CSU-Landesgruppe
Herrmann rechnet mit Stoiber ab

Der bayerische CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann hat eine grundlegende Änderung des Führungsstils von Ministerpräsident Edmund Stoiber gefordert. Bei den CSU-Bundestagsabgeordneten musste sich Stoiber in Berlin dagegen offenbar kaum Kritik anhören.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Herrmann sagte am Dienstag, die derzeitigen Probleme seien entstanden durch eine Abfolge „mehr oder minder einsamen Entscheidungen“ Stoibers. „Das kann auf Dauer so nicht gut gehen.“ Herrmann warf dem CSU-Chef ein „Hoppla-Hopp“ vor. Bisherige Gespräche mit ihm hätten „immer nur für relativ kurze Zeit“ vorgehalten.

Bei der Diskussion der CSU-Landesgruppe mit Stoiber in Berlin gab es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa dagegen keine offene Kritik am bayerischen Ministerpräsidenten. Die Diskussion mit ihm sei "konstruktiv" gewesen, sagte ein Teilnehmer. Stoiber selbst erklärte nach der Runde, die Bundestagsabgeordneten hätten seine Gründe für den Verzicht auf das Amt des Bundeswirtschaftsministers nachvollzogen.

Bereits vor der Diskussion in der Landesgruppe hatte Stoiber seine Absage an eine Mitarbeit im Kabinett Merkel erneut verteidigt. Er begründete seinen Rückzug wieder mit den plötzlichen Veränderungen an der SPD-Spitze. Durch den Rücktritt von SPD-Chef Franz Müntefering sei eine veränderte Situation entstanden. Damit werde auch die Konstellation in der Bundesregierung eine andere sein. Es mache einen Unterschied, ob Müntefering mit der Autorität eines Parteivorsitzenden als Vizekanzler und Bundesminister im Kabinett vertreten sei oder nicht.

Stoiber will nun zusammen mit den designierten CSU-Bundesministern Michael Glos und Horst Seehofer den Einfluss der CSU in der großen Koalition so gut wie möglich gestalten. Glos und Seehofer bildeten nun die Speerspitze der CSU in Berlin, sagte Stoiber.

Nach dem angekündigten Rückzug Münteferings hatte der bayerische Ministerpräsident in der vergangenen Woche auf das Amt des Bundeswirtschaftsministers verzichtet. Das hatte in der CSU zum Teil heftige Kritik an Stoiber ausgelöst. Seehofer wies darauf hin, dass Stoibers Entscheidung vom CSU-Präsidium hinter verschlossenen Türen diskutiert und akzeptiert worden sei. „Für uns ist das nachvollziehbar. Wir haben zugestimmt“, sagte Seehofer. Im übrigen seien alle Wahlerfolge der CSU in den letzten zehn Jahren auch Stoibers Erfolge. „Jetzt muss einmal Ruhe sein“, forderte Seehofer.

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