Cyber-Attacke
Bundestags-Netzwerk droht „Totalschaden“

Die Cyber-Attacke auf das Netzwerk des Bundestages hat es laut Berichten so sehr beschädigt, dass es ersetzt werden muss. Kostenpunkt: mehrere Millionen Euro. Und der Angriff der unbekannten Hacker dauert weiterhin an.
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BerlinDie Cyberattacke auf den Bundestag hat Medienberichten zufolge deutlich mehr Schaden angerichtet als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ muss das Parlament sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Der Hackerangriff geht derweil weiter. Angeblich fließen weiter unkontrolliert Daten ab.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge fließen noch immer Daten in unbekannter Richtung ab.

Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, bestätigte das Ausmaß. Er sagte dem rbb am Donnerstag, es habe sich „um einen hochkarätigen Angriff von geheimdienstlicher Qualität“ gehandelt.

Dem oder den Angreifern ist es laut den Berichten gelungen, den sogenannten Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen: In dem Dienst werden die Parlamentsrechner, insgesamt mehr als 20.000 Stück, als Netzwerk organisiert. Der oder die Hacker hätten somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter.

Auch weil die Angreifer mittlerweile Administratorenrechte im Bundestag an sich gebracht hätten, solle nun das alte Netzwerk aufgegeben und ein neues Netzwerk aufgebaut werden, heißt es in dem Bericht des Rechercheverbunds. Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages seien von dem Angriff offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesicherte Netzwerke nutzen.

„Die Trojaner sind noch immer aktiv“, hieß es laut „Spiegel Online“ aus Parlamentskreisen. Nach Angaben von mehreren mit dem Fall vertrauten Quellen fließen demnach weiterhin Bundestagsdaten aus dem „Parlakom“-Netz in unbekannte Richtung ab.

In Parlamentskreisen wird offenbar bereits von einem drohenden „Totalschaden“ gesprochen: Womöglich müsse nicht nur die Software der „Parlakom"-Rechner neu installiert, sondern auch die komplette Hardware ausgetauscht werden. Dies würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen. Als Konsequenz des Hackerangriffs habe das BSI inzwischen Teile des parlamentarischen Datenverkehrs über das besser gesicherte Datennetz der Bundesregierung umgeleitet.

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„Möglichkeiten der Irreführung sind enorm hoch“

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  • Ist denn wenigstens zuverlässig ausgeschlossen, dass nicht der BND die Bundestagsverwaltung bespitzelt?

    Bisher ist mir diese Klarstellung noch nicht bekannt geworden.

  • "Weshalb wird den westlichen Bürgern verwehrt, was den ostdeutschen Bürgern gewährt wird?" Das Sie sich nicht lächerlich dabei vorkommen, wenn Sie sowas schreiben... Das ist halt der Vorteil der Anonymität, die Leute denken gar nicht darüber nach was zu äußern wagen. Weil BND nicht mit der Stasi zu vergleichen ist. Eine vollkommende Veröffentlichung ist absurd, da sie laufende Ermittlungen gefährdet. Und die Stasiunterlagen liegen nicht einfach zur Einsicht bereit. Auch da könnten sie Sie sich mal informieren.

  • Das muß man doch verstehen, das ist ja auch Neuland wie die DDR-Kanzlerin sagte.
    Da kann so was schon mal passieren

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