Das Milliarden-Loch Wie der Niedrigzins unsere Rente vernichtet

Der Staat kann seine Schulden dank Mini-Zinsen zügiger abbauen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Nicht nur private Lebensversicherungen bringen kaum Rendite, auch für die staatliche Rente ist bald kein Geld mehr da.
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Wovon hängt die Höhe der gesetzlichen Rente ab?

Wovon hängt die Höhe der gesetzlichen Rente ab?

DüsseldorfWolfgang Schäuble kann sich freuen: Als erstem Finanzminister seit fast fünf Jahrzehnten ist es ihm gelungen, den Bundeshaushalt auszugleichen. Und damit nicht genug: Seit Jahren fallen die Zinsen. Wenn Schäuble – dank der Zentralbank – auch künftig teure, alte Schuldscheine durch billige, neue ersetzen kann, dann gehen die fetten Jahre weiter – und der Minister muss immer weniger Geld im Haushalt für Zinszahlungen reservieren.

Doch die Niedrigzinsphase hat eine Schattenseite – eine große sogar: Denn den Staat plagt nicht nur der offizielle Schuldenberg von derzeit 2,2 Billionen Euro, sondern auch ein unsichtbarer, noch größerer Berg. Und dieser Berg schrumpft nicht, wenn die Zinsen sinken, sondern er wächst.

Entwicklung der Rücklagen der Sozialkassen

2010-2014, in Milliarden Euro



Zu dieser sogenannten impliziten Schuld gehören all jene künftigen Leistungen, die der Staat den Menschen versprochen hat und versprechen wird – und für die er nicht genug Geld haben wird, sollte sich an den Gesetzen nichts ändern. Dazu zählen die künftigen Renten der heute Arbeitenden, aber auch ihre Gesundheits- und Pflegekosten. Weil die Bevölkerung schrumpft, erwerben die vielen Jungen heute Ansprüche, die sich aus den Steuern und Beiträgen der künftigen Jungen kaum zahlen lassen.

Nach Berechnungen von Stefan Moog vom Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge sind diese Schulden aus heutiger Sicht doppelt so hoch wie die offiziellen – sie liegen bei rund viereinhalb Billionen Euro. Um diesen Wert sind die Leistungen, die der Staat allen heute lebenden Menschen wird auszahlen müssen, größer als die Steuern und Sozialbeiträge, die die Menschen einzahlen werden.

Doch die Sache hat einen Haken: Die Rechnung basiert auf der Annahme, dass der langfristige Durchschnittszins in Deutschland bei drei Prozent liegen wird. Gemeint ist der Realzins, also der nach Abzug der Inflation. In der aktuellen Situation – wo der Realzins sogar deutlich unter null liegt – erscheint der Wert unplausibel hoch. Zwar sind sich die meisten Beobachter einig, dass die Niedrigzinsphase irgendwann endet. Doch ob er wirklich wieder auf alte Höhen steigt?

Tut er es nicht, wird es für den Staat gefährlich: Bereits, wenn man statt drei Prozent Zinsen zweieinhalb ansetzt, steigt die implizite Schuld von 4,5 auf 6,8 Billionen Euro, wie Rechnungen des Forschungszentrums für das Handelsblatt zeigen. Bei einem langfristigen Durchschnittszins von zwei Prozent wären es sogar 11,8 Billionen. 

Der Grund für die Abhängigkeit vom Zins: Die implizite Schuld gibt an, welches Vermögen der Staat heute beiseitelegen müsste, um die künftigen Ansprüche der Menschen bezahlen zu können. Da dieses Vermögen verzinst würde, gilt folgender Zusammenhang: Je niedriger die Verzinsung, desto mehr muss heute als Puffer zur Seite gelegt werden.

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21 Kommentare zu "Das Milliarden-Loch: Wie der Niedrigzins unsere Rente vernichtet"

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  • 100% sind falsch, mit der Kapitalertragsteuer sind es etwa 130%

  • An Herrn Jens Müller:
    Das verbrecherische Umlagestystem hat adenauer 1957 eingeführt und ER hat die Rentenkasse ENTEIGNET!!!!

