CSU Gremien wollen am Donnerstag über Seehofers Zukunft sprechen

Bei der Bundestagswahl fuhr die CSU ein so schlechtes Ergebnis ein wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Parteichef Seehofer ist seitdem angeschlagen. Mögliche Nachfolger bringen sich schon in Stellung.
1 Kommentar
Seit der Bundestagswahl ist eine Debatte um die Zukunft des Parteichefs entbrannt. Quelle: dpa
Horst Seehofer

Seit der Bundestagswahl ist eine Debatte um die Zukunft des Parteichefs entbrannt.

(Foto: dpa)

MünchenIn der Debatte über die Zukunft von CSU-Chef Horst Seehofer wollen zwei der einflussreichsten Parteigremien in dieser Woche eine Klärung herbeiführen. Nach dem Scheitern der Koalitionssondierungen in Berlin wolle Seehofer am Donnerstag in München vor der Landtagsfraktion und danach vor dem Parteivorstand sprechen, erklärten Sprecher beider Gremien am Montag. In CSU-Kreisen hieß es, die Geduld vieler in Partei und Fraktion gehe allmählich zur Neige, und sie drängten auf eine rasche Entscheidung. Es sei aber völlig offen, ob Seehofer am Donnerstag bereits selbst Vorstellungen über den künftigen Parteivorsitz und die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im kommenden Jahr äußern oder sich noch Zeit für interne Gespräche erbitten werde.

Bisher beansprucht der bayerische Ministerpräsident beide Positionen für sich. Nach den Verlusten bei der Bundestagswahl wurde jedoch wiederholt der Ruf nach einer Ablösung Seehofers laut. Die Partei bangt um ihre absolute Mehrheit im Freistaat, nachdem sie bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent ihr schwächstes Ergebnis seit Jahrzehnten einfuhr. Die Zeit drängt: Mitte Dezember steht turnusmäßig die Neuwahl des CSU-Vorstands an. Auf dem Parteitag in Nürnberg sollen die Weichen für die Landtagswahl im kommenden Herbst gestellt werden.

Seehofer hatte sich während der Koalitionssondierungen öffentliche Personaldebatten verbeten, da sie die CSU schwächten. Die Diskussion war von Anhängern des Seehofer-Rivalen Markus Söder befeuert worden. Neben dem bayerischen Finanzminister, gegen den Seehofer eine innige Abneigung hegt, sind auch mehrere Gefolgsleute Seehofers im Gespräch für dessen politisches Erbe: Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Innenminister Joachim Herrmann, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und der Europa-Abgeordnete Manfred Weber.

Wer muss um seine politische Zukunft bangen?
Politische Zukunft offen
1 von 9

Das überraschende Scheitern der Jamaika-Gespräche stürzt nicht nur die Bundesrepublik in eine ungewisse Zukunft, sondern auch viele beteiligte Politiker. Wer muss um seinen Posten bangen, wer Karriereträume begraben? Eine Übersicht. (Quelle: dpa)

Angela Merkel
2 von 9

Die Kanzlerin und CDU-Chefin steht unter Druck. Erst hat die Union das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949 eingefahren, jetzt ist Merkel mit der Regierungsbildung vorerst gescheitert. Neuwahlen will sie vermeiden, auch aus Furcht vor einem Erstarken der rechtsnationalen AfD. Ob die Debatte über einen Generationenwechsel und eine konservativere Ausrichtung der CDU neu entflammt, ist noch nicht ausgemacht.

Christian Lindner
3 von 9

Der FDP-Chef hat seiner Partei bei der Wahl am 24. September ein grandioses Comeback verschafft. Mit der Möglichkeit einer Jamaika-Koalition hatte er die Aussicht, Vizekanzler und Finanzminister zu werden. Doch dann beschloss er das Aus der Sondierungen. Nun muss er der Basis erklären, weshalb er diese Chance hat verstreichen lassen. Keine ganz einfache Aufgabe.

Wolfgang Kubicki
4 von 9

Der FDP-Vize hatte es in Schleswig-Holstein geschafft, zusammen mit CDU und Grünen ein Jamaika-Bündnis zu schmieden. Seine Erfahrung ließ sich aber auf den Bund nicht übertragen. „In Berlin funktioniert es anders“, musste er einräumen. Nun will er in der Opposition versuchen, die FDP möglichst schlagkräftig zu machen.

Cem Özdemir
5 von 9

Galt gesetzt als Minister – Außen oder Wirtschaft waren im Gespräch. Der Grünen-Chef hat schon angekündigt, dass er für die Parteispitze nicht mehr kandiert. Sollten die Grünen nicht doch noch an die Regierung kommen, etwa nach Neuwahlen, müsste Özdemir wohl als einfacher Abgeordneter weitermachen.

