CSU-Parteitag

Söder zum Spitzenkandidaten gekürt

Die CSU hat gesprochen: Trotz der immensen Verluste bei der Bundestagswahl darf Horst Seehofer als Parteichef weitermachen. Dennoch bricht für die Bayernpartei eine neue Ära an – mit Markus Söder als Ministerpräsident.
Update: 16.12.2017 - 15:04 Uhr Kommentieren

Willkommen in der Ära „Söderhofer“

Die neue Doppelspitze: Söder und Seehofer

NürnbergDie CSU schickt ihren Parteichef Horst Seehofer mit einem Dämpfer in die Koalitionsgespräche im Bund. Obwohl der bayerische Ministerpräsident und sein designierter Nachfolger Markus Söder den Machtkampf für beendet erklärten und Söder eindringlich für eine Wiederwahl Seehofers warb, erhielt dieser auf dem Parteitag am Samstag in Nürnberg in geheimer Wahl weniger Stimmen als vor zwei Jahren. Söder dagegen wurde in offener Abstimmung mit überwältigender Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 gekürt. Der Landesfinanzminister kündigte einen harten Kampf besonders um Wähler der AfD an.

Seehofer, der sich als einziger Kandidat um den Vorsitz bewarb, erhielt 83,7 Prozent der Delegiertenstimmen. Bei der Vorstandswahl 2015 hatte Seehofer noch 87,2 Prozent auf sich vereint. Er zeigte sich mit dem Wahlergebnis dennoch zufrieden: „Das ist eine gute Grundlage für das, was auf uns wartet in München und in Berlin.“ Die CSU ringt nach Stimmenverlusten bei der Bundestagswahl um eine Fortsetzung ihrer Regierungsbeteiligung in Berlin. Am Mittwoch soll es dafür ein Treffen mit CDU und SPD geben, um Zeitplan und Themen für die Sondierungen abzustecken, die dann im Januar in größerer Runde anlaufen könnten.

Seehofer führt die CSU und die Landesregierung seit 2008. Der 68-Jährige hatte sich Anfang Dezember bereiterklärt, das Amt des Ministerpräsidenten bis Ende März an seinen langjährigen Rivalen Söder abzugeben. Der Machtkampf hatte die Partei in glühende Anhänger und erbitterte Gegner Söders gespalten. Seehofer hatte Söder in früheren Jahren „Schmutzeleien“ und ein Abweichen von der Parteilinie vorgeworfen.

Am Samstag lobten sich beide vor den 900 Delegierten gegenseitig, schlugen sich als Kandidaten vor und versprachen sich gute Zusammenarbeit. Als einen Beleg erfolgreicher Kooperation nannten beide die Sanierung der Bayerischen Landesbank.

Seehofer macht deutlich, dass er sich als hauptberuflicher Landespolitiker zurückziehen und sich auf die Arbeit in Berlin konzentrieren werde. Die CSU müsse auch Verantwortung auch im Bund übernehmen, sagte Seehofer angesichts von Stimmen in der Partei, die den Schwerpunkt der CSU ausschließlich in Bayern sehen. „Deshalb bin ich bereit, hier noch mal mitzuhelfen in Berlin“, sagte Seehofer.

Söder hatte die Delegierten vor der Wahl Seehofers um „größtmögliche Geschlossenheit“ und „größtmögliche Unterstützung“ gebeten. „Wenn dieses Signal kommt, erhöhen sich Wahlchancen für die Zukunft“, sagte der 50-Jährige. Er versprach, die Partei zusammenzuführen und warb auch für eine enge Zusammenarbeit mit seinen Rivalen: Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Europapolitiker Manfred Weber, Innenminister Joachim Herrmann und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. „Das schaffen Horst Seehofer und ich nicht allein“, sagte Söder. „Das geht nur zusammen.“

Söder kündigte eine harte Auseinandersetzung besonders mit der AfD an. Der Wahlkampf werde schärfer geführt als bei der Bundestagswahl. „Einen Wahlschlaf wird es nicht geben. Wir machen nächstes Jahr Wahlkampf“, rief Söder unter dem Applaus der Delegierten. Zwar sei die CSU eine Partei der Mitte. „Aber die demokratische Rechte gehört genauso dazu. Wir wollen sie einbinden.“ Die CSU stehe für Recht und Ordnung, konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, eine deutsche Leitkultur sowie die Förderung von Wirtschaft, Bildung und Breitbandausbau.

Die CSU hatte bei der Bundestagswahl im September mit 38,8 Prozent der Stimmen in Bayern so schwach abgeschnitten wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Partei fürchtet nun um ihre absolute Mehrheit im Landtag, der im Herbst gewählt wird. Die Christsozialen konkurrieren im konservativen Lager mit drei Parteien: Die Freien Wähler sind seit vielen Jahren im Parlament vertreten. Bei einem Einzug von FDP und AfD in den Landtag geriete die Alleinregierung der CSU in Gefahr.

  • rtr
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