Das komplette Interview mit Bundeskanzler Gerhard Schröder: Schröder-Interview: "Wir brauchen die Gemeinsamkeiten mit den USA"

Das komplette Interview mit Bundeskanzler Gerhard Schröder
Schröder-Interview: "Wir brauchen die Gemeinsamkeiten mit den USA"

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den USA vertiefte Kontakte angeboten, zugleich aber auch eine größere Dialogbereitschaft Washingtons eingefordert. "Wir müssen stärker als bisher politische Fragen erörtern, bevor Entscheidungen fallen", sagte Schröder in einem Interview mit dem Handelsblatt und dem Wall Street Journal. Hier kommt das gesamte Interview im Wortlaut.

Handelsblatt: Herr Bundeskanzler, hat Sie das kritische Echo auf Ihre Vorschläge zu einer Reform der transatlantischen Beziehungen überrascht?

Schröder: Nein, eher das ein oder andere offenbar bewusste oder tatsächliche Missverständnis. Was ich mit meinem Vorschlag will, ist eine Stärkung der Nato und der transatlantischen Beziehungen insgesamt, die ja nicht auf die Nato beschränkt sind. Dafür müssen wir stärker als in der Vergangenheit politische Fragen eingehend erörtern, bevor Entscheidungen fallen. Natürlich gibt es dafür unterschiedliche Orte, die Nato ist einer davon. Ein solcher Dialog hilft Missverständnisse zu vermeiden und schafft jene Legitimation, die erforderlich ist, um gemeinsam auch schwierige Anstrengungen unternehmen zu können. Das ist der Kern meiner Position.

Viele Amerikaner haben auf der Münchener Sicherheitskonferenz sehr negativ auf Ihren Vorstoß reagiert. Sie misstrauen Ihren Absichten.

Den Eindruck habe ich nicht. Durch Besuche wie den der US-Außenministerin Condoleezza Rice ist sehr deutlich geworden, dass man in Washington den festen Willen hat, ein neues Kapitel in den transatlantischen Beziehungen aufzuschlagen. Ein berechtigter Vorschlag, auf den auch politisch geantwortet werden muss. Das ist geschehen. Man muss die Debatte nicht an Instrumenten festmachen. Entscheidend ist vielmehr: Zu mehr Gemeinsamkeiten kommen wir nur über verstärkte Konsultationen. Diese sind uns angeboten worden von den Amerikanern. Wir nehmen das Angebot nun auf.

Wer soll denn der Expertengruppe angehören, die Ihrer Meinung nach über die transatlantischen Beziehungen nachdenken soll? Der Vater des US-Präsidenten zum Beispiel, wie in München zu hören war?

Es macht keinen Sinn, in dieser Phase über Namen zu reden - obwohl ich natürlich verstehe, dass Journalisten gerne mit Namen operieren. Den Vorschlag einer Expertengruppe halte ich nach wie vor für vernünftig, ich stehe zu ihm ohne wenn und aber. Und ich werde ihn bei den anstehenden Diskussionen in verschiedenen Gremien auch gerne erläutern.

War der Vorschlag denn mit anderen europäischen Partnern abgestimmt?

Ich habe ihn natürlich mit meinem Außenminister und dem Verteidigungsminister besprochen. Ansonsten habe ich mir erlaubt, einen Vorschlag zu machen, wie andere Kollegen auch.

Der Nato-Generalsekretär war wirklich überrascht .....

Ich wäre ja selbst gerne auf der Sicherheits-Konferenz gewesen, um den Vorschlag zu erläutern. Das ging nicht wegen meiner Grippe. Ich denke, es ist von jedem, der politisch arbeitet, zu erwarten, dass er sich mit meinem Vorschlag politisch auseinander setzen wird. Das ist meine Hoffnung - und das wird auch geschehen.

War die Initiative so kurz vor dem Besuch von US-Präsident Bush ein Wink, welches Thema Sie mit ihm besprechen wollen?

Ich habe den Termin der Sicherheitskonferenz nicht festgelegt. Aber was ich mit dem US-Präsident besprechen werde, sage ich zunächst ihm - und dann erst Ihnen.

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