Katrin Göring-Eckardt
6 von 9

Auch die Bundestags-Fraktionschefin wäre wohl Ministerin geworden, vielleicht hätte sie ein soziales Ressort übernommen. Göring-Eckardts Ansehen ist zuletzt bei vielen Grünen gewachsen. Möglich, dass sie als Vorsitzende der Fraktion bestätigt wird, auch wenn manche sich neue Gesichter wünschen.

Jürgen Trittin
7 von 9

Seit 2013 war der frühere Minister, Fraktionschef und Spitzenkandidat nur noch Abgeordneter. In den Sondierungen erlebte der einflussreiche Parteilinke ein Comeback. Dass er wieder ein wichtiges Amt bekommt, halten trotzdem viele bei den Grünen für unwahrscheinlich – jetzt sei eine neue Generation dran.

Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer, der zu Seehofers Unterstützern gezählt wird, heizte am Montag die Diskussion an. Er halte Söder für einen „hervorragenden Politiker“, der für jedes Amt infrage komme und es gut machen würde, sagte Kreuzer im Deutschlandfunk. Und Dobrindt habe in den Sondierungen Weitsicht und Durchhaltevermögen gezeigt. „Ich glaube, dass er ein guter CSU-Vorsitzender wäre“, ergänzte er. Söder genießt traditionell großen Rückhalt in der Landtagsfraktion, Dobrindt bei den CSU-Bundestagsabgeordneten.

Seehofers enger Vertrauter Herrmann mahnte die Partei erneut zur Geschlossenheit. „Die Wortwahl einiger Parteifreunde in den letzten Wochen war sicherlich nicht förderlich. Wir müssen zusammenstehen“, sagte das CSU-Vorstandsmitglied. Einige in der Partei erwarten, dass Seehofer am Donnerstag mit Söder und dessen Getreuen abrechnet. Die unsichere Lage in Berlin stärke Seehofer tendenziell, hieß es in Vorstandskreisen. In diese Kerbe schlug auch Generalsekretär Andreas Scheuer. „Er ist ein sehr sehr starker Verhandlungsführer“, sagte Scheuer der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstagausgabe).

Am Wochenende hatte es Kritik vor allem aus dem Söder-Lager an einem Vorschlag von Wirtschaftsministerin Aigner gegeben. Sie hatte Parteikreisen zufolge in internen Gesprächen für eine Urwahl des Spitzenkandidaten durch die Parteibasis plädiert. Bei so einem Verfahren könnte Aigner sich selbst gute Chancen ausrechnen, da sie den weitaus größten Parteibezirk Oberbayern führt.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: CSU - Gremien wollen am Donnerstag über Seehofers Zukunft sprechen

1 Kommentar zu "CSU: Gremien wollen am Donnerstag über Seehofers Zukunft sprechen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Inzwischen scheint ein Tiefststand politischer Kultur erreicht zu sein. Die öffentlichen Attacken der Jungen Union Bayern und von Ludwig Spaenle auf den bayerischen Ministerpräsidenten und seine Vertreterin lassen fast schon jenes Mindestmaß an politischem Anstand missen, das bislang auch härteste Auseinandersetzungen geprägt hat.
    Die CSU-Landtagsfraktion wird wohl die Weichen für den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl stellen. Alles scheint auf Markus Söder hinauszulaufen. Aber doch nur, wenn es keinen Aufstand gegen ihn gibt. Einen Aufstand der Menschen etwa, die Horst Seehofer den Respekt zollen, den er verdient hat. Beispielsweise auch dafür, dass er zuletzt wie ein Löwe in Berlin für bayerische Interessen gekämpft hat, während man ihm zuhause brutal in den Rücken gefallen ist. Oder einen Aufstand der Menschen, die einen wirklichen Neuanfang wollen. Etwa mit Manfred Weber. Oder einen Aufstand der Parteibasis, die angesichts der Dimension des Vertrauensverlustes als Folge des Machtkampfes die Entscheidung selbst in die Hand nehmen möchte.
    Einer Frage aber werden sich Landtagsfraktion und Parteibasis vor allem stellen müssen: Wie werden die Wähler auf einen menschlich und politisch respektlosen Umgang der CSU mit ihrem Vorsitzenden und dem bayerischen Ministerpräsidenten reagieren? Die Bevölkerung in Bayern kann, anders als zum Teil andernorts, das Wort Anstand noch bestens buchstabieren!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%