Daimler will Kosten drücken
Mercedes verschärft die Arbeitszeitdebatte

Die Diskussion über eine Ausweitung der Arbeitszeiten ist vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Blick auf den Vorstoß des Autobauers Daimler-Chrysler und dessen Sparpläne bei Mercedes kritisiert worden.

HB BERLIN. Der Präsident des Automobilverbandes VDA, Bernd Gottschalk, rief die deutschen Autobauer am Dienstag in Stuttgart auf, die Möglichkeiten zum Abweichen von den Flächentarifen zu nutzen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sprach in Berlin von einem kaum erträglichen Druck und Drohungen, mit denen Arbeitgeber die Debatte in Richtung pauschaler Arbeitszeitverlängerung führten. Die stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, warf Unternehmen vor, Belegschaften zu erpressen, in dem sie mit der Verlagerung von Stellen drohten. Die IG Metall in Baden-Württemberg sprach von einer „Verrohung der Sitten“ bei den deutschen Großkonzernen. Dagegen warnte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt IG Metall und Verdi davor, betriebliche Lösungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu blockieren. „Viele Arbeitsplätze, die gerettet werden könnten, würden dann unwiederbringlich verloren gehen.“

Daimler-Chrysler fordert von den Arbeitnehmern im Mercedes-Stammwerk Sindelfingen Kosteneinsparungen von 500 Mill. €. Wenn der Betriebsrat die Einsparungen nicht mit größeren Zugeständnissen bis Ende Juli ermögliche, könnte die Produktion der neuen C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen oder Südafrika verlagert werden, hatte das Unternehmen gedroht. Damit könnten im Südwesten rund 6000 Arbeitsplätze verloren gehen. Mercedes geht es nicht um eine längere, sondern um eine effektive Arbeitszeit, etwa durch die Streichung großzügiger Pausenregelungen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich auf der VDA-Forschungstagung in Stuttgart für eine flexible Handhabung der Arbeitszeit in den einzelnen Wirtschaftszweigen aus: „Die Arbeitszeiten sollten flexibel von Branche zu Branche gehandelt werden.“ Es gehe aber nicht um allgemeine Arbeitszeitverlängerungen. Gottschalks sagte auf der selben Veranstaltung: „Es kommt darauf an, dass alle Hersteller und Zulieferer auf breiter Front diese Öffnungsklauseln auch konkret nutzen, ob es der Gewerkschaft gefällt oder nicht.“ Auch in Niedersachen müsse es zu entsprechenden Verhandlungen kommen. Dort sitzt unter anderem der Autohersteller Volkswagen.

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