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13.07.2008 
Schelte aus Bayern für die Regierung

CSU grenzt sich von Schwesterpartei CDU ab

Zweieinhalb Monate vor der bayerischen Landtagswahl grenzt sich die CSU demonstrativ von ihrer Schwesterpartei CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. Vor allem CSU-Chef Erwin Huber holt aus: Merkel könne nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr nur mit der CSU Kanzlerin bleiben.

Laut CSU-Chef Erwin Huber wäre Merkel ohne CSU nicht Kanzlerin. Foto: dpaLupe

Laut CSU-Chef Erwin Huber wäre Merkel ohne CSU nicht Kanzlerin. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Die entscheidenden Punkte bei der Wahl am 28. September müsse die CSU selbst holen, sagte Ministerpräsident Günther Beckstein am Wochenende. Die Menschen seien mit der Großen Koalition unzufrieden, weshalb zu befürchten sei, dass sie nicht zur Wahl gingen.

Kurz vor dem am Freitag in Nürnberg beginnenden CSU-Wahlparteitag, zu dem auch die CDU-Vorsitzende Merkel erwartet wird, attackierte Beckstein in der „Welt am Sonntag“ erneut deren Weigerung, die CSU-Forderung nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale zu erfüllen. Die Kanzlerin habe bei der Pendlerpauschale „eine Entscheidung getroffen, die wir für falsch halten“.

Angesichts der am 10. September bevorstehenden Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über die Pendlerpauschale sagte Beckstein, er habe es nie als Zeichen „extremer politischer Stärke angesehen, sich erst vom Bundesverfassungsgericht verurteilen zu lassen“. Merkel selbst schloss in der „Bild am Sonntag“ erneut weitere Steuerentlastungen aus.

Beckstein sagte, er freue sich darüber, dass Merkel im Landtagswahlkampf auftrete. „Aber ich sage in aller Klarheit, dass wir die entscheidenden Punkte selbst holen müssen.“ Die Menschen seien sehr skeptisch hinsichtlich der Großen Koalition. Die Mobilisierung der Anhängerschaft sei deshalb die größte Aufgabe. Umfragen zufolge kommt die CSU bei der Landtagswahl auf 50 Prozent und könnte damit ihre absolute Mehrheit behaupten.

CSU-Chef Erwin Huber betonte in der selben Zeitung, Merkel könne nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr nur mit der CSU Kanzlerin bleiben. „Ohne das starke Ergebnis der CSU hätte es 2005 keine Kanzlerin Merkel gegeben. Das wird auch 2009 so sein“, sagte Huber.

Nach Ansicht des CSU-Vorsitzenden beschränken sich die inhaltlichen Differenzen auf die Pendlerpauschale. Das gelte auch für Beckstein, der Merkel bereits in der Vergangenheit scharf kritisiert hatte: „Beckstein hat gesagt, er schätzt die Kanzlerin sehr. Inhaltlich gibt es bei der Pendlerpauschale einen Meinungsunterschied. Aber alle Unions-Kanzler von Adenauer bis Merkel haben immer die Eigenständigkeit der CSU respektiert und wissen, dass eine erfolgreiche Union eine starke CSU braucht.“

Der bayerische Europaminister Markus Söder zeigte sich überzeugt davon, dass sich die CSU bei der Pendlerpauschale durchsetzen werde. Die Bevölkerung brauche angesichts der enorm gestiegenen Benzin- und Dieselpreise schnell eine finanzielle Entlastung, sagte der CSU-Politiker der „Rheinpfalz am Sonntag“.

Das werde auch für das zu erwartende Urteil des Bundesverfassungsgericht entscheidend sein. „Bayern wird in Karlsruhe Recht bekommen“, sagte Söder.

Auf die Frage, ob wegen der Auseinandersetzung nicht das Verhältnis zu Merkel leide, antwortete der CSU-Politiker, dass sich mit der Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale vor allem das Verhältnis zu den Bürgern verbessere: „Und das kann der Union nur gut tun.“

Die CSU steht mit ihrer Forderung nicht allein: Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Franz Maget rief die Führung seiner Partei auf, sich anzuschließen. Es sei ein Fehler gewesen, die alte Pendlerpauschale abzuschaffen, sagte Maget dem „Spiegel“.

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