Danckert zum Wettskandal
„Da hat die Uefa noch nicht die Brisanz erkannt“

Der Wettskandal im Fußball wird Ermittler und Fans noch lange beschäftigen. Und auch die Politik wird aller Voraussicht nach reagieren. Peter Danckert, sportpolitischer Experte der SPD, äußert sich im Gespräch mit Handelsblatt Online zu den Folgen des Wettskandals.
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Herr Danckert, welche Folgen hat der Wettskandal?

Die Defizite liegen nicht im strafrechtlichen Bereich. Da existiert das Instrumentarium, wir haben die entsprechenden Strafgesetze und die Ermittlungsbehörden arbeiten gut. Aber für den Fußball ist das noch nicht genügend. Wir müssen die Prävention erweitern. Eine Tochter der Fifa in der Schweiz hat ein Frühwarnsystem. Wir müssen sehen, dass die nationalen Fußballföderationen dieses Sicherungssystem für sich selbst einsetzen. Sie haben ein vitales Interesse daran, dass solche kriminellen Machenschaften unterbunden werden. Ich höre, dass es Gespräche geben soll, aber da hat die Uefa noch nicht die Brisanz erkannt.

Wie könnte sich der DFB einbringen?

Ich weiß aus Gesprächen aus den letzten Tagen, dass die Schweizer sehr ambitioniert sind und ihr Frühwarnsystem offenbar funktioniert. Da müssen sich die Uefa und die nationalen Verbände jetzt einklinken. Auch die Anbieter von Sportwetten sind gefragt, aber Initiativen der nationalen Verbände müssen es begleiten. Dem Fußball muss daran gelegen sein, ein präventives Sicherungssystem zu implementieren.

Sind alle Buchmacher angeschlossen?

Davon bin ich bisher ausgegangen. Wenn das anders sein sollte, ist staatliches Handeln vielleicht erforderlich.

Könnte man unterklassige Spiele vom Wettbetrieb ausschließen?

Dem Wettanbieter zu sagen, dass sie bestimmte Spiele nicht nehmen dürfen, etwa solche aus unteren Ligen, ich glaube nicht, dass das geht.

Sollte sich wenigstens der Staat mit seinem Oddset-Angebot aus dem offensichtlich verseuchten Feld Fußballwetten raushalten?

So weit würde ich nicht gehen, Oddset sein zu lassen. Ich glaube nicht, dass man es auf diese Weise in den Griff bekommt. Man sollte nicht die Fußballspiele oder die Wetten untersagen, weil man das am Ende des Tages auch gar nicht hinbekommt. Man muss sehen, dass man die Alarmglocken in Gang kriegt. Das System der Fifa zeigt ja, wie es geht. Das Schweizer Unternehmen sieht im Bruchteil von Sekunden, wenn absurd hohe Summen auf Ergebnisse gewettet werden, die gar nicht zu erwarten wären. Das ist eine der effektivsten Maßnahmen, um diesen Wettbetrug zu unterbinden.

Dann unterbindet man die Wette. Aber wie geht man mit dem verschobenen Spiel um? Angenommen, man bemerkt es kurz vor Anpfiff – sagt man ein Bundesliga-Spiel kurzfristig ab?

Da werden sie an einem manipulierten Spiel kurzfristig nicht mehr viel machen können. Es ist wohl so, dass das noch Auswirkungen hat auf das Spiel. Aber langfristig verlieren die kriminellen Banden das Interesse, wenn ihre Wetten nicht mehr laufen.

Sind die Strafen nicht hoch genug, um Spieler und Trainer abzuschrecken?

Immerhin hat Robert Hoyzer eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung bekommen. Wir können mit unserem Strafgesetzbuch nicht erreichen, dass es keine strafbaren Handlungen mehr gibt. Sie können nur versuchen, durch Aufklärung und Prävention Dinge in den Griff zu bekommen.

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