CSU mit absoluter Mehrheit
Seehofers Sieg

Bayern hat gewählt – und Horst Seehofer triumphiert. Jede zweite Stimme geht an die CSU. 102 Sitze im Landtag bedeuten die absolute Mehrheit. Die SPD landet abgeschlagen bei 20,5 Prozent. Die FDP erlebt ein Debakel.
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München/DüsseldorfDie Wahllokale sind kaum geschlossen, da ist die Wahl auch schon entschieden: Wer in Bayern auf einen spannenden Wahlabend, zumindest aber auf die eine oder andere Zitterpartie gehofft hatte, wurde enttäuscht. Zu eindeutig ist das Ergebnis dieser Landtagswahl:

  • Die CSU holt knapp 50 Prozent der Stimmen, was 101 Sitze im neuen Landtag bedeutet. Bereits 91 Sitze hätten für eine absolute Mehrheit gereicht. Der große Wahlsieger heißt Horst Seehofer. Er hat sein Ziel, die CSU wieder von Koalitionspartnern unabhängig zu machen, erreicht. „Damit ist das Jahr 2008 Geschichte. Wir sind wieder da“, sagte der alte und neue Ministerpräsident.


  • SPD und Grüne sind unter den Erwartungen geblieben. Während die Grünen dem bundesweiten Abwärtstrend Tribut zollen mussten, konnten die Sozialdemokraten immerhin ein paar Prozent hinzugewinnen. Was Spitzenkandidat Christian Ude dazu verleitete, von einer „Trendwende“ zu sprechen.

  • Die Freien Wähler ziehen sicher in den Landtag ein, schicken künftig 18 Abgeordnete ins Maximilianeum.

  • Die FDP ist der große Wahlverlierer. Eine Woche vor der Bundestagswahl scheitern die Liberalen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlkämpfer in Berlin zogen daraus postwendend Konsequenzen und kündigen eine intensive Zweitstimmenkampagne für die kommenden Tage an.

  • Chancenlos waren in Bayern auch die Linkspartei und die Piraten.

Handelsblatt Online hat im Liveblog über die Bayernwahl berichtet. Hier die Ergebnisse, ein Kommentar und alle Stimmen und Stimmungen zum Nachlesen:

+++ CSU mit der absoluten Mehrheit +++

Die CSU hat die Landtagswahl in Bayern nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 47,7 Prozent (101 Sitze im neuen Landtag) klar gewonnen. Die SPD holte 20,6 Prozent (42 Sitze). Die FDP flog mit 3,3 Prozent aus dem Landtag. Die Grünen erzielten 8,6 (18 Sitze), die Freien Wähler 9,0 Prozent (19 Sitze). Ebenfalls nicht im neuen Landtag vertreten sind die Linken (2,1 Prozent) und die Piraten (2,0 Prozent). Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖPD) kam auf 2,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag dieses Mal bei 64,1 Prozent – rund sieben Prozent mehr als vor fünf Jahren.

+++ 19:54 Uhr: SPD macht sich Mut für den Bund +++

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude sucht auch in der Niederlage nach positiven Signalen. So habe man nach vielen Jahren die „Trendwende geschafft“: Erstmals habe die Partei wieder zulegen können – angesichts der Verluste von Freien Wählern, Grünen und FDP „keine Selbstverständlichkeit“. „Das Wahlergebnis bleibt hinter unseren Erwartungen, aber es zeigt nach oben. Das ist entscheidend“, sagte Ude bei der Wahlparty seiner Partei im Bayerischen Landtag. Die Fraktion könne nun mit mehr Mandaten im Landtag ihre Arbeit machen. Die SPD habe programmatisch schon in der vergangenen Wahlperiode eine Vorreiterrolle gespielt, etwa beim Donausausbau und der Abschaffung der Studiengebühren. „Die CSU musste bei der SPD abschreiben, um auf die Höhe der Zeit zu kommen. Wir nehmen das als Kompliment.“


+++ 19:25: Pkw-Maut bleibt Seehofers Thema +++

CSU-Chef Horst Seehofer beharrt nach seinem Wahlerfolg in Bayern auf seiner Forderung nach einer bundesweiten Pkw-Maut für Ausländer. „Die Maut bleibt auf der Tagesordnung und wir werden sie in einer neuen Bundesregierung auch durchsetzen“, sagte Seehofer am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Er wolle sein Wahlversprechen halten, es gebe einen Wählerauftrag, dieses Ziel durchzusetzen. Seehofer hatte die Einführung einer Pkw-Maut für Ausländer mehrfach zur Bedingung für eine CSU-Regierungsbeteiligung in Berlin erklärt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte aber deutlich gemacht, dass es mit ihr keine Pkw-Maut geben werde. Säbelrasseln, ernsthafte Forderung oder Verhandlungsmasse für den Fall der Kabinettsbildung in Berlin? „Wir werden für den Fall, dass wir die Regierung in Berlin fortsetzen können, ganz vernünftig mit der Kanzlerin zusammenarbeiten“, betonte er zugleich.

+++ 19:01 Uhr: CSU kommt auf 101 Sitze +++

Das ZDF veröffentlicht die nächste Hochrechnung: Danach kommt die CSU auf 48,8 Prozent (bedeutet 101 Sitze), die SPD auf 20,6 Prozent (43 Sitze), die Grünen auf 8,5 Prozent (18 Sitze), die Freien Wähler auf 8,6 Prozent (18 Sitze) und die FDP auf 3,1 Prozent. Für die absolute Mehrheit reichen bereits 91 Sitze.

Wie konnte es dazu kommen? Was ist das Geheimnis von Horst Seehofer und seiner Partei? Ein Kommentar:

+++ 19:00 Uhr: FDP setzt jetzt auf Zweitstimmenkampagne +++

Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kündigt für die Bundestagswahl an: „In jedem Fall gibt es eine Zweitstimmenkampagne. Dafür ist auch das Wahlrecht im Bund da.“

+++ 18:59 Uhr: AfD bei der Wahl nicht dabei +++

Die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland spielt bei der Bayernwahl keine Rolle. Der Grund ist einfach: Die AfD ist bei der Landtagswahl nicht angetreten. Das hatte die AfD-Landesversammlung beschlossen. Gegen die Kandidatur hatte sich auch Bundessprecher Bernd Lucke ausgesprochen. Ein Misserfolg wäre womöglich als schlechtes Signal für die Bundestagswahl verstanden worden.

+++ 18:54 Uhr: SPD-Chef ledert gegen die Liberalen +++

Bei der SPD in Berlin betonte Parteichef Sigmar Gabriel, die Wahl in Bayern habe nichts mit der Abstimmung in einer Woche zu tun – es stünden andere Themen zur Diskussion. Er lederte kräftig gegen die Liberalen: „Die Wähler haben ein deutliches Signal gesetzt: Sie haben die Wahllügen der FDP durchschaut und sie aus dem bayerischen Landtag geworfen“, sagte Gabriel. Wer ständig Wahlversprechen breche und Lobbypolitik betreibe, habe es nicht verdient, in den Parlamenten zu sein. „Der Einzug der FDP in den Bundestag ist nach heute Abend weiß Gott nicht sicher.“

FDP-Chef Rösler, der vor einer rot-rot-grünen Koalition im Bund gewarnt hatte, unterstellte Gabriel „Propagandalügen“: „Wir werden mit der Linkspartei keine Bundesregierung bilden und uns tolerieren lassen.“ Die SPD habe in ihrer 150-jährigen Geschichte noch nie Vabanque mit dem eigenen Land gespielt.

+++ 18:50 Uhr: Die Kommentare zur Wahl bei Twitter +++

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