CSU und Seehofers Traumnachfolger
Das KT-Gespenst geht in München um

Intrigenspinner Markus Söder ist es nicht, ebenso wenig Konkurrentin Ilse Aigner: Am Hofe Horst Seehofers wird ein anderes Porträt eines Kronprätendenten gemalt. Eine reale Person – gäbe es nicht einen kleinen Makel.
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Alle in Bayern, aber auch in Berlin fragen sich: Wie sieht der ideale Kronprinz Horst Seehofers aus, einer oder eine, die ihn – oder vielleicht sogar Angela Merkel? – im Jahre 2018 beerben könnte.

Klar ist: Der böse Intrigenspinner am bajuwarischen Hofe Seehofers, Mephistofeles Markus Söder, ist es nicht. Zumindest nicht in den Augen des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten des Freistaats. Und auch Ilse Aigner, jene von der Bundespolitik in die Niederungen der bayerischen Landespolitik tollkühn herabgestiegen Konkurrentin Söders soll es – wiederum zumindest in den Augen Seehofers – auch ganz und gar nicht sein.

Am Hofe Seehofers zu München wird ein ganz anderes Porträt eines Kronprätendenten gemalt, eines, das der Ministerpräsident höchstselbst abgenickt hat. Der politische Steckbrief sieht folgendermaßen aus: Der Nachfolger soll ein Mann sein. Er soll mehr und vor allem weltläufiger als ein nur homegrown-Gewächs sein, dessen Perspektiven im Süden von den Alpen und im Norden vom Main begrenzt ist.

Dennoch soll er ein echter Bayer aus allerbester Familie sein, im besten Falle ein gebürtiger Münchner. Das Idealalter, das die Porträtisten nun ins Bild rücken sollen, soll etwa zwischen 44 und 45 Jahre alt sein. Er soll, natürlich, große Erfahrung in der Bundespolitik haben, aber auch ein paar Jahre im Ausland gelebt haben, vorzugsweise in den USA.

Finanziell soll er unabhängig sein, sich weder irgendwelchen bayerischen Milchmagnaten noch Bäderkönigen anbiedern müssen. Den bayerischen Automobilbauern soll er sehr gewogen und auch in der digitalen Moderne bereits angekommen sein. Erfahrungen mit IT, bestenfalls auch im Gestrüpp der Brüsseler Megabürokratie gestählt, soll er auch mit ins Amt bringen.

Er soll also das schaffen, was Horst Seehofer nicht gelungen ist: das moderne Image Bayerns von Lederhose mit Laptop vorantreiben. Dazu darf er, der auch bei den Frauen gut ankommen soll, sich ruhig die Haare gelen und eine schwarze Hornbrille tragen, er darf eine hübsche blonde Frau haben, womöglich auch noch ein paar Kinder nebst Adelstitel und natürlich bayerisch-forsch und fesch auftreten können. Und er muss natürlich ein Herz und eine Seele mit dem noch amtierenden Herrscher Seehofer sein, dessen Vertrauen genießen und auch in Zukunft stets ein offenes Ohr für ihn haben.

Ein solch höchst vorzeigbarer, edler Politikritter und Kronprinz sollte im Idealfall auch noch die bayerisch-selbstlose Bereitschaft mitbringen, im absoluten Notfall nationaler Flüchtlingskrisen, einmal gegen die mecklenburg-vorpommersche Kanzlerin Angela Merkel antreten können. Zumindest sollte er von noblem Habitus und weltläufiger Nonchalence getrieben, dieses Rollenspiel mit wahrhaft blendender Attitüde demonstrativ beherrschen können.

Wäre da nicht ein klitzekleiner Makel im Lebenslauf einer völlig realen Person, so gäbe es diesen Thronprätendenten, Potzblitz!, tatsächlich im wahren Leben. Er ist auch tatsächlich Seehofers Favorit für alle möglichen Ämter auf bayerischer wie deutscher Ebene und erfüllt auch sonst alle Anforderungen an einen ganz großen Politiker von Seehofers Gnaden.

Hätte er nicht den verdammten Ruf am Hals, ein Blender und Plagiator zu sein, wer weiß, ob Horst Seehofer schon am morgigen Samstag nicht den Karl-Theodor zu Guttenberg wie Kai aus der Kiste ziehen würde und seinen Parteifreunden als den einzig wahren, nämlich einzig geeigneten Nachfolger präsentieren.

Man weiß ja, dass Seehofer den ehemaligen Verteidigungs- und Wirtschaftsminister seit langem umgarnt, zuletzt dieser jüngsten Tage noch, doch endlich mal über die abgeschriebene Doktorarbeit zu springen und neue politische Ufer zu erobern. Wie man am Hofe Seehofer aus verlässlicher Quelle hört, ziert sich der Nobelmann der CSU noch. Zuletzt bei einem entsprechenden Gespräch diese Woche in Preußens Metropole Berlin.

Kommentare zu " CSU und Seehofers Traumnachfolger: Das KT-Gespenst geht in München um"

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  • Das wäre doch mal eine Steigerung zu FJS! Bisher gab es nach IHM ja nur Mittelmaß;–))

  • Alle die vor mir kommentierten haben recht. Aus den genannten vielen und noch mehr Gründen brauchen wir den nicht. Der bringt das Land in Gänze nicht weiter. Für den Normalo-Bürger hat er auch nichts übrig. Nur Schein, da er in seiner eigenen Welt lebt => soll er und kann er auch.

  • Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg`s Fassade kommt gut an, aber was dahinter steckt, muss auch einen gewissen Vorbildcharakter haben.
    Ist das nicht der Fall, ist der Präzedenzfall gegeben nach dem alle schielen und sagen, das machen wir doch auch so.
    Wenn zu viel Cleverness zusammenkommt, bricht schlussendlich das ganze System zusammen und wir können einpacken.


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