückfinden. Doch die Zukunft der CSU liegt längst in ihrer Riege der 30- und 40-Jährigen. Bei Seehofers Krönung mischten sie zum ersten Mal richtig mit - und sie fordern einen Preis.

Horst Seehofer wird neuer Ministerpräsident in Bayern. Foto: dpaLupe

Horst Seehofer wird neuer Ministerpräsident in Bayern. Foto: dpa

MÜNCHEN/BERLIN. Der Weg Horst Seehofers zum neuen Ministerpräsidenten Bayerns führt auch über diese malerische Terrasse im kleinen Weiler Wildenberg. Manfred Weber rückt das Sitzpolster zurecht und lässt den Blick schweifen. Vom exakt gemähten Rasen vor dem schmucken Haus über die Wiese hin zum nahe gelegenen Dorfkern. Stadel sind dort zu sehen, Bauernhäuser, linkerhand auf dem Hügel das Schloss. Hier ist er zur Grundschule gegangen und spielte Gitarre in einer Band. Vor vier Jahren hat Weber in Wildenberg gebaut, hier lebt der 36-Jährige mit seiner Frau, an einem Ort, der ziemlich direkt an der Autobahn nach Regensburg liegt, und der doch aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.

Hier telefoniert Weber mit Horst Seehofer, manchmal mehrmals täglich. An diesem beschaulichen Ort gibt er den Interviews den letzten Schliff, mit denen er Seehofer in der Regionalzeitung den Rücken stärkt. Dass davon nun auch die Nachrichtenagenturen im ganzen Land berichten, ist allerdings doch noch etwas ungewohnt.

Manfred Weber ist CSU-Politiker, Abgeordneter im Europaparlament und Bezirksvorstand in Niederbayern. Er ist noch keiner, der an erster Stelle darüber entscheidet, wer Bayerns neuer Ministerpräsident wird. Aber Weber mischt mit. Auf dieser Terrasse in Wildenberg sitzt ein Stück Zukunft der CSU. Verwurzelt in Bayern, aber doch weltoffen. "Die Europawahl im kommenden Juni muss zum Aufbruch für die ganze Partei führen", sagt er markig.

Wer die Hoffnungsträger der CSU sind

Wenn heute die CSU-Landtagsfraktion in München Seehofer zum neuen Ministerpräsidenten krönt, hoffen christsoziale Politiker wie Manfred Weber auf ein Aufbruchsignal für die Europa- und Bundestagswahlen nächstes Jahr - und darüber hinaus. Doch der kurze Machtkampf um die Nachfolge Günther Becksteins hat offenbart, wie wenig geeignetes Personal die CSU im Moment für Spitzenjobs hat.

Innenminister Joachim Herrmann ist der Einzige in der Riege der Anfang 50-Jährigen, der als Ministerpräsident, also für das "schönste Amt der Welt" (Franz Josef Strauß), halbwegs Statur hat. Sowohl der künftige Partei- und Regierungschef Seehofer und sein Konkurrent Thomas Goppel, der gestern ebenso wie Herrmann aufgab, sind schon Ende 50 oder Anfang 60.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar