CSU
Mobbing gegen Horst Seehofer

Horst Seehofer muss in Berlin äußerst vorsichtig agieren. In Bayern ist er angeschlagen, im Bund macht ihm sein aalglatter Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu schaffen. Einige sehen das mit Genugtuung, schwächen die internen Querelen doch die CSU bei den Koalitionsgesprächen.
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BERLIN. Am Dienstagabend haben Angela Merkel und Horst Seehofer erstmals unter vier Augen über die Verteilung der künftigen Ressorts gesprochen. Vom Personal sei dabei noch nicht die Rede gewesen, heißt es. Für Seehofer sind diese Themen genauso wichtig wie die Frage, ob er sich bei den Steuersenkungen – wie vorlaut angekündigt – durchsetzt: Kann er für die CSU eines der Schlüsselressorts Wirtschaft und Finanzen sichern? Oder geht er mit drei Ministerien nach Hause, die jedes für sich genommen wenig Einfluss bieten?

Die Frage hat Sprengkraft. Um in Berlin Stärke zu demonstrieren, muss Seehofer ausgerechnet dem Mann zu einem starken Ressort verhelfen, den viele – auch im Duo mit Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder – als seinen schärfsten Rivalen sehen: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Machtkampf in Bayern und Koalitionsverhandlungen in Berlin – in diesen Tagen sind sie nicht zu trennen.

Die beiden, die der CSU zu neuer Schlagkraft verhelfen müssen, der angeschlagene Parteichef und der Bundeswirtschaftsminister, hielten gestern Maximalabstand zueinander. Gemächlich schlenderte Seehofer in der NRW-Landesvertretung die Treppe hinunter, während zu Guttenberg längst im Besprechungsraum verschwunden war, in dem sich CDU und CSU auf die Gespräche mit der FDP vorbereiten wollten. Die Pleite von Quelle hilft wenig, um die angespannte Stimmung zwischen Bundeswirtschaftsminister und Landesvater, zwischen CSU-Shooting-Star und seinem einstigen Förderer zu verbessern. Bereits bei der Rettungsaktion im Sommer waren beide aneinandergeraten. Jetzt muss sich Seehofer heftige Kritik anhören, dass er damals zu Wahlkampfzwecken mit dem druckfrischen Katalog des Fürther Unternehmens posiert habe – und zu Guttenberg, der ewige Mahner, hat wieder recht behalten.

Es sind Sorgen dieser Art, die den Auftritt der CSU bei den Koalitionsverhandlungen wenig schlagkräftig erscheinen lassen. Das Rumoren in München, das Gemecker in Bezug auf das Wahlergebnis und den einsamen Führungsstil, wird längst verstärkt durch eine Art Mobbing in der Hauptstadt. Es geht gegen den Wahlverlierer Seehofer und gegen die CSU selbst, die so mancher gern zur Regionalpartei stutzen würde. „Er ist angeschlagen und weiß es selbst. Wenn er daher einen Wunsch hat, wird er ihm gewährt werden“, sagt einer, der für die CDU in der Koalitionsrunde sitzt. So soll das Bild der Bayern als Bittsteller entstehen, nicht als selbstbewusste Vertreter ihrer Interessen.

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