  • Rürup ist genau der Richtige mit dem sich das Handelsblatt verbündet! ;-)

    "Der Staat kann seine Schulden dank Mini-Zinsen zügiger abbauen. "

    Ob das die richtige Sicht der Dinge ist, bezweifle ich. Richtig ist, dass diese Niedrigzinsen nichts anderes bewirken als eine Zinsbesteuerung zu 100 %.

    Schreiben Sie einmal auf, wer davon betroffen und wer davon begünstigt ist. Schnell stellen Sie fest, dass es die Begünstigten die sind, denen die Nullzinsen zu verdanken sind.

    Dies als asoziales Verhalten zu bezeichnen ist wohl die Sache schön geredet.

  • Wer das marxistische Zentralbanken-Falschgeld und die daraus resultierenden Probleme die durch Planwirtschaft verusacht werden für Kapitalismus hält, der glaubt immer noch, daß der Ostblock eine blühende Wohlfahrtsoase im Überfluß gewesen ist.

    Die Vermögen werden seit fast 100 Jahren verfressen durch Umverteilung und immer stärkere Schulden. Das verbrecherische Umlagesystem in der gesetzlichen Rente ist nur ein kleiner Baustein.
    Allen Beitragszahlern sei gesagt, daß sie NICHTS ansparen. Sie Zahlen die Leistungen von heute, in der Hoffnung, daß entsprechend ihrer Anwartschaften ein Anderer sie später auszahlt. Das ist ein Schneeball in der Hölle von Demographie, Inflation und steigender Abgabenlast.
    Die gesellschaftliche Verarmung wird Normalzustand, weil das Kapital verfressen wird.

    Humankapital ist ohne echtes Kapital nichts wert. Das Humankapital ist in diesem Beispiel der, der erfolgreich gelernt und einen Führerschein erworben hat. Ohne das entsprechende Auto (Kapital) ist das Wissen nur nichts wert. Kreditgeld aus dem Nichts spielt dabei keine Rolle, wenn es schlicht keine Autos zu kaufen gibt.

  • Es gibt KEINE "STAATLICHE" Rente in der BRD.

    Die Rente wird von den Beitragszahlern im Umlageverfahren aufgebracht. Im Gegensatz zu PENSIONEN - die zahlt allein der Steuerzahler.

  • Dann beziehen wir halt alle eine Pension. Die ist erst einmal billiger, und für die Volleinzahler bringt es ein sattes Plus von ca 20 %. Nieder mit der minderwertigen Rente.

  • Der Text basiert auf "Berechnungen" von Lobbyisten der Banken- und Versicherungswirtschaft (Rürup, Raffelhüschen, Mayer), wie üblich getarnt unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft.

  • Nur noch 27 % der arbeitenden Menschen zahlen in die Rentenversicherung ein, was soll da noch bei rauskommen,
    Wir haben 1,4 Millionen Aufstocker die bis zu 4 Std. täglich arbeiten, also eigentlich Arbeitslose die sich was dazuverdienen.
    1 Million Leiharbeiter die für die Hälfe des Lohns von Festangestellten arbeiten.
    6 Millionen verdienen weniger als 10 000 Euro Brutto bei Vollzeitarbeit.
    13 Millionen Menschen finden keine Stelle die mehr als Hartz4 bringt.

    Arzte., Anwälte , Apotheker , Architekten, alle haben ihre eigenen Versorgungswerke, ganz zu schweigen von Beamten und Politkikaspern.

    Wir sind ebenso wie das große Vorbild mancher eine "Entsolidarisierte" Gesellschaft geworden, sozusagen Kapitalismus im Endstadium.

  • Ein Hoch auf den EUR! Aus der versprochenen Wohlstands- und Friedenswährung ist in Wahrheit ein Armuts- und Streitprodukt geworden. Wer das ignoriert ist nicht weniger dogmatisch als die letzten DDR-Sozialisten.

    Mit eigener Währung wären die Zinsen vermutlich auch im Keller, aber zumindest würde dann noch breiter Wohlstandszuwachs durch eine Aufwertung generiert. Aber wer in der Politik interessiert sich schon für solch entscheidenen Details, lol.

  • Vernichtet wird die Rente durch das ROT- GRÜNE Alterssicherungsgesetz von 2004 !
    Viele reden einem ein : Altersvorsorge - und was passiert ROT - GRÜN erläßt ein Gesetzt das
    rückwirkend gilt und Rente zerstört !

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