Das renovierte BA-Logo erhitzt die Gemüter
Neues Stopp-Schild

Seit Monaten schon brüteten die Strategen in der Nürnberger Zentrale der Bundesagentur für Arbeit am neuen Corporate Design. So heißt das auf Neudeutsch, wenn sich ein Unternehmen oder eine Behörde ein neues Logo gibt. Normalerweise geht das einher mit einer großen Marketingkampagne, wenigstens aber mit einer zentralen Pressekonferenz, schließlich soll ja jeder wissen, wie die neuen Kleider aussehen und welche Philosophie sie in die Welt tragen. Nicht so bei der BA in Nürnberg.

HB BERLIN. Erst als das Marketing-Magazin „absatzwirtschaft“ Ende April erstmals vom neuen Auftritt der Agentur erfährt, sieht die sich genötigt, per Nachrichtenagentur die Öffentlichkeit zu informieren. Weitere Informationen gibt es nicht bis Mittwoch, dem Tag der offiziellen Präsentation. Diese findet nicht in Berlin oder wenigstens in Nürnberg statt, sondern fernab aller politischen Beobachter im sachsen-anhaltischen Halle. Eine elektronische Vorlage des neuen Logos ist aber auch an diesem Tag zunächst nirgends zu bekommen. Es bedarf mehrerer Anfragen und Telefonate, kreuz und quer durch die Republik, bis sie doch noch aufzutreiben ist. Sicher ahnte BA-Chef Frank-Jürgen Weise schon, was folgen würde: Prügel.

„Ich finde es einfach unglaublich, wie hier Beitragsmittel verschwendet werden, die die Bundesagentur per Gesetz zugewiesen bekommt“, wettert denn auch prompt der Fraktionsvize der Union im Bundestag, Ronald Pofalla: „Hier werden Hunderttausende Euro sinnlos abgefackelt und verbrannt, die besser zur Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages genutzt worden wären.“ Er kündigt an, die Union werde nächste Woche im Bundestag der Regierung „eine Reihe kritischer Fragen“ zum neuen Logo stellen.

Und auch der neue FDP-Generalsekretär Dirk Niebel holt die Keule raus: „Das ist ein unglaublicher Vorgang. Wenn die BA bei fast fünf Millionen Arbeitslosen nichts Besseres zu tun hat, als ein neues Logo zu entwerfen, das auch noch aussieht wie das alte, dann muss man schon am Verstand des BA-Vorstands zweifeln.“ Dass die Bundesagentur das Geld der Beitragszahler für solch unnötigen „Firlefanz“ ausgebe, sei ein weiterer Beweis, dass die Behörde unreformierbar sei und zerschlagen werden müsse.

Selbst Experten in Sachen Corporate Design reagieren – höflich gesagt – verwundert. Silke Niehaus zum Beispiel, Chefin der auf Corporate Design spezialisierten Agentur Niehaus Komossa aus Düsseldorf: „Das neue Logo sieht aus wie ein Stopp-Schild und bestätigt alle Vorurteile gegenüber einer Behörde: Mutlos geht es im alten Trott weiter. Man hat eine riesige Chance verpasst, die internen Veränderungen nach außen deutlich zu machen.“

Nun legt die BA Wert darauf, dass in den 100 000 Euro Entwicklungskosten mehr steckt als nur das renovierte „A“. Das neue Logo solo hat "nur" 30 000 Euro gekostet. Das restliche Geld ist unter anderem in ein Farbenleitsystem für Broschüren geflossen. Jugendliche greifen sich künftig alles, was orange ist, für Arbeitgeber ist Blau reserviert. Damit verbunden ist eine Vereinheitlichung: „Früher hat jeder Bereich seine Informationsmaterialien selbst erstellt. Das sah dann manchmal aus wie ein Werbeflyer für die Abi-Party“, sagt BA-Sprecher Ulrich Waschki. Künftig gebe es Vorlagen, die für ein sauberes Erscheinungsbild sorgen sollen. .

Carsten Heller, Leiter Marketing und interne Kommunikation bei der BA, ergänzt: „ Wir wollen damit in Summe ein klares Signal geben: Die BA öffnet sich, wird zeitgemäßer, sie arbeitet kundenorientiert und wirkungsvoller.“

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