0 Bewertungen
05.04.2008 
Bedingungen an Ulla Schmidt

CSU könnte Gesundheitsfonds kippen

Die CSU will dem von der großen Koalition geplanten Gesundheitsfonds nur zustimmen, wenn bei seiner Umsetzung strenge Vorgaben eingehalten werden. Das teilte der CSU-Vorsitzende Huber am Samstag in Wildbad Kreuth mit. Zu den Forderungen gehört unter anderem eine Obergrenze für bayerische Zahlungen beim geplanten Finanzausgleich.

Schon im Januar 2009 soll der neue Gesundheitsfonds eingeführt werden. Foto: dpaLupe

Schon im Januar 2009 soll der neue Gesundheitsfonds eingeführt werden. Foto: dpa

HB KREUTH. Die CSU will den für Januar geplanten Gesundheitsfonds platzen lassen, wenn Bayern stärker als vorgesehen belastet wird. Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber sagte am Samstag in Wildbad Kreuth, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) habe ihren Auftrag nicht erfüllt. „Die Gesundheitsreform und den Gesundheitsfonds kann es nicht auf Kosten Bayerns, der bayerischen Beitragszahler und der bayerischen Ärzte geben. Wir bestehen auf dem, was zugesagt und im Gesetz verabredet ist“, sagte Huber.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will den Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 starten lassen. Danach würde das Gesundheitsministerium einen einheitlichen Beitragssatz für alle Krankenkassen festlegen und den Finanzausgleich zwischen Kassen und Ländern ausweiten. Der CSU-Vorstand beschloss einstimmig und ohne Enthaltungen fünf Bedingungen, die vor einem Start des Fonds unabdingbar seien. So dürfe die Umverteilung die bayerischen Krankenkassen mit höchstens 100 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich belasten, und die Krankheitsdaten für den erweiterten Finanzausgleich zwischen den Kassen müssten rechtzeitig vorliegen.

„Sie ist im Verzug“

Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer sagte: „Ich glaube, dass die Kriterien erfüllt werden können.“ Allerdings müsse noch einiges passieren, damit das neue Modell tatsächlich zum 1. Januar starten könne. Wenn etwa die Arzthonorare sänken, würde die Versorgung der Patienten schlechter werden. Huber sagte, Schmidt habe entgegen dem Gesetzesauftrag noch keine Klarheit über die Auswirkungen der Fonds geschaffen: „Sie ist im Verzug.“ Den Versuch der SPD-Politikerin, bei der Umverteilung noch mehr Krankheiten einzubeziehen, werde die CSU in keinem Fall mittragen. Freiberufliche Ärzte könnten nicht durch Medizinzentren und Call-Center ersetzt werden.

Huber und der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein lehnen den Fonds eigentlich ab. Seehofer und der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber warnten dagegen auf der Klausur vor neuen Forderungen. Der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach sagte, der einstimmige Kompromiss sei „ein Ausstiegsszenario“ auch mit Blick auf die kommenden Wahlen. Wenn die bayerischen Beitragszahler demnächst Hunderte Millionen für Patienten in anderen Ländern zahlen müssten, „das stehen wir nie durch“.

Kritik am Fonds hatte es auch aus CDU, SPD sowie von Kassen und Ärzten gegeben. Der wissenschaftliche Beirat des Bundesversicherungsamtes (BVA) war vor einer Woche geschlossen zurückgetreten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar