CSU-Politikerin Wöhrl zur Flüchtlingspolitik
„Die Zeit des Unterlassens muss vorbei sein“

Weil sie sich für die private Unterbringung von Flüchtlingen stark gemacht hat, erhielt Dagmar Wöhrl Morddrohungen. Das hat sie schwer getroffen. Die CSU-Abgeordnete will aber weiter für ihre Position kämpfen.
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Dagmar Wöhrl weiß, dass das Thema Flüchtlings- und Asylpolitik hoch emotional ist. Und die CSU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weiß nur zu gut, dass die Politik im Fokus steht, wenn es darum geht Lösungen für die Betroffenen zu finden. Wöhrl kommt aus Bayern, wo in so genannten Erstaufnahmeeinrichtungen teilweise chaotische Zustände herrschen. Die Nürnbergerin hat sich daher für eine Unterbringung von Flüchtlingen auf freiwilliger Basis in Privathaushalten ausgesprochen.

Doch seit sie diesen Vorschlag gemacht hat, wird sie teilweise persönlich bedroht. Sie sei „erschüttert, in welcher Form ich per Facebook, Twitter, über meine Homepage und per Telefon angegangen und beschimpft wurde“, sagt sie im Interview. „Manche Menschen verlieren leider im Netz jede Scham und glauben, dass Politiker oder Andersdenkende Freiwild sind.“ Aufgeben will sie deshalb aber nicht. Sie will ihre Position künftig sogar noch entschiedener vertreten.

Frau Wöhrl, Sie haben sich für eine Unterbringung von Flüchtlingen auf freiwilliger Basis in Privathaushalten ausgesprochen – und sehen sich jetzt massiver Kritik ausgesetzt. Sie selbst sprechen von „Beschimpfungen“ – was meinen Sie damit konkret?

Dagmar Wöhrl: In den vergangenen Wochen haben sich vermehrt Bürger bei mir gemeldet, die von sich aus und auf freiwilliger Basis, Flüchtlinge bei sich aufnehmen möchten. Allerdings fehlt ein bundesweit einheitlicher Rahmen für die freiwillige Aufnahme von Flüchtlingen in Privathaushalten. Wenn hilfsbereite Menschen ihre Türen für Flüchtlinge öffnen wollen, dann sollten wir diese nicht durch staatliche Schranken verschließen. Für diesen Vorschlag bekam ich zunächst viel Zuspruch.

Die Stimmung änderte sich aber schlagartig, nachdem das RTL-Mittagsmagazin Punkt 12 in einem Beitrag behauptet hatte, ich würde die Menschen dazu verpflichten wollen, Flüchtlinge zuhause aufzunehmen. Dies stellte RTL dann am nächsten Tag in einem neuen Beitrag und auf seiner Facebookseite zwar richtig, da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen.

Es soll auch Morddrohungen gegeben haben.

Man darf dies nicht zu ernst nehmen. Entscheidend ist, dass wir über die inhaltlichen Themen diskutieren und Lösungen finden. Mich ärgert nur, dass solche Menschen mit ihrer einseitigen Polemik die Debatten verzerren.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Ich bin nun seit 20 Jahren im Deutschen Bundestag, da habe ich schon so einiges erlebt und so manche Shitstorms überlebt, deshalb messe ich dem Ganzen auch nicht allzu viel Bedeutung bei. Je mehr digitale Empörungswellen es gibt, desto unbedeutender werden sie im Einzelnen.

Kommentare zu " CSU-Politikerin Wöhrl zur Flüchtlingspolitik: „Die Zeit des Unterlassens muss vorbei sein“"

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  • Wir müssen es in den Griff bekommen? Nein die Herkunftsländer müssen für Ihre Bürger aufkommen. Daher alle Flüchtlinge, Asylanten oder wie man sie bezeichnen will, sofort zurück mit Wiedereinreiseverbot. Die Leute müssen gezwungen werden ihre Heimat auf zu bauen und nicht ihre Mitbürger zu vernichten. Fatwa, "Tötet Andersgläubige" darf nicht von uns, unseren Politiker unterstützt werden. Sie machen sich der Beihilfe zum Morden mitschuldig!!

  • Richtig, die Politiker müssen die "Flüchtlinge nicht bnur aufnehmen, sondern auf eigene Kosten verpflegen. Warum werden auch nicht die kriminellen als Nachbar, Untermieter von den Politikern aufgenommen, da sie doch für die 2. Chance sind (Wiederholung der Taten)? Warum wurde "lebenslang" abgeschafft und das Opfer erhält immer noch keine 3 Anwälte, wiede die Straftäter?

  • Warum weigert man sich hartnäckig von den Staaten das Geld für die Unterkunft, Verpflegung zu verlangen, da die Staaten ja wohl die Bürger, Bürgerkrieger vertreiben? Wieso müssen die Bürgerkrieger nichts zahlen, obwohl Sie ja keinen Frieden wollen und die islamgläubigen hierher kommen um "Andersgläubige" zu töten. Warum weigert man sich die Minderjährigen zufort zu den Eltern zurück zu bringen und das Geld von den Eltern zu verlangen? Wo ist hier die Aufgabe des verlassenden Staates?

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