CSU Horst Seehofers Rückzug auf Raten

Allzu lange wird Horst Seehofer wohl nicht mehr CSU-Chef und Ministerpräsident bleiben können. Doch er profitiert vom Jamaika-Aus – denn jetzt ist vor allem Stabilität gefragt. Sein Rückzug wird vorerst vertagt.
5 Kommentare

„An dieser Lösung will ich entscheidend mitwirken“

„An dieser Lösung will ich entscheidend mitwirken“

Es sollte der D-Day sein, dieser Donnerstag. CSU-Chef Horst Seehofer wollte erklären, wie es weitergeht mit ihm und seiner Partei. Am Mittag traf sich Seehofer mit der Landtagsfraktion, am Abend dann mit dem Parteivorstand. Wie stark es politisch in Bayern flirrte angesichts der erwarteten Nachricht zeigte sich bereits am Mittag: Der Bayerische Rundfunk, einst Arbeitgeber des heutigen Finanzministers Markus Söder, hatte am Mittag verkündet, ebendieser Söder werde neuer Ministerpräsident. Amtsinhaber Seehofer werde kapitulieren und seinem Widersacher das Amt überlassen.

Die Meldung platzte mitten in die Sitzung der CSU-Landtagsfraktion. Sie ist die Machtbasis, dort soll Söder inzwischen zwei Drittel der Abgeordneten hinter sich haben. Hier grummelt es laut, wenn etwas schiefläuft. Seehofer war zu Besuch, um über die verpatzten Sondierungsgespräche in Berlin zu berichten. Eilig dementierte die CSU die Rücktrittsmeldung. Auch der Chef der Landtagsfraktion, Thomas Kreuzer, nahm schnell Dampf aus dem Kessel. Die CSU-Spitze wolle erst Anfang Dezember über ihre künftige personelle Neuaufstellung entscheiden, berichtete er. Über Namen und Personen sei in der Sitzung nicht gesprochen werden. Ob die Ämter des Parteichefs und des Ministerpräsidenten getrennt werden, blieb unklar. „Horst Seehofer hat die Entscheidung völlig offen gelassen. Er hat überhaupt nichts favorisiert“, sagte Kreuzer nach der Sitzung.

Der Druck auf ihn ist groß. Im Moment profitiert er vom Scheitern der Jamaika-Verhandlungen. Quelle: dpa
Horst Seehofer

Der Druck auf ihn ist groß. Im Moment profitiert er vom Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

(Foto: dpa)

Im April hatte Seehofer angekündigt, seine Spitzenposten über 2018 hinaus weiterführen zu wollen. Seit der CSU-Pleite bei der Bundestagswahl gilt dies nun als unwahrscheinlich. Mit dem Ende der Jamaika-Verhandlungen ist aber auch in der CSU wieder alles anders. Es gibt viel Lob für Seehofer wie auch für CDU-Chefin Angela Merkel. Zu heikel ist die Lage in Berlin, um auf erfahrene Kräfte zu verzichten und mit Harakiri an die Macht zu stürmen. Das gilt auch im Falle der CSU.

Vor acht Wochen noch drohte der 68-Jährige über Nacht Teil des CSU-Geschichtsbuches zu werden. Seit dem Abend des 24. September musste sich Seehofer Rücktrittsforderungen erwehren. Es äußerten sich die alten Granden wie Erwin Huber, was in der CSU etwas zählt; es erhöhten nicht nur die Franken mit ihrer Gallionsfigur Söder den Druck, sondern vor allem auch andere mächtige Bezirksverbände, die eine personelle Erneuerung und Konsequenzen einforderten, um bei der Landtagswahl im Herbst 2018 nicht wieder mit nur 38,8 Prozent der Stimmen abzuschneiden wie bei der Bundestagswahl.

Zuletzt forderte die Jugendorganisation offen den Rückzug Seehofers und forderte Söder als Ministerpräsident. Ordnung war in dem Prozess keinesfalls garantiert. Neun Jahre und eine völlig verpatze Europa-, aber vor allem eine Bundestagswahl später schüttelt es ihn auf seinem Stuhl durch, wie lange nicht. „So geht man nicht miteinander um“, heißt es in der CSU. Seehofer selbst wollte am Donnerstag vor der Fraktion und dem Parteivorstand „auch etwas zu den zerstörerischen Abläufen der vergangenen Wochen sagen“.

Wie beim FC Bayern hat es auch der Trainer der CSU schwer, wenn es trotz Platz eins nicht rund läuft – nur mit dem finsteren Unterschied, dass sich in der CSU immer mindestens einer aus dem Team für den besseren Trainer hält. Die CSU jedenfalls definiert sich als Partei für Bayern mit bundes- und europapolitischem Anspruch. Diesen Anspruch kann sie nur rechtfertigen, wenn sie dauerhaft mit absoluter Mehrheit regiert. So wie es lange bis 2008 der Fall war. Und wie es seit 2013 der Fall ist, da Seehofer die CSU wieder in diesen Zustand versetzt hat. Und so soll es auch in Zukunft bleiben. Mit ihm oder ohne ihn. Hauptsache, es gelingt.

Gnadenfrist für Seehofer
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5 Kommentare zu "CSU: Horst Seehofers Rückzug auf Raten"

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  • In der CSU übt man gerade gegenüber einem Großartigen, Charaktervollen Horst Seehofer das politischen Dolch stoßen , was eine Schande ist !

    Und die Medien unterstützen das ganze teilweise mit !

    DABEI IST HORST SEEHOFER DER BESTER BUNDESKANZLER KANDIDAT !!!!!

  • Herr SÖDER darf NIEMALS IN DER CSU GROSS WERDEN !

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • CSU
    Horst Seehofers Rückzug auf Raten
    von:
    Daniel Delhaes
    Datum:
    23.11.2017 20:15 Uhr

    ........

    VON RÜCKTRITT WAR NIRGENDS DIE AUSSPRACHE !!!

    WOHER bringt HANDELSBLATT solche Erkenntnisse ???

    FAKE NEWS wie bei TRUMP ???

  • Das taktieren von Seehofer hat sich wieder gestern Abend gezeigt , am Abend ist alles klar und dann war es das wieder nicht. Das zeigt ganz deutlich das Seehofer noch nicht auf Reserve regiert ,sondern gestern sogar noch Strom ziehen konnte.

    Das bedeutet leider für Söder beide Posten MP und Parteichef werden vermutlich an andere oder anderen gehen. Der Unmut gegen Söder nachdem auch noch die CSU Jugend mit Söder zusammen provoziert haben ist
    eine Nummer zuviel. Die Chance das Söder es nicht wird zeigt sich das
    Seehofer noch da ist.